Voller Überzeugung ehrenamtlich engagiert

Ehrenamtliche im Kurzporträt Voller Überzeugung ehrenamtlich engagiert

Ehrenamtliches Engagement hat eine lange Tradition in Deutschland. 30 Millionen Menschen setzen sich hierzulande in unterschiedlichen Bereichen für andere ein und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt. Am Mittwoch wird die Bundeskanzlerin mit zehn ehrenamtlich Engagierten über ihren Einsatz sprechen. Wir stellen zwei von ihnen vor.

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Dr. Gaby Knecht hilft in Entwicklungsländern schwer kranken Menschen, wie hier Kindern auf den Philippinen.

Foto: Dr. Gaby Knecht

Dr. Gaby Knecht ist niedergelassene Internistin/Infektiologin mit einer Praxis in Frankfurt. Sie ist zeitlich gut ausgelastet – dennoch engagiert sie sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Mit den German Doctors hilft sie in Entwicklungsländern schwer kranken Menschen. Im Januar und Februar vergangenen Jahres war sie auf Mindoro – einer philippinischen Insel – und hat dort zusammen mit einem lokalen Team die indigene Bevölkerungsschicht der Mangyans medizinisch versorgt.

Es braucht dringend wieder Ärzte vor Ort

In den Einsatzgebieten der German Doctors gab es einen durch Corona bedingten Lockdown, in dessen Folge alle ehrenamtlichen Ärzte der German Doctors aus den Ländern verwiesen wurden. Dr. Gaby Knecht baute zusammen mit German und Swiss Doctors eine Telemedizingruppe auf Mindoro auf, um die lokalen Kräfte vor Ort medizinisch zu unterstützen. „Durch den Zeitunterschied sind die Anfragen zu deutscher Zeit in den frühen Morgenstunden, sodass ich das vor meiner eigentlichen Sprechstundentätigkeit in Ruhe machen kann“, berichtet sie. Allerdings brauche es „dringend wieder Ärzte vor Ort in allen Projekten“.

Wie vereinbart sie das Engagement mit dem Alltag? „Ich glaube, dass für ein ehrenamtliches Eintreten für Menschen, die unsere Hilfe brauchen immer Zeit zu finden ist“, sagt die Internistin. Sowohl das Engagement vor Ort als auch die Telemedizin erde einen sehr, „daher hat es einen positiven Einfluss auf alle von uns, die sich ehrenamtlich engagieren.“

Corona hat den Zugang verschlechtert

Durch das Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erhofft sie sich mehr Aufmerksamkeit für die Projekte im Ausland: „Mir ist es wichtig deutlich zu machen, dass es ehrenamtliche Einsätze medizinscher oder sozialer Art außerhalb von Deutschland überall in den Brennpunkten der Welt gibt. Corona hat den Zugang der Menschen zu diesen Hilfen verschlechtert. All diese Projekte brauchen nun die Hilfe der Politik, damit wir zeitnah mit Sondergenehmigungen oder ähnlichem – als Geimpfte – dort wieder einreisen dürfen, um dringend notwendige Hilfen zu leisten.“

Die German Doctors gibt es seit 1983. Sie sind in medizinischen Notstandsgebieten von Entwicklungsländern, zumeist in Slums von Großstädten oder in abgelegenen ländlichen Regionen, tätig. Jährlich gehen mehr als 300 Ärzte nach Indien, Bangladesch, Kenia, Sierra Leone und auf die Philippinen ehrenamtlich in den Einsatz, vor allem um dort schwer kranke Menschen zu behandeln. 

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Claudia Merten freut sich auf den Austausch mit der Kanzlerin und hofft, dass Anregungen aus den Reihen der Ehrenamtlichen aufgegriffen werden.

Foto: Claudia Merten

Claudia Merten ist 34 Jahre alt, lebt in Hamburg und studiert Soziale Arbeit. Daneben arbeitet sie als Fallmanagerin. In dieser Funktion berät und unterstützt sie junge arbeitslose Menschen. Gleichzeitig engagiert sie sich zudem auch seit drei Jahren für ein Containerprojekt der Caritas und ihrer Universität für obdachlose Frauen auf dem Campus ihrer Hochschule. Dabei geht es darum, die Frauen, die im Projekt leben, zu unterstützen, sie zu beraten, gemeinsam etwas zu unternehmen oder „einfach nur da zu sein“, wie Merten sagt.

„Ein bisschen Normalität“

Das Projekt konnte trotz der aktuellen Gegebenheiten weitergehen. Das habe „für ein bisschen Normalität“ gesorgt, so Merten. Allerdings kamen viele Sorgen aufgrund der Einschränkungen auf: „Es wurden beispielsweise viele Versorgungsstellen und Aufenthaltsstätten geschlossen und Besuche auf unserem Gelände verboten. Zudem durften wir uns nicht mehr gemeinsam im sogenannten Bürocontainer aufhalten und die Essensausgabe fand durch das Fenster statt. Das hatte den „Charme“ eines Drive-Ins“, berichtet die 34-Jährige. Die Gespräche hätten dadurch anfangs eine andere Qualität gehabt. Trotz aller Umstände habe das Engagement aufrechterhalten werden können, so Merten.

Organisationsgeschick und Zeitmanagement

„Das Ehrenamt erfordert Organisationsgeschick und ein gutes Zeitmanagement, aber es bereitet mir Freude und dadurch fällt es nicht zu schwer, auch mal an einem Sonntag früh aufzustehen um ein gemeinsames Frühstück mit den Frauen zu ermöglichen“, berichtet die Studentin. Zudem brächten Familie und Freunde viel Verständnis für ihr Engagement auf. Ihr Arbeitgeber sei zudem „sehr entgegenkommend“ und biete ihr Möglichkeiten, flexibel zu agieren und Arbeit und Ehrenamt zu kombinieren.

Mit Blick auf den Dialog mit der Bundeskanzlerin freut sich Claudia Merten auf einen angenehmen Austausch und hofft, dass Anregungen aus den Reihen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgegriffen werden. Diese seien schließlich Experten und Expertinnen in ihren jeweiligen Bereichen. Die Einladung zum Dialog empfindet sie als Auszeichnung: „Dadurch wird meines Erachtens ein Zeichen gesetzt, dass das Ehrenamt wertgeschätzt wird.“

Das Containerprojekt bietet zehn obdachlosen Frauen einen eigenen Container, ausgestattet mit Bett, Schrank, Tisch und Stuhl. Gemeinsam genutzt wird ein Sanitär- und ein Bürocontainer. Die Frauen erhalten auf Wunsch Beratung und Unterstützung, beispielsweise bei Behördengängen oder der Wohnungssuche.

Wie erleben ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger die Monate der Corona-Pandemie? Was ist besonders herausfordernd? Darüber spricht Kanzlerin Merkel mit ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern von verschiedenen Hilfsorganisationen – im digitalen Bürgerdialog am Mittwoch, 26. Mai. Der Austausch findet von 16 Uhr bis 17:30 Uhr statt und wird auf bundesregierung.de live übertragen.