"Wichtig ist das Leben einer Willkommenskultur"

Leiter International Office der Uni Köln "Wichtig ist das Leben einer Willkommenskultur"

Deutschland wird in aller Welt zunehmend als Studienort nachgefragt. Im vergangenen Wintersemester zählten die deutschen Universitäten etwa 395.000 ausländische Studierende – so viel wie noch nie. Was macht die Hochschulen so attraktiv? Im Interview erklärt Stefan Bildhauer, Leiter des International Office der Universität Köln, die hohe Bedeutung von individuellen Betreuungsangeboten und einer lebendigen Willkommenskultur.

Studenten in einem Hörsaal der Uni Köln

Die Universität zu Köln bietet spezielle Angebote für ausländische Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an.

Foto: imago images / Future Image / C. Hardt

Wie viele andere deutschen Universitäten will auch die Universität zu Köln Studierenden aus dem Ausland optimale Bedingungen und die bestmögliche Unterstützung bieten. Dr. Stefan Bildhauer ist bei der Kölner Uni als "Leiter des International Office" Experte für Fragen rund um die Betreuung von Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland.

Herr Dr. Bildhauer, Deutschland wird attraktiver für Studierende aus dem Ausland. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen an der Universität zu Köln?

Stefan Bildhauer: In Köln gehen die Zahlen nur leicht nach oben. Das liegt in erster Linie daran, dass in Köln nahezu alle Bachelorstudiengänge zulassungsbeschränkt sind. Und damit ist die Zahl der zu vergebenen Plätze definiert. Im Master- und Promotionsbereich steigen die Zahlen deutlicher. Im Masterbereich insbesondere bei den englischsprachigen Studiengängen in den Naturwissenschaften. Die Gesamtzahl der internationalen Studierenden ohne Promotion liegt bei 5.750: Das ist bei insgesamt etwa 50.000 Studierenden an der Kölner Universität ein Anteil von 11,5 Prozent.

Aus welchen Herkunftsländern kommen die Studierenden?

Bildhauer: Die traditionellen Schwerpunktländer sind Türkei, China, Italien, die Russische Föderation, Bulgarien und auch Luxemburg. Als Trend gibt es seit Kurzem eine größere Nachfrage nach englischsprachigen Masterstudiengängen aus afrikanischen Staaten wie Nigeria und Kenia.

Was zeichnet denn deutsche Hochschulen besonders aus?   

Bildhauer: Deutschland ist bekannt für sein hohes Bildungsniveau und gute Universitäten. Die Qualität des Angebotes ist ein sehr wichtiger Aspekt. Eine Rolle spielt aber auch, dass in Deutschland keine Studiengebühren erhoben werden. Zudem gibt es ein vielfältiges Marketing für deutsche Universitäten im Ausland, das vor Ort sehr stark wahrgenommen wird. Die Aktivitäten der Dachorganisationen DAAD und Gate Germany sind für die deutschen Universitäten sehr hilfreich.

Die Grafik zeigt den Anstieg der Zahl ausländischer Studierender

Deutschlandweit ist die Zahl ausländischer Studierender von 252.032 im Wintersemester 2010/2011 auf 394.665 im Wintersemester 2018/2019 gestiegen.

Foto: Bundesregierung

Seit Ende der 1990er Jahre hat sich die Zahl der Ausländer, die in Deutschland einen Hochschulabschluss erworben haben, mehr als verfünffacht. Die wichtigsten Herkunftsländer sind China, die Türkei, Indien, Italien und Russland. Das geht aus dem aktuellen Migrationsbericht des Bundesinnenministeriums hervor.

Wie engagiert sich denn die Kölner Universität, um für ausländische Studierende und Wissenschaftler attraktiv zu sein?

Bildhauer: Ganz wichtig sind zielgruppenspezifische Betreuungsangebote und vor allem eine allgemeine Willkommenskultur. Gleich, ob es sich um Studierende für einen Bachelor- oder Masterabschluss oder um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler handelt: Sie müssen sich bei uns wohlfühlen können.

