Jeder Mensch ist ein Künstler

100. Geburtstag von Joseph Beuys Jeder Mensch ist ein Künstler

Joseph Beuys zählt zu den einflussreichsten Künstlern im 20. Jahrhundert. Der Mann mit Anglerweste und Filzhut revolutionierte unsere Vorstellung von Kunst. Zugleich ist er bis heute umstritten. Zu seinem 100. Geburtstag laden zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen dazu ein, Beuys‘ Werk neu zu entdecken.

Joseph Beuys

Auch in Bonn und Berlin ist Joseph Beuys ab Juni neu zu entdecken.

Foto: imago images / Leemage

Ob er einem toten Hasen seine Kunst erklärte, Stühle und Räume mit Fettecken versah oder in Kassel 7000 Eichen pflanzte: Joseph Beuys provozierte, polarisierte und hat unser Verständnis von Kunst nachhaltig verändert. 

Kunst und Leben, Kunst und gesellschaftliches Handeln waren für den 1921 in Krefeld geborenen Künstler nicht zu trennen. Kunst war für ihn kein abgeschlossenes Werk, sondern eine gesellschaftliche und politische Kraft: die Fähigkeit, schöpferisch zu sein und zu gestalten. Jeder Mensch besaß in diesem Sinn das Potenzial, Künstler zu sein und an einer Erneuerung der Gesellschaft – wie Beuys sie forderte – mitzuwirken. 

Zu seinem 100. Geburtstag widmen sich allein in Beuys‘ Heimatregion Nordrhein-Westfalen rund 25 Kultureinrichtungen dem Schaffen des Künstlers und seiner Bedeutung für unsere Gegenwart. Dazu gehört auch die Ausstellung BEUYS – LEHMBRUCK. Denken ist Plastik, die vom 25. Juni bis zum 1. November in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen sein wird. Sie setzt sich mit Beuys‘ Verhältnis zu Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) auseinander.

„Denken ist Plastik“ oder die revolutionäre Kraft der Kunst

1986, wenige Tage vor seinem Tod, erhielt Beuys den Wilhelm Lehmbruck-Preis. In seiner Dankesrede nannte er den expressionistischen Bildhauer seinen „Lehrer“. Die Begegnung mit Lehmbrucks Werk sei ein Schlüsselmoment für seine Entscheidung gewesen, Bildhauer zu werden. Auch die Entwicklung seines Kunstverständnisses gehe letztlich auf Lehmbruck zurück. Denn auch für diesen hätten Skulpturen nicht nur das Potenzial besessen, die Welt zu erklären, sondern sie zum Besseren zu verändern.

Die Bonner Ausstellung zeigt Schlüsselwerke von Beuys, wie die Honigpumpe am Arbeitsplatz (documenta, 1977) oder die Straßenbahnhaltestelle (Venedig Biennale 1976). In der Konfrontation mit Lehmbrucks Arbeiten fragt sie nach der revolutionären Kraft der Kunst in ihrem jeweiligen zeitlichen Kontext. Parallel dazu läuft auch im Duisburger Lehmbruck-Museum eine Schau, die sich mit der Verwandtschaft der beiden Künstler beschäftigt.

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (Bundeskunsthalle) ist eine Einrichtung des Bundes. Sie wird vollständig aus dem Haushalt der Staatsministerin für Kultur und Medien gefördert.

„Von der Sprache aus“ – Beuys in der Hauptstadt

Auch der Hamburger Bahnhof lädt anlässlich von Beuys‘ 100. Geburtstags dazu ein, sich neu mit seinem Schaffen auseinanderzusetzen. Anhand von 25 Werken, die zwischen 1945 und 1985 entstanden, geht die Berliner Ausstellung der Bedeutung von Sprache für Beuys’ Kunst nach.

In einer Rede 1985 bezeichnete Beuys Sprache als Ausgangspunkt für seine Kunst. In der Sprache lag für ihn eine plastische Kraft. Durch ihren bewussten Einsatz könne jeder Mensch körperlich, intellektuell und kommunikativ an der Neugestaltung der Gesellschaft mitwirken.

Vom 13. Juni bis zum 19. September sind in Berlin Installationen, Skulpturen, Filme, Zeichnungen, Plakate und Dokumente zu sehen, darunter erstmals seit 2014 der zentrale Zyklus „The secret block for a secret Person in Ireland“. Zudem sind diverse Veranstaltungen geplant, die sich mit der Kraft und den Grenzen der Sprache zwischen Schweigen und Sprechen beschäftigen.

Das Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof ist das größte Haus der Nationalgalerie Berlin. Sie gehört zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die gemeinsam von Bund und Ländern finanziert wird.

Schlagwörter