„Pack ma‘s“ – Koordinierte Hilfe vor Ort

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Eine Freiwilligenagentur als Krisenmanager „Pack ma‘s“ – Koordinierte Hilfe vor Ort

Der russische Angriffskrieg hat Entsetzen und Bestürzung, aber auch eine große Welle der Unterstützung für die Ukraine ausgelöst. Es geht um konkrete Hilfen für die Menschen vor Ort und Geflüchtete, die bei uns Schutz suchen. Die „Freiwilligenagentur pack ma‘s“ im bayerischen Arnstorf packt kräftig mit an. Unterstützt wird sie durch das Programm „Engagiertes Land“ der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.

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Lutz Wudtke und Marion Winter packen für die nächste Hilfslieferung in die Ukraine. Sonja Geigenberger (rechts) von pack ma´s vernetzt die freiwilligen Helfer und Initiativen im Landkreis Rottal-Inn.

Lutz Wudtke und Marion Winter packen für die nächste Hilfslieferung in die Ukraine. Sonja Geigenberger (rechts) von pack ma´s vernetzt die freiwilligen Helfer und Initiativen im Landkreis Rottal-Inn.

Foto: Marion Winter

„Die Hilfsbereitschaft ist einfach Wahnsinn“, sagt Sonja Geigenberger von der Freiwilligenagentur pack ma‘s – einem Projekt der Hans Lindner Stiftung – in Arnstorf. „Deshalb ist unbedingt eine Koordination notwendig geworden.“ Und hier ist die Agentur eingesprungen, die bereits seit vielen Jahren das bürgerschaftliche Engagement im Ort unterstützt. In enger Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement des Landratsamtes Rottal-Inn werden hier die Hilfsangebote und Unterstützungsbedarfe erfasst und koordiniert.

Hilfe, die vor Ort und bei den Menschen ankommt

„Die normale Vereinsarbeit ist nun komplett in den Hintergrund getreten“, so Sonja Geigenberger. Über eine Plattform könnten sich alle Interessierten, die helfen wollen, registrieren. Anschließend versuche sie, die Interessierten telefonisch zu erreichen und die nächsten Aktivitäten abzusprechen. „Die gesamte Kommunikation untereinander muss so niedrigschwellig wie möglich ablaufen, um rasch mit den Menschen sprechen und sie zueinander bringen zu können.“

Gerade die Spendenbereitschaft sei sehr groß. Aufgrund eines direkten Drahtes zu einem Krankenhaus in Kiew werden in den lokalen Sammelstellen vor allem Verbandsmaterial, Medikamente und andere medizinische Hilfsgüter gesammelt, die dann direkt an die ukrainische Grenze gebracht und dort übergeben werden. „Wir sind überglücklich, dass wir bereits erste Nachrichten direkt aus Kiew bekommen haben, dass unsere Pakete im Krankenhaus auch angekommen sind. Das hat uns alle sehr gerührt und noch einmal richtigen Aufwind gegeben.“ Neben den medizinischen Spenden sammeln andere Organisationen auch Geld für Sprit, um die Fahrten durchführen zu können.

Doch bei den Spendenaktionen bleibt es nicht: Groß sei auch das Angebot vieler Einwohnerinnen und Einwohner als Dolmetscher zu helfen und etwa beim Ausfüllen von Anträgen zu übersetzen. Auch wird von Privatleuten Wohnraum zur Verfügung gestellt. Für die ersten Flüchtlinge konnte schon erfolgreich eine Unterkunft vermittelt werden.

„Pack ma‘s“ vernetzt Freiwilllige und Vereine

Das Konzept der Freiwilligenagentur pack ma‘s hatte Sonja Geigenberger bereits 2017 entwickelt. Der Fokus lag von Anfang an auf der Gewinnung von neuen Freiwilligen, die sich in die dörflichen Vereine einbringen und sich ehrenamtlich engagieren. Denn das zeigt die Erfahrung: Ein attraktives dörfliches Leben ist ohne das Engagement der Bürgerinnen und Bürger und gut funktionierende Vereine undenkbar.

Sonja Geigenberger: „Wir wollen sichtbar machen, wo man sich freiwillig engagieren kann.“ Angesprochen werden alle Altersgruppen. So gibt es etwa die Initiative „Rente – und was jetzt?“ aber auch „FEEL F.R.E.E.“ für Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahren.

Neben all der Freude, die die Vereinsarbeit bereitet, werden jedoch oftmals bürokratische und rechtliche Anforderungen an die Mitglieder gestellt, die eine Belastung darstellen und zu Verdruss führen können. Pack ma‘s bietet deshalb Beratung, Coaching und Schulungen zur Förderung der ansässigen Vereine an. Um fachkundig weiterhelfen zu können, wurde auch ein Expertennetzwerk gegründet, das ehrenamtlich für alle Fragen von Vereinsvorständen zur Verfügung steht. Außerdem arbeitet die Agentur eng mit anderen Aktiven zusammen und hat einen „Runden Tisch des Bürgerschaftlichen Engagements“ gegründet, an dem alle relevanten Initiativen und Einrichtungen des Landkreises vertreten sind.

„Engagiertes Land“ – Gemeinsam neue Kräfte sammeln

Unterstützung bei diesen Aktivitäten erhält die Freiwilligenagentur im Rahmen des Programms „Engagiertes Land“ der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Das Programm unterstützt lokale Netzwerke in strukturschwachen ländlichen Räumen, die bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt und die Beteiligung vor Ort stärken wollen. Es geht darum, dass Vereine und Initiativen mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammenarbeiten. So sollen Kräfte gebündelt und neue Ideen gemeinsam vorangebracht werden. Für eine Pilotphase, die im Herbst 2021 begann, wurden 20 Netzwerke ausgewählt – darunter pack ma‘s.

Nun startet eine neue Projektphase. Noch bis zum 12. April 2022 können sich Netzwerke um eine Teilnahme bewerben. Gemeinsam mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und dem Thünen-Institut für Regionalentwicklung hat die DSEE ein breites Angebot erarbeitet, dass die Engagierten unterstützen wird: Hilfe bei der Vernetzung, individuelle Prozessbegleitung, Dorfwerkstätten und Qualifizierung sowie ein Umsetzungsbudget für gemeinsame Maßnahmen vor Ort. Am 17. März 2022 wird es zudem eine Info-Veranstaltung zu dem Thema geben.