17. April 1990

Aus Karl-Marx-Stadt wird wieder Chemnitz

17. April 1990: Rund 250.000 Bürgerinnen und Bürger aus Karl-Marx-Stadt sind aufgerufen zu entscheiden, welchen Namen ihre Stadt künftig tragen soll. 76 Prozent sprechen sich für die Rückkehr zu Chemnitz aus – 37 Jahre nach der erzwungenen Umbenennung.

Karl-Marx-Stadt: Bürgerbefragung - alle Bürger, die ihren Hauptwohnsitz in Karl-Marx-Stadt haben und 1990 das 18. Lebensjahr vollenden, erhalten Stimmkarten.

1990-04-17 Abstimmung Karl-Marx-Stadt

Foto: Bundesrachiv/AD/ZB/Thieme- Ausschnitt Bild 183-1990-0410-011

Deutliche Mehrheit für ursprünglichen Namen

Fünf Tage lang haben 251.962 Karl-Marx-Städter bei einem Bürgerentscheid Gelegenheit, auf den Abstimmungskarten „Karl-Marx-Stadt“ oder „Chemnitz“ anzukreuzen. Drei Viertel der Stimmberechtigten machen davon Gebrauch. Die Auszählung am 23. April ergibt eine überwältigende Mehrheit von 76,1 Prozent für die Rückkehr zum ursprünglichen Namen Chemnitz.

Eine „Initiativgruppe für Chemnitz“ hat über 43.000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt und damit den lokalen „Runden Tisch“ und den Rat der Stadt überzeugt. Die Initiatoren übernehmen zugleich die Organisation der Abstimmung.

Am 1. Juni 1990 beschließt die Stadtverordnetenversammlung die Rückbenennung und damit das Ende einer einsamen Entscheidung, die die SED-Führung vor gut 37 Jahren getroffen hat.

Einsame Entscheidung des SED-Regimes

Am 10. Mai 1953 war die Stadt umbenannt worden - von Otto Grotewohl, dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR. Er begründete das bei einer Zeremonie auf dem Stalinplatz so: „Ich erfülle darum hiermit den Beschluss der Regierung. Ich vollziehe den feierlichen Akt der Umbenennung dieser Stadt und erkläre: Von nun an trägt diese Stadt den stolzen und verpflichtenden Namen ‚Karl-Marx-Stadt‘.“

Am 1. Januar 1953 hatte das Zentralkomitee der SED das neue Jahr zum Karl-Marx-Jahr erklärt. Zu dessen 135. Geburtstag sollte es eine Reihe von Ehrungen geben. Ursprünglich sollte Eisenhüttenstadt umbenannt werden. Nach dem Tode Stalins wurde aus dieser „ersten sozialistischen Stadt“ dann allerdings kurzerhand Stalinstadt.

Am 9. Oktober 1971 erhielt die Stadt das Karl-Marx-Monument, eine über 13 Meter hohe und rund 40 Tonnen schwere Porträtbüste ihres Namenspatrons. Die Einwohner tauften das gewaltige Denkmal respektlos "Nischl". Das Monument steht bis heute im Stadtzentrum und ist das bekannteste Wahrzeichen von Chemnitz.

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