Wichtig sind auch individuelle Betreuungsprogramme für Bewerberinnen und Bewerber. Das beginnt mitunter schon in zahlreichen   Herkunftsländern. Dort unterhalten wir vielfältige Kontakte, beispielsweise zu Schulen und Hochschulen. Außerdem sind wir mit eigenen Büros in China, Indien und in New York vertreten. Nicht zuletzt um mögliche Interessenten für ein Studium in Köln zu gewinnen. Wertvolle Kontakte entstehen auch über die internationalen Austauschprogramme, die wir durchführen und für die wir ein spezielles "Cologne Global Study Program" entwickelt haben.

Hier an der Uni spielt auch die Unterstützung beim Übergang von der Universität ins Arbeitsleben eine große Rolle, da viele der ausländischen Studierenden in unserem Land bleiben möchten.
      
Welche konkreten Programme oder Projekte für internationale Studierende gibt es denn bei Ihnen?

Bildhauer: Für entscheidend halte ich, dass wir nicht nur die Gesamtzahl der ausländischen Studentinnen und Studenten weiter steigern, sondern vor allem, dass die allermeisten von ihnen unsere Studiengänge erfolgreich absolvieren. Deshalb haben wir bereits vor etwa zehn Jahren ein spezielles Programm entwickelt, dass die Abbruchquote der ausländischen Studierenden deutlich verringert hat. Es nennt sich "Studienstart International" und hat wegen seines Erfolges schon bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Das Programm sieht zusätzliche obligatorische Veranstaltungen vor; beispielsweise Sprachkurse, um die Kenntnisse der deutschen Sprache  weiter zu verbessern - aber auch verpflichtendes interkulturelles Training. Darüber hinaus bekommen die internationalen Studierenden schon vor dem eigentlichen Studienbeginn die Chance, sich bei uns mit besonders schwierigen Aufgaben in den ersten Semestern zu beschäftigen. Dadurch können sie schauen, ob sie diese Hürden erfolgreich bewältigen können.

Was ist das Wichtigste an einer Universität, damit die Integration der Zuwanderer funktioniert

Bildhauer: Zentral ist, dass sich nicht nur ein Arbeitsbereich wie das International Office um die Eingliederung kümmert. Die gesamte Universität muss eine Willkommenskultur leben! Unsere Internationalisierungsstrategie sieht beispielsweise vor, dass es in sämtlichen Fakultäten Zentren für internationale Beziehungen gibt, die die Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt persönlich betreuen. Wichtig ist zudem die interkulturelle Bildung der Beschäftigten in der Uni-Verwaltung: Wir nennen dies "Internationalisierung zuhause". Spezielle Guides in allen Einheiten der zentralen Verwaltung schulen unsere Angestellten und stehen ihnen bei Fragen zur Verfügung.

Welche Bedeutung hat denn die Integration ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Ihnen?

Bildhauer: Eine sehr große! Das belegen schon die Zahlen: In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil des internationalen wissenschaftlichen Lehrpersonals bei uns verdoppelt: Er liegt jetzt bei 12,5 Prozent. Das ist eine markante Steigerung für eine deutsche Hochschule. Dazu beigetragen hat sicher auch unser "Welcome-Center", das internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon vor ihrem Aufenthalt bei uns auf ihre Forschungsaufgabe und die deutschen Besonderheiten vorbereitet – und zwar noch im Ausland. Unser Betreuungsangebot bezieht den Lebenspartner oder die Lebenspartnerin,  die gesamte Familie und Kinder mit ein. Das ist mitentscheidend für eine gute Integration. Die Attraktivität dieses Programms scheinen viele zu erkennen. 

Zur Reputation unserer Universität trägt auch unser internationales Alumni-Programm bei, das wir für internationale Studierende und für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgebaut haben.        

Engagiert sich Ihre Universität auch in besonderer Weise für Menschen mit Fluchthintergrund?

Bildhauer: Seit 2015 bieten wir Deutschkurse für Studierende mit Fluchthintergrund an. Und zwar auf einem Niveau, das es ihnen ermöglicht, an einer deutschen Hochschule studieren zu können. Etwa 120 Geflüchtete nehmen an dem Programm teil. Im nächsten Schritt geht es darum, sie in die normalen Studiengänge oder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zusätzlich haben wir spezielle Programme für geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer aufgebaut; und bieten solche künftig auch für Juristen mit Fluchthintergrund an. Auch einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei uns sind Geflüchtete. Sie werden jeweils durch ein sehr individuell zugeschnittenes Mentorenprogramm betreut.