Projekt #anstanddigital gestartet

Debattenkultur im Internet Projekt #anstanddigital gestartet

Weil der aggressive Umgangston im Netz immer stärker um sich greift, wollen die kirchlichen Akademien mit dem gemeinsamen Projekt "#anstanddigital" die Spielregeln für ein zivilisiertes Miteinander im digitalen Raum ausloten. Zum Auftakt der Initiative im Futurium Berlin erklärte Kulturstaatsministerin Grütters: "Worte können aufbauen, aber sie können auch zerstören. Und gerade letzteres findet im Internet inzwischen viel zu oft statt. Deshalb brauchen wir einen Verständigungsprozess, wie wir im digitalen Raum miteinander umgehen wollen."

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde heben ihre Hand.

Auftaktveranstaltung zum Projekt "#anstanddigital"

Foto: Bundesregierung/Bergander

Allzu oft sind die politischen Debatten im Internet geprägt von Empörungseifer, Hass und Hetze. Unanständige Kommentare und ein aggressiver Sprachgebrauch sind an der Tagesordnung. Viele Nutzer kommentieren ganz bewusst entlang der Grenze zur Beleidigung, überschreiten sie regelmäßig, zumeist versteckt hinter der Anonymität des Netzes.

Doch wo bleibt bei alldem die "gute Kinderstube" aus der analogen Welt, die einen Regelkompass für das vernünftige Miteinander vermittelt? Wie lassen sich diese Regeln auf die Sprach- und Debattenkultur im Netz übertragen? Und wie kann eine Verständigung über diese Regeln in der Öffentlichkeit aussehen? Diesen Fragen widmet sich das gemeinsame Projekt "#anstanddigital" der Katholischen Akademie in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Verändertes Verhältnis zur Gesellschaft

Darin bringen sie Akteure und Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammen, um eine breite öffentliche Diskussion über Anstand und den respektvollen Umgang im digitalen Raum in Gang zu setzen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters wies in ihrer Rede zum Projektstart darauf hin, dass die verrohte Art und Weise in der digitalen Kommunikation, das Miteinander unserer Gesellschaft zunehmend zerrüttet. Die Härte der Auseinandersetzung in den Sozialen Medien führe zu Enthemmung und gesellschaftlicher Polarisierung, so die Staatsministerin.

Diese Entwicklung nach dem Prinzip "Je provokanter die Kommentare, desto höher die Aufmerksamkeit" führt nach einer aktuellen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung dazu, dass Betroffene sich vermehrt aus dem öffentlichen Diskurs zurückziehen. "Und das ist fatal für die demokratische Debattenkultur, die ja ganz wesentlich von einem zivilisierten Umgangston lebt, auch im Netz", stellte Grütters fest.

Digitale Tugenden formulieren

Damit die Kommunikation im Netz den Diskurs stärker fördert anstatt die Spaltung der Gesellschaft zu vertiefen, setzt "#anstanddigital" nicht erst bei Beleidigungen und aggressiven Angriffen an. Hier müsse über eine Verschärfung von Recht und Kontrolle nachgedacht werden, räumen die Initiatoren ein. Ihnen geht es aber vielmehr um Fragen der individuellen geistigen Haltung, mit der sich Menschen im Netz begegnen. "Denn es geht immer auch um die Verantwortung aller, denen an der Freiheit des Netzes gelegen ist", heißt es auf ihrer Projekthomepage

Ausdrücklich rufen die Initiatoren dort zu Kommentaren von Bürgerinnen und Bürgern auf. Dafür gibt es auf der Webseite einen digitalen Briefkasten. Auch auf Twitter können sich Interessierte an der Diskussion beteiligen. Gefragt sind Meinungen dazu, worauf in der digitalen Kommunikation zu achten ist und was es zu vermeiden gilt. Zum Abschluss der Initiative soll es eine Sammlung digitaler Tugenden geben, die Anregungen für ein verantwortungsvolles Miteinander im Internet bietet.

Bund fördert Verständigungsprozess

Kulturstaatsministerin Grütters fördert "#anstanddigital" mit 100.000 Euro im Rahmen ihrer Digitalisierungsoffensive im Bereich Kultur und Medien. Dieses Programm richtet sich an Projekte und Initiativen, die mithilfe digitaler Technologien einen Mehrwert für Kulturinteressierte schaffen, neue Zielgruppen erreichen oder gesellschaftliche Debatten anstoßen. Im Fokus der Förderung stehen damit Aspekte der Vermittlung, Verständigung und Vernetzung über Kultursparten, Einrichtungen und Landesgrenzen hinweg.