13. September 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Kritik unter geschicktem Deckmantel

13. September 1989: Das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin inszeniert erstmals Schillers „Wilhelm Tell“. Was auf den ersten Blick harmlos erscheint, ist in Wirklichkeit nichts anderes als ziemlich unverblümte Kritik an den Zuständen in der DDR.

Künstler stehen unter Generalverdacht

Bereits seit 1988 behält die Staatssicherheit den Regisseur Christoph Schroth besonders im Blick. Er ist bekannt für seine kritischen Inszenierungen – und tatsächlich: Der Leitgedanke seines Spielplans ist „Revolution“.

Das gelingt ihm auch bei der Inszenierung des „Wilhelm Tell“. Zwar musste auch dieses Stück einige Änderungen in Sinne der SED-Kulturpolitik einstecken. Die Hauptintention der Inszenierung bleibt jedoch erhalten: Der Ruf nach Freiheit.

Die DDR-Führung betrieb eine starke Kultur- und Medienkontrolle. Kultur- und Medieninstitutionen standen unter ständiger Beobachtung der Kulturverantwortlichen – manche unterstanden dem Staatsapparat sogar direkt. Alle kritischen Ansätze wollte das Regime so im Keim ersticken. Schließlich ging es der SED bei ihrer Kulturpolitik nur darum, „weiterhin die entwickelte sozialistische Gesellschaft zu gestalten“.

Das Publikum feiert

Die Doppeldeutigkeiten und Andeutungen sind für die Zuschauer offensichtlich, sie lachen und klatschen großen Beifall. Sie fühlen sich gehört und verstanden.

Der junge Wilhelm Tell verkörpert in ihren Köpfen nichts anderes als sie selbst - den DDR-Bürger, der von den herrschenden Mächten bevormundet wird. Tell aber ist mutig. Er widersetzt sich den Vorschriften und kämpft für seine Freiheit. Das Publikum feiert ihn wie einen Helden.

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