Wirksame Waffe gegen das Coronavirus

Impfstoffentwicklung Wirksame Waffe gegen das Coronavirus

Abstand halten, Hände waschen, Mundschutz tragen – mit diversen Schutzmaßnahmen kann das neuartige Coronavirus eingedämmt werden. Eine erfolgreiche Bekämpfung ist aber erst durch einen Impfstoff möglich. In Deutschland, Europa und weltweit forschen Wissenschaftler nach einer schnellen Lösung. Die Bundesregierung unterstützt dies mit mehr als einer Milliarde Euro.

Die Grafik zeigt, dass die Bundesregierung die Suche nach einem Impfstoff mit mehr als einer Milliarde Euro unterstützt. 525 Millionen fließen in die internationale Zusammenarbeit, bis zu 750 Millionen in ein nationales Sonderprogramm.

Die Bundesregierung unterstützt die intensive Suche nach einem Impfstoff.

Foto: Bundesregierung

"Die Pandemie ist eine globale Herausforderung. Deshalb können wir sie auch nur global besiegen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 4. Mai 2020 auf einer von der EU initiierten internationalen Geberkonferenz. Die Kanzlerin sagte zu, dass sich Deutschland hier mit 525 Millionen Euro am Kampf gegen das Coronavirus beteiligen werde. Insgesamt wurden von mehr als 40 Ländern und Organisationen 7,4 Milliarden Euro zugesagt.

Ein Großteil der gesammelten Gelder gehen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Gavi) und die Koalition für Innovationen in der Epidemievorbeugung (CEPI).

Weltweite Bemühungen im Kampf gegen Corona

Ein wirksamer und sicherer Impfstoff gegen Covid-19 gilt als die entscheidende Waffe im Kampf gegen die Pandemie. Weltweit forschen zahlreiche Pharmaunternehmen und Institutionen mit Hochdruck an einem solchen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Die London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) listet weltweit fast 160 Projekte auf, die an einem Impfstoff forschen.

Die WHO sieht auf der Suche nach einem Impfstoff sieben bis acht vielversprechende Kandidaten. Die Forschungsbemühungen würden durch die Anfang Mai zu diesem Zweck gesammelten 7,4 Milliarden Euro verstärkt, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Seit Januar arbeite die WHO mit tausenden Forschern auf der ganzen Welt zusammen, um die Impfstoffentwicklung zu beschleunigen und zu verfolgen, so Tedros. Dies gehe von der Entwicklung von Tiermodellen bis hin zu klinischen Versuchsdesigns.

Der WHO-Generaldirektor betonte noch einmal die extrem hohe Ansteckungsgefahr von Covid-19. Weltweit wurden der WHO zufolge rund fünf Millionen Infektionen und mehr als 320.000 Todesfälle in Folge der Erkrankung Covid-19 registriert (Stand: 22. Mai 2020). Während die Zahl der Neuinfektionen in Westeuropa rückläufig sei, nehme sie in Osteuropa, Afrika, Südostasien, dem östlichen Mittelmeer und anderen Regionen zu, sagte Tedros.  

Der WHO gehören heute 194 Staaten an. Sie soll nicht nur Soforthilfe bei Katastrophen leisten, sondern auch gesundheitliche Entwicklungen weltweit überwachen und bewerten, darunter etwa auch Ernährung und sanitäre Verhältnisse. Sie ist federführend in der Forschung zu Gesundheit sowie im Aufstellen von Normen und Standards. Zu ihren Aufgaben zählt etwa die Entwicklung von Tests, Medikamenten und Impfstoffen.

Nationales Sonderprogramm ergänzt internationales Engagement

"Ein Impfstoff ist der Schlüssel für eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Normalisierung – für ein Leben, das wir gewohnt sind und das viele schmerzlich vermissen", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Daher habe die Bundesregierung ein weiteres Sonderprogramm in Höhe von 750 Millionen Euro aufgelegt, das die international bereits zugesagten Gelder Deutschlands ergänze.

Zwei Drittel des Sonderprogramm werden auf die Ausweitung von Studien entfallen, der Rest ist für die spätere Sicherung der Produktion in Deutschland vorgesehen. Die Entwicklung wirksamer Impfstoffe ist überaus komplex und anspruchsvoll. Ein Impfstoff muss sicher und wirksam sein. Dafür sind umfangreiche klinische Studien erforderlich. Solche Studien werden gewöhnlich aufeinanderfolgend und nur mit der notwendigen Probandenzahl durchgeführt.

Mit dem Sonderprogramm sollen sogleich Studien mit größerer Probandenzahl ermöglicht werden. Das ist sehr aufwändig und kostenintensiv, verspricht aber auch schnellere Fortschritte. Ist ein wirksamer und sicherer Impfstoff gefunden, müssen davon auch genügend Impfdosen hergestellt werden. Das ist neben der Impfstoffentwicklung selbst eine weitere große Herausforderung. Auch hier soll das Sonderprogramm unterstützen.

Weiterhin leistet die Bundesregierung finanzielle Unterstützung für die Impfstoffinitiative CEPI und die internationale Impfallianz GAVI. Außerdem werden nationale Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) sowie die vier großen Forschungsorganisationen Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und Max-Planck-Gesellschaft gefördert.

Stationen zur Zulassung eines Impfstoffes

Der Präsident des bundeseigenen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, hält konkretere Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung gegen das neue Coronavirus bis zum Jahreswechsel für möglich. Falls klinische Prüfungen positiv ausfielen, "unterhalten wir uns gegen Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres darüber, wie man in Richtung einer Zulassung kommt", sagte Cichutek in einem Interview. Generell sei er optimistisch.

Im Fall von Corona sei der gefährliche Erregerbestandteil, mit dem das Virus in die Zellen eindringe, bekannt, erläuterte Cichutek. In Tiermodellstudien sei außerdem bereits gezeigt worden, dass ein Schutz gegen den neuartigen Erreger grundsätzlich möglich sei.

Das PEI ist in Deutschland für die Genehmigung und Unterstützung der Tests neuer Medikamente zuständig. Es genehmigte bereits erste klinische Tests mit Impfstoffkandidaten des deutschen Biotechnologieunternehmens BioNtech. Diese befinden sich aber noch in einer frühen Phase. Cichutek sagte, er rechne zudem mit drei weiteren klinischen Tests von Impfstoffkandidaten.

Audio-Podcast 21:18

Podcast Corona aktuell "Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Impfstoffentwicklung ist hoch"