Flutkatastrophe im Ahrtal 2021
Die Bilder der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2021 sind vielen Menschen bis heute in Erinnerung. Die Flut brachte viel Leid und Zerstörung. Die Bundesregierung erinnert an die Opfer, dankt den Einsatzkräften und hat Lehren aus den Ereignissen gezogen.
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Die Überflutungen im Ahrtal im Juli 2021 brachten viele Zerstörungen mit sich, die für die Menschen vor Ort zum Teil noch bis heute spürbar sind.
Foto: picture alliance / Geisler-Fotop
Fünf Jahre sind seit der verheerenden Flutkatastrophe vergangen, die vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen enormes Leid und Zerstörung verursacht hat. Auch Bayern und Sachsen waren von den Flutereignissen betroffen. Insgesamt starben mehr als 180 Menschen, viele weitere verloren ihre Existenz. Ein besonders erschreckendes Ausmaß hatte die Flut im Ahrtal. Die Folgen belasten viele Menschen vor Ort bis heute.
Folgen der Überflutung dauern an
Um schnellstmöglich zu unterstützen, hatte der Bund unmittelbar nach der Flutkatastrophe gemeinsam mit den Ländern zunächst 800 Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt. Zusätzlich wurde für den langfristigen Wiederaufbau das Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ mit bis zu 30 Milliarden Euro errichtet. Davon sind bis zu 28 Milliarden Euro für die Wiederaufbaumaßnahmen in den Ländern und 2 Milliarden Euro für den Wiederaufbau der Bundesinfrastruktur vorgesehen.
Bis zum 30. Juni 2026 sind aus dem Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ Mittel in Höhe von insgesamt rund 6,2 Milliarden Euro abgerufen worden. Davon gingen rund 5,2 Milliarden Euro an die Länder. Knapp eine Milliarde Euro wurde für den Wiederaufbau von Bundesinfrastruktur verwendet. Die Antragsfrist für das Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ ist am 30. Juni 2026 ausgelaufen. Die Behörden können aber noch bis Ende 2030 Anträge bewilligen.
Fakten zur Flutkatastrophe in 2021: Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben. Zum Teil fielen in der Ahrtalregion bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Zum Vergleich: Seit 1990 fielen in diesem Gebiet im Durchschnitt im gesamten Monat Juli keine 70 Liter. Das THW stellte in der Hochphase pro Tag über 4.100 ehrenamtliche Kräfte – schwerpunktmäßig an der Ahr und an der Erft.
Überragende Leistung der Einsatzkräfte
Neben den finanziellen Anstrengungen, die für den Wiederaufbau gebraucht werden, soll an die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte erinnert werden. Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei haben Überragendes geleistet. Der Bund beteiligte sich hieran beispielsweise mit Kräften des THW und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Auch Bundeswehr und Bundespolizei waren im Einsatz.
Das Technische Hilfswerk (THW) ist die ehrenamtliche Einsatzorganisation des Bundes und gehört zum Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums. Es steht der Bevölkerung in Not- und Unglücksfällen mit Technik und Know-how zur Seite. Dies geschieht in Deutschland und weltweit in Hilfseinsätzen. Das THW besteht aus etwa 2.200 hauptamtlichen und rund 88.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutschlandweit.
Was die Flutkatastrophe gezeigt hat
Um sich besser auf künftige Naturkatastrophen vorzubereiten, hat auch der Bund aus dem damaligen Geschehen die richtigen Schlüsse gezogen.
Ein Aspekt war etwa die effektivere Warnung der Bevölkerung in Gefahrensituationen: Alle Menschen müssen erreicht werden. Dies geschieht am besten in einer Kombination aus digitalen und analogen Warnmitteln – zum Beispiel durch Warn-Apps, Cell Broadcast und Sirenen.
Cell Broadcast nennt man ein Warnsystem für Mobiltelefone, das Nachrichten über Mobilfunkmasten an alle Handys in einem bestimmten Gebiet sendet – ohne App, Telefonnummer oder Internetverbindung.
Darüber hinaus arbeitet die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern und Kommunen stetig an einer Fortentwicklung und Verbesserung des Bevölkerungsschutzes.
- Der Bund wird bis 2029 mit dem Pakt für den Bevölkerungsschutz insgesamt zehn Milliarden Euro in den Bevölkerungsschutz investieren.
