2. Dezember 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Treffen von Gorbatschow und Bush sen.

2. Dezember 1989: Auf einem russischen Kreuzfahrtschiff vor Malta treffen sich der amerikanische Präsident George Bush sen. und der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow. In intensiven Gesprächen geht es um die Zukunft Europas und Deutschlands nach dem Mauerfall.

US-Präsident George Bush (l) lacht während der Konferenz neben dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow am 2. Dezember 1989 auf dem sowjetischen Kreuzer 'Maxim Gorki' vor der Mittelmeerinsel Malta. Auf dem Gipfel wurde der sogenannte …

Malta Gipfel

Foto: picture-alliance/dpa

Auf schwankendem Grund

Es ist eine Begegnung auf stürmischer See. So stürmisch, dass sich die beiden nicht – wie vorgesehen – auf Marine-Kreuzern treffen können, sondern auf ein Kreuzfahrtschiff ausweichen müssen. Aber auch politisch befinden die beiden Männer auf schwankendem Grund: Mit dem Fall der Mauer sind die Fundamente, auf denen Europa seit 1945 steht, erschüttert. Und niemand weiß, wie das neue Europa aussehen wird.

Wird Malta ein zweites Jalta?

Das zweitägige Treffen der beiden mächtigsten Männer der Welt vor Malta ruft Erinnerungen an die Konferenz von Jalta wach. Dort hatten 1945 die vier Mächte die Aufteilung Deutschlands beschlossen. Würde es erneut zu einer Festlegung über die Zukunft Deutschlands und damit Europas kommen?

Präsident Gorbatschow bekräftigt auf der Pressekonferenz mit Präsident Bush, die Veränderungen in der Sowjetunion und den Staaten im Osten Europas seien durch eine historische Evolution entstanden. Niemand könne diesen evolutionären Prozess aufhalten. Er glaube, so Gorbatschow, man solle "den Schwung dieser Prozesse begrüßen, denn sie stehen im Zusammenhang mit dem Willen der Menschen, ihre Gesellschaften demokratischer und menschlicher zu machen".

Keine Einschränkung für die Selbstbestimmung Deutschland

Auch hinsichtlich Deutschlands spricht Gorbatschow zunächst von der historischen Entwicklung zu zwei deutschen Staaten. Die Geschichte werde über das Schicksal dieser beiden Staaten entscheiden. Aber keiner sollte diesen Prozess künstlich beschleunigen. Das könnte zu Schwierigkeiten führen, so der sowjetische Präsident.

Auch Bush plädiert für eine vorsichtige Politik. Er habe Präsident Gorbatschow klar gemacht, dass Amerika nichts wolle, was einen Rückschritt für die Menschen bedeuten könne oder in einem militärischen Konflikt ende. Amerika habe deshalb "nicht auf der Berliner Mauer getanzt", begrüße aber natürlich die Veränderungen in Osteuropa. Es sei auch nicht Aufgabe der USA, die Geschwindigkeit der Veränderung in den Ländern zu bestimmen. Dies müsse von den Menschen selbst entschieden werden.

Der Kalte Krieg ist aus

In ihren Gesprächen behandeln die beiden Präsidenten eine Fülle von Themen. Sie verständigen sich darauf, 1990 weitreichende Abrüstungsvereinbarungen zu schließen, und sprechen darüber, wie sie die Wirtschaftsbeziehungen verstärken können. Und sie meiden bei ihren Gesprächen auch nicht strittige Themen wie das sowjetische Engagement in Nicaragua oder Kuba.

Diese intensiven Gespräche und die gute Atmosphäre lassen die Journalisten auf der Pressekonferenz fragen, ob der Kalte Krieg denn nun zu Ende sei. Und Gorbatschow antwortet: "Wir beide haben in den Gesprächen festgestellt, dass die Welt eine Epoche des Kalten Krieges verlässt und in eine andere Epoche eintritt. … Wir sind am Beginn unseres langen Weges zu einer dauerhaften, friedvollen Periode."

Der Gipfel von Malta war als erste Begegnung der beiden Präsidenten ein wichtiger Schritt, um die direkte und vertrauensvolle Kontakte zwischen den USA und der Sowjetunion herzustellen. Für den Weg zur deutschen Einheit war dieser Schritt von großer Bedeutung.