Staatsministerin für Kultur und Medien

Grütters beauftragt Studie

Deutschland als Exilheimat

Weil Künstler und Journalisten aus Staaten wie Iran, der Türkei aber auch aus europäischen Ländern wie Ungarn oder Polen immer stärker verfolgt werden, gewinnt das Thema Exil zunehmend an Bedeutung. Verfolgten Kunstschaffenden, die in Deutschland Zuflucht suchen, bietet die Bundesregierung auf verschiedenen Wegen Unterstützung. Um sich ein genaueres Bild über ihre Situation zu machen, hat Kulturstaatsministerin Grütters eine Studie in Auftrag gegeben.

Kulturstaatsministerin Grütters im Gespräch.

Kulturstaatsministerin Grütters in der Daueraussstellung 'Exil. Erfahrung und Zeugnis' des Deutschen Exilarchivs 1933-1945.

Foto: Deutsche Nationalbibliothek, Stephan Jockel

Das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück erstellt derzeit auf Initiative und mit Förderung der Kulturstaatsministerin die Studie "Exil in der Bundesrepublik Deutschland: Bedingungen und Herausforderungen für Künstlerinnen und Künstler".

Das Leben im Exil besser verstehen

Ziel ist es, besser zu verstehen, wie sie sich in Deutschland wahrgenommen fühlen, welchen sprachlichen Herausforderungen sie gegenüberstehen, wie sie den Verlust ihrer Heimat verarbeiten und wie sie sich insgesamt mit ihrer Exilsituation auseinandersetzen. Welche Unterstützung ihnen die Initiativen des Bundes konkret dabei bieten, wird ebenfalls untersucht.

Die Studie wird zudem erstmals einen Gesamtüberblick über die Zahl der Künstlerinnen und Künstler geben, die nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland Zuflucht vor politischer Verfolgung und Gewalt gefunden haben. Auf Basis der wissenschaftlichen Ergebnisse wird die Studie kulturpolitische Handlungsoptionen zur weiteren Verbesserung der Situation von Kunst- und Kulturschaffenden im deutschen Exil benennen.

Studie ergänzt bisherige Initiativen

Aufgrund der historischen Verantwortung Deutschlands ist es der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen, für die Meinungs- und Pressefreiheit einzustehen und deshalb das Thema Exil stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

Wichtige Partner dabei sind unter anderem der Schriftstellerverband PEN-Zentrum Deutschland mit seinem Stipendiatenprogramm "Writers in Exile", die Deutsche Nationalbibliothek mit dem Deutschen Exilarchiv oder die Akademie der Künste (AdK) in Berlin - beide instutionell vom Bund gefördert.

Akademie der Künste bringt Künstler mit Verfolgten zusammen

Mit über 300 Nachlässen von emigrierten Künstlerinnen und Künstlern während der Zeit des Nationalsozialismus betreibt die AdK eines der größten Exilarchive zu Kunst und Literatur im deutschsprachigen Raum. In Ausstellungen, Veranstaltungs- und Vermittlungsprogrammen, Kooperationsprojekten und Publikationen setzt die Akademie regelmäßig das Thema Exil auf die Agenda, etwa mit dem Projekt "Our Stories – Rewrite the Future".

In "Our Stories – Rewrite the Future" hat die AdK Jugendliche und junge Erwachsene, die nach Deutschland geflohen sind, mit deutschsprachigen Autorinnen und Autoren in Erzählpartnerschaften zusammengebracht. Aus den persönlichen Erfahrungsberichten über Aufbruch, Verlust, Neuanfang, Ängste und Hoffnungen entstanden 17 literarische Erzählungen. Im Februar 2019 wurden sie unter dem Titel "Baba, wie lange fahren wir noch?" veröffentlicht.

Zur Vorbereitung der laufenden Studie zum Thema "Exil in der Bundesrepublik Deutschland" hatte die AdK im Oktober 2018 im Rahmen eines Workshops den Austausch mit zahlreichen Vertretern von Kultureinrichtungen in Berlin ermöglicht. Gemeinsam steckten sie erste Spannungsfelder in den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern ab, um weiterführende Fragen und Best-Practice-Beispiele in die Studie einzubringen.