Normaler Polizeialltag plus völlig neue Aufgaben

Polizistinnen und Polizisten im Porträt Normaler Polizeialltag plus völlig neue Aufgaben

Anerkennung für die polizeiliche Arbeit und mehr gesamtgesellschaftlicher Dialog: Die Polizistin Patricia Scicolone und der Polizist Andreas Duphorn haben im Bürgerdialog mit der Kanzlerin ihre Erfahrungen in der Corona-Krise geschildert - und ihre Wünsche an die Kanzlerin geäußert.

Foto zeigt Polizistin

"Die anfängliche Unwissenheit über das Virus erschwerte den dienstlichen Alltag", erinnert sich Polizeikommissarin Patricia Scicolone.

Foto: Pressestelle PP Duisburg

Patricia Scicolone aus Duisburg und Andreas Duphorn aus Erfurt waren zwei von zwölf Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die am dritten Bürgerdialog der Kanzlerin teilgenommen haben. Durch ihre Teilnahme gaben sie der Kanzlerin einen wertvollen Einblick in den polizeilichen Alltag während der Corona-Pandemie.

Der Lockdown - eine völlig neue Herausforderung

"Die anfängliche Unwissenheit über das Virus erschwerte den dienstlichen Alltag", erinnert sich Patricia Scicolone. Sie ist 26 Jahre alt und als Polizeikommissarin in einer Duisburger Polizeidienststelle im Streifendienst tätig. Dass anfangs kaum etwas über das Virus bekannt gewesen sei und sich die Verordnungen häufig geändert haben, habe den Dienst sehr schwierig gemacht.

"Es herrschte Unsicherheit, was passiert da, was bedeutet die Pandemie?", erinnert sich auch Andreas Duphorn an den Beginn und die beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Der 48-jährige Polizeihauptkommissar ist in der Erfurter Polizeidienststelle tätig.

Beide sammelten im Dienst ähnliche Erfahrungen: Einerseits habe sich der normale polizeiliche Alltag unvermindert fortgesetzt. Hinzu gekommen seien allerdings völlig neue Aufgaben, beispielsweise die Überwachung der Beschränkungen, die Beachtung der sich häufig ändernden Hygienemaßnahmen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern als auch gegenüber den Kolleginnen und Kollegen sowie die Belastungen durch das ungleich höhere Ansteckungsrisiko im dienstlichen Alltag.

Die Pandemie als alltäglicher Begleiter

"Im Laufe der Pandemie verbesserte sich die Informationslage", schildert Patricia Scicolone ihre Eindrücke. Mit der Zeit habe man sich deshalb im alltäglichen Dienst besser an die Gegebenheiten anpassen können. Das Risiko einer Ansteckung sei allerdings allgegenwärtig, auch und gerade im polizeilichen Alltag. Häufig sei das Distanzhalten schlichtweg nicht möglich. Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern stelle sie eine zunehmende Anspannung bzw. Gereiztheit und Aggressivität fest, deren Auslöser vermutlich die mit der Pandemie einhergehenden Beschränkungen sei.

Foto zeigt Andreas Duphorn

Polizeihauptkommissar Andreas Duphorn.

Foto: POM Harprecht

"Polizeidienst lebt von der Kommunikation", doch gleichzeitig sei diese nun viel schwieriger geworden, bemerkt auch Andreas Duphorn. Gestik und Mimik richtig hinter einer Maske zu deuten, die veränderte Distanz wahrzunehmen - all das sei bei Einsätzen wichtig und erschwere nun die Arbeit ungemein. Schließlich gehe es ja um Konfliktlösung und das wichtigste polizeiliche Einsatzmittel: die Kommunikation.

Die Veränderungen durch die Pandemie machen sich auch in den Dienststellen, zum Beispiel durch veränderte Hygieneregeln oder größere Distanz bemerkbar. Zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger, der Kolleginnen und Kollegen und ihrer Familien wird Mindestabstand hier bestmöglich gewahrt. Gerade in einem so herausfordernden Beruf, bei dem die Polizistinnen und Polizisten nach tragischen oder schlimmen Einsätzen die Kommunikation zur Bewältigung benötigen, sei diese physische Distanz ein ernstzunehmendes Problem, berichten die Polizeikommissarin und der Hauptkommissar.

Positiv bemerkte Patricia Scicolone, dass die nötige Schutzausstattung wie zum Beispiel Schutzmasken und Desinfektionsmittel unverzüglich zur Verfügung stand.

Mehr Verständnis und Anerkennung 

"Es wird immer mehr vergessen, dass sich in der Uniform, im Einsatzanzug, unter dem Helm oder der Dienstmütze ein Mensch wie du und ich befindet", berichtet Andreas Duphorn. Verständnis habe er beispielsweise für die kritische Auseinandersetzung mit und eine Diskussion über die Corona-Maßnahmen. Schwer nachzuvollziehen sei es aber, wie man sich und andere angesichts der Pandemie zum Beispiel auf Versammlungen oder im Alltag durch Nichteinhaltung von Maskenpflicht und Mindestabstand so sehr gefährden könne.

Das Unverständnis darüber und die Gefährdung der eigenen Gesundheit sowie der Gesundheit der Familie stellen auch für Patricia Scicolone große Herausforderungen dar. Beide wünschen sich deshalb mehr Verständnis und Anerkennung, nicht nur von Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch von der Politik.

Auch die Freizeit verändert sich

Eine Veränderung durch die Corona-Maßnahmen stellt Andreas Duphorn auch in seinem privaten Alltag fest. Als Trainer für eine Jugend-Fußballmannschaft hatte er vor der Pandemie für seinen durchaus belastenden Arbeitsalltag viel Ausgleich und Freude dabei gefunden, jungen Menschen das Fußballspielen beizubringen und wichtige Werte, wie Teamgeist oder Zusammenhalt zu vermitteln. Diese Hobbys fallen, wie so viele andere Alltagsroutinen, nun in diesen Monaten der Pandemie wieder weg. Gleiches gilt für Patricia Scicolone. Sie kann ihrer Leidenschaft, dem Handball, nun vorerst nicht mehr nachgehen. Diesen wichtigen sozialen und sportlichen Ausgleich vermisse sie schon sehr.

Sie stellen trotz allem fest: "Irgendwie muss es ja laufen". Daran werde auch die Pandemie nichts ändern. Mit ihrem Mut und Engagement als Polizistin und Polizist im Dienst für die Bürgerinnen und Bürger tragen sie in jedem Fall dazu bei.

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