Staatsbibliothek Unter den Linden

Wissensspeicher in neuem Gewand

Die altehrwürdige Staatsbibliothek Unter den Linden wurde in den vergangenen Jahren grundlegend saniert. Jetzt fand in Berlin die feierliche Schlüsselübergabe statt. Kulturstaatsministerin Grütters lud in ihrer Rede dazu ein, die Bibliothek wieder "als Ganzes zu entdecken und in Besitz zu nehmen".

Zahlreiche Lesetische und große Bücherregale im Leseraum der Staatsbibliothek.

Blick in den zentralen Lesesaal der Staatsbibliothek Unter den Linden.

Foto: Bundesregierung/Bergander

Mit fortschreitendem Alter werden Restaurierungsarbeiten nicht nur dringlicher, sondern auch zeitaufwendiger - das gilt besonders für historische Bauwerke wie die Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin. Zwischen 1903 und 1914 errichtet, war ihre Generalsanierung nach schwerer Bombardierung im Zweiten Weltkrieg und den Jahren der baulichen Vernachlässigung zu DDR-Zeiten überfällig.

Begonnen wurde die Grundinstandsetzung mit einem Wettbewerb im Jahr 2000. Knapp 20 Jahre später feierten nun rund 300 Gäste aus Politik und Kultur den Abschluss der Maßnahmen mit der offiziellen Schlüsselübergabe im Humboldt-Saal der Bibliothek.

v.l.n.r.: Hermann Parzinger, Monika Grütters, Barbara Schneider-Kempf, Petra Wesseler, Anne Katrin Bohle

Kulturstaatsministerin Grütters (2.v.l.) freut sich gemeinsam mit Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf (Mitte), die den Schlüssel stolz in ihren Händen hält.

Foto: Hagen Immel, Staatsbibliothek zu Berlin-PK

Verantwortung für ein Jahrhundertbauwerk

Kulturstaatsministerin Monika Grütters wies in ihrer Rede auf die gewaltigen Dimensionen dieses Bibliotheksgebäudes hin: Elf Millionen Bücher sind dort auf 170 mal 107 Meter Bruttogeschossgrundfläche untergebracht. Im Haus Unter den Linden warten 650 Benutzerarbeitsplätze und über 50.000 Quadratmeter Nutzfläche auf Leserinnen und Leser. 

Doch nicht nur die schiere Größe des Baus lässt staunen, sondern auch der Anspruch, der sich von Beginn an damit verband: "Das Gebäude mit der großen Kuppel des damaligen Lesesaals war ein Tempel des Wissens, mit dem sich das Kaiserreich am Vorabend des Ersten Weltkrieges als Bildungs- und Wissenschaftsnation präsentierte", erklärte die Staatsministerin. Die Staatsbibliothek hat etwa 25 Millionen Medien und Objekte in ihren Regalen und Archiven. Zu den wichtigsten Beständen zählen die originalen Partituren etwa von Beethovens 9. Sinfonie, Mozarts "Zauberflöte" oder Bachs Passionen. "Damit ist die Institution die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum."

Träger der Staatsbibliothek Unter den Linden ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Sie wird vom Bund als eine der größten Kultureinrichtungen Deutschlands mit rund 265 Millionen Euro aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert.

Sanierung unter erschwerten Bedingungen

Diesen Wissenstempel zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gehört zu den grundlegenden Aufgaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) - auch daran erinnerte Grütters in ihrer Rede. "Es geht um das Bewahren und Vermitteln, um Pflegen und Erforschen, um Zugänglichkeit und Schutz des Kulturgutes. Und dabei müssen wir eines bedenken: Zum preußischen Erbe gehören eben nicht nur Bücher und Kunstwerke, sondern auch die Liegenschaften, in denen sie aufbewahrt werden."

Diese Liegenschaften denkmalschutzgerecht zu sanieren, stellt die Verantwortlichen immer wieder vor große Herausforderungen, vor allem wenn die Arbeiten - wie in diesem Fall - bei gleichzeitig laufendem Betrieb erfolgen müssen.

Eröffnung im Frühjahr 2020

Um den Bibliotheksbetrieb aufrecht erhalten zu können, wurde die Sanierung in drei Bauabschnitten durchgeführt. Der erste Bauabschnitt umfasste zwischen 2004 und 2012 die Grundinstandsetzung des nördlichen Gebäudeteils, und den Erweiterungsbau für den neuen Allgemeinen Lesesaal, den Rara-Lesesaal, Werkstätten und Sondermagazine.

Während der gesamten Bauzeit blieb der südliche Gebäudeteil in Nutzung. Dieser war dann im zweiten Bauabschnitt von 2012 bis 2019 an der Reihe. Damit ist die bauliche Gesamtsanierung nun abgeschlossen. Im Frühjahr 2020 folgt zuletzt die Einrichtung des Bibliotheksmuseums. Darin wird die Staatsbibliothek erstmals dauerhaft im Wechsel einen kleinen Teil ihrer wertvollen Bestände ausstellen können.

Um den Umzug in die neuen Räume zu ermöglichen, wird die Staatsbibliothek für fünf bis sechs Monate geschlossen. Die eigentliche Eröffnung des Hauses findet dann im Mai 2020 statt. 470 Millionen Euro wird das Mammutprojekt dann gekostet haben, finanziert aus dem Haushalt der Staatsministerin für Kultur und Medien.


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