1. Oktober 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Demokratischer Aufbruch gründet sich

1. Oktober 1989: In der Ostberliner Privatwohnung des Theologen Ehrhart Neubert treffen sich 17 Bürgerrechtler, um einen Aufruf zur demokratischen Umgestaltung der DDR zu unterzeichnen – die Geburtsstunde des "Demokratischen Aufbruchs".

Signet der Partei "Demokratischer Aufbruch" .

Demokratischer Aufbruch wird gegründet

Foto: Bundesarchiv/ADN/Repro - Bild 183-1989-1213-015.jpg

Wettfahrt mit der Stasi

Der Staatssicherheitsdienst setzt alles daran, die Gründung oppositioneller Gruppen zu verhindern. Denn der 40. Jahrestag der DDR steht kurz bevor, da soll das offizielle Bild möglichst wenig gestört werden. Doch die Geheimpolizei der SED ist nicht schnell genug.

Die Bürgerrechtler haben alles gut vorbereitet. 80 Leute wollen sich in der Wohnung von Ehrhart Neubert treffen. Um die Staatssicherheit in die Irre zu führen, gibt es zunächst ein Scheintreffen in der Samaritergemeinde. Erst dort erfahren die 80 Teilnehmer, wo das eigentliche Treffen stattfindet. Doch unter ihnen muss ein Spitzel sein, der die Information an die Stasi weitergibt. Es beginnt eine Wettfahrt: Wer erreicht zuerst die Wohnung von Neubert?

Es sei eine wilde Verfolgungsfahrt von der Samaritakirche in die Privatwohnung von Neubert gewesen, sagt Günter Nooke, Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs und heutiger Afrika-Beauftragter der Bundesregierung. Die Polizei habe sich nicht abschütteln lassen und sei bis zur Wohnung gefolgt.

Die ersten 17 Bürgerrechtler kommen noch rein. Dann kommt die Stasi und riegelt schwer bewaffnet alles ab.

Bürgerrechtsbewegung für Deutsche Einheit

Ziel des "Demokratischen Aufbruchs" ist zunächst ein reformierter Sozialismus. In kleinen Schritten sollen der Staatsmacht Freiheiten abgerungen werden.

Doch die Bürgerrechtler denken auch über die Deutsche Frage nach. Sie sprechen sich als erste Oppositionsgruppe für die Deutsche Einheit auf westlicher Basis aus.

Pfarrer Ehrhart Neubert, Jahrgang 1940, seit 1979 Mitglied oppositioneller Friedenskreise, Ende der 80er Jahre Referent beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR, zuletzt Fachbereichsleiter in der Stasi-Unterlagenbehörde, heute im Ruhestand. Zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem "Unsere Revolution – die Geschichte der Jahre 1989/90", München 2009.

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