20. poesiefestival berlin

Sensibilisieren für die Macht der Worte

Beim 20. poesiefestival berlin hat Kulturstaatsministerin Grütters in der Akademie der Künste zum "poetischen Widerstand gegen die Diskursvergiftung in Deutschland, in Europa und in der Welt" aufgerufen. "Denn während der Traum von einem geeinten Europa auf wachsendes Unverständnis, erstarkenden Nationalismus und autoritäre Tendenzen stößt, bekommen wir wieder eine Ahnung davon, dass Worte auch eine dunkle Macht entfalten können", mahnte die Staatsministerin.

Yugen Blakrok stellt ihr Werk auf der Bühne vor.

Eröffnung des poesiefestivals berlin mit Spoken-Word-Künstlerin Yugen Blakrok.

Foto: Mirko Lux

Mit rund 12.000 Besucherinnen und Besuchern und einem breiten Rahmenprogramm hat sich das poesiefestival berlin als feste Größe im Jahreskalender der zeitgenössischen Lyrik etabliert.

Auch zur 20. Ausgabe strömte ein großes Publikum in die Akademie der Künste, um den Dichterinnen und Dichtern beim Finden der richtigen Worte zu lauschen. Unter dem Motto "Endlich Zeit für Sprache" präsentierten 150 Kunstschaffende aus 25 Ländern dort sieben Tage lang Poesie in unterschiedlichsten Formen.

Das poesiefestival berlin ist ein Projekt des Hauses für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste.

Fest der Vielfalt und Weltoffenheit

Kulturstaatsministerin Monika Grütters zeigte sich begeistert vom internationalen Charakter des Programms. In ihrer Rede zur Eröffnung des poesiefestivals betonte sie, dass das Festival damit nicht nur den geografischen Radius und den Kreis der Lyrik-Leser und -Hörer erweitert hat.

Indem es zugleich auch die Schnittstellen der Poesie zur Musik, zum Film und der Bildenden Kunst auslotet, habe das Festival zugleich neuen künstlerischen Ausdrucksweisen Raum gegeben, lobte Grütters. "Mit ihrer künstlerischen Experimentierfreude machen die Lyrikerinnen und Lyriker das Festival zu einem Fest der Vielfalt und der Weltoffenheit, der Kunst und Gedankenfreiheit - und damit zu einer Demonstration für Europas Werte."

Gegen sprachliche Verrohung

Eröffnet wurde das 20. poesiefestival berlin mit "Weltklang - Nacht der Poesie". In sieben Sprachen stellten die Künstlerinnen und Künstler dem Publikum ihre Werke vor - und schärften damit "unsere Sinne für die Kraft der Worte", sagte die Staatsministerin auch mit Blick auf das im Rahmen des poesiefestivals stattfindende Forum.

Die Diskussionsrunde widmete sich Fragen nach Diskursvergiftung, Vertrauensverlust und poetischen Widerstand. Verrohung beginne immer in der Sprache, so Grütters weiter. "Sie beginnt mit der Invasion von Kampfbegriffen in den öffentlichen Sprachgebrauch, mit der Verschiebung der Grenzen des Sagbaren. Deshalb ist das Gespür für die Macht der Worte so wichtig, und es sind die Lyrikerinnen und Lyriker, die dafür in besonderer Weise sensibilisieren." Dies können sie aber nur dort, wo Meinungs- und Kunstfreiheit herrscht. Deshalb finanziert der Bund bereits seit 20 Jahren das "Writers in Exile"-Programm des PEN-Zentrum Deutschland. Es gewährt verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern Zuflucht in Deutschland, damit sie ihrem künstlerischen Schaffen frei nachgehen können.

Bund fördert Lyrik

Auch das poesiefestival berlin wird aus dem Etat der Kulturstaatsministerin im Rahmen des Hauptstadtkulturfonds mit rund 400.000 Euro pro Jahr gefördert. Zudem unterstützt der Bund das bundesweite "Netzwerk Lyrik", 2019 mit 30.000 Euro. Der Zusammenschluss aus Lyrikern, Übersetzern, Publizisten, Wissenschaftlern, Institutionen und unabhängigen Veranstaltern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kunstsparte Lyrik in ihren vielfältigen Erscheinungsformen zu stärken und mehr Sichtbarkeit in der breiten Öffentlichkeit zu schaffen.