- Wir stärken das BBK und haben mit dem „Gemeinsamen Kompetenzzentrum“ auch eine verbesserte Sicherheitsarchitektur geschaffen.
- Beim jährlichen bundesweiten Warntag testen Bund, Länder und Kommunen ihre Warnsysteme.
- Der bundesweite Bevölkerungsschutztag findet seit 2024 jährlich statt.
- Krisenmanagement muss geübt werden. Deshalb findet im November 2026 die länder- und ressortübergreifende Krisenmanagementübung LÜKEX statt. Dort sollen vor dem Hintergrund des Szenarios Dürre und Hitzewelle – Notlage durch extreme Hitzewelle nach langjähriger Trockenperiode in Deutschland und Europa – gemeinsam mit den Ländern Strukturen und Abläufe im Krisenmanagement zu üben, grundlegend zu prüfen und zu verbessern.
- Mit dem KRITIS-Dachgesetz hat die Bundesregierung erstmals sektorenübergreifende Vorgaben zum physischen Schutz der kritischen Infrastruktur in Deutschland auf den Weg gebracht. Im Sinne eines Allgefahrenansatzes werden damit unter anderem auch Risiken durch Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen in den Blick genommen.
Bevölkerungsschutz umfasst die Begriffe Zivilschutz und Katastrophenschutz.
Zivilschutz definiert die Aufgabe, die Bevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren zu schützen. Unter Katastrophenschutz versteht man den Schutz bei großen Unglücken und Katastrophen in Friedenszeiten.
Weitere Informationen und Tipps für den Umgang mit Hochwasser finden Sie beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
Ob Hitze, langanhaltende Dürren oder andere Extremwetterereignisse, wie Stürme und Starkregen – die Bundesregierung sieht die dringende Notwendigkeit, die Anpassung an den Klimawandel weiter voranzutreiben. Deshalb gilt es, die Klimaanpassungsstrategie weiter umzusetzen und bundesweit die dazu bestehenden Förderprogramme zielgerichtet und effizient zu nutzen. So berät das Zentrum für KlimaAnpassung (ZKA) alle Interessierten, vor allem Kommunen und Städte. Kommunen können dabei voneinander lernen und für sie geeignete Beispiele übernehmen.
Zudem wird das bundesweite Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz weitergeführt, für das bis 2028 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Gesunde Wälder, Moore und Auen wirken nicht nur Trockenheit entgegen, sie können viel Wasser aufnehmen und vorhalten, für Dürrezeiten speichern und bei Hochwasser als Überschwemmungsflächen zur Verfügung stehen. Das Aktionsprogramm sorgt mithin dafür, dass die genannten Ökosysteme gestärkt, wiederhergestellt und bewahrt werden. Und um die künftigen Möglichkeiten nicht ungenutzt zu lassen, will die Bundesregierung auch die Forschung zu Klimafolgen und Klimaanpassung verstärken.
Die Bundesregierung investiert so viel wie noch nie in die Verkehrsinfrastruktur Deutschlands. Bis 2029 fließen etwa 169 Milliarden Euro in die Sanierung kaputter Straßen, überlasteter Schienenwege, maroder Brücken und sanierungsbedürftiger Wasserstraßen. Das Geld stellt der Bund zum Teil aus dem Bundeshaushalt aber insbesondere aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zur Verfügung. Dadurch können deutlich mehr Investitionen als zuvor ermöglicht werden.
Damit das Geld aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität schnell zum Einsatz kommt und die Bauprojekte zügig vorangehen, hat die Bundesregierung zudem Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt: Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ermöglicht schnelleres, pragmatisches und unbürokratisches Bauen. Konkret werden damit unter anderem Autobahnen und Bundesfernstraßen, Schienenwege, der Ersatz von maroden Brücken, der Neu- und Ausbau von LKW-Parkplätzen, Hafenanlagen, Projekte zum Hochwasser- und Küstenschutz sowie wichtige Sanierungen von Wasserstraßen künftig prioritär behandelt.
Darüber hinaus hat die Bundesregierung auch das Vergabebeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht. Es ist am 1. Juli 2026 in Kraft getreten. Damit ist das nationale Vergaberecht schneller, einfacher, flexibler und digitaler. Das ist besonders wichtig, um Bauprojekte schnell und unbürokratisch mit Mitteln aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zu versorgen.