Staatsministerin für Kultur und Medien

"Kino der Moderne" in der Deutschen Kinemathek

Als Hollywood in Weimar lag

Kinofilme waren für die Künstlerinnen und Künstler der Weimarer Republik eine Quelle der Inspiration. Welchen Einfluss das Kino auch auf den Alltag und das gesellschaftliche Leben hatte, zeigt die Ausstellung "Kino der Moderne" in der Deutschen Kinemathek in Berlin.

Blick in die Ausstellung auf das Modell "Die Straße"

Die Ausstellung "Kino der Moderne" ist bis zum 13. Oktober zu sehen.

Foto: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Foto: Marian Stefanows

Weimar war in den Zwanziger Jahren das Hollywood Europas: Hierher strömten junge Filmschaffende, wenn es darum ging, im zeitgenössischen Kino groß herauszukommen. Marlene Dietrich zum Beispiel.

Ihre und viele weitere Geschichten erzählt die Ausstellung "Kino der Moderne - Film in der Weimarer Republik". Kuratiert von Kristina Jaspers zeigt sie, wie das Kino in der Weimarer Republik zum neuen Leitmedium wurde. Die Schau ist in Zusammenarbeit mit der Bundeskunsthalle in Bonn entstanden, wo sie Anfang des Jahres ebenfalls zu sehen war.

Kino verhandelt alles neu

Mode, Technik, Wissenschaft, hier insbesondere die Psychoanalyse, Arbeit, Sport und Geschlechterrollen: das Themenspektrum des neuen deutschen Films war schier unerschöpflich. So entstanden Filme, die sich und das Kinopublikum zum Beispiel mit den Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie befassten. Oder mit dem Tabuthema Abtreibung wie in "Madame Lu". Auch Mobilität und Sport beschäftigten die Filmemacher sehr.

Und Weimar konnte auch das ganz große Kino - auch das zeigt die Ausstellung: Unvergessen bleiben deutsche Filmklassiker wie "Metropolis", "Nosferatu" oder das "Cabinet des Dr. Caligari".

Ausstellung beleuchtet Rolle der Frauen

Dem Vergessen anheim fiel dagegen schnell der Beitrag weiblicher Filmschaffender. Als Autorinnen, Regisseurinnen, Kostümbildnerinnen oder Plakatgestalterinnen haben viele von ihnen die Entwicklung des modernen Kinos in Deutschland mitgeprägt. Zum Dank durften sie sich darüber freuen, im Vor- oder Abspann des jeweiligen Films wenigstens mit ihrem Nachnamen genannt worden zu sein - wenn überhaupt.

Dem Thema Frauen im Weimarer Kino widmet die Deutsche Kinemathek deshalb in der Ausstellung ein eigenens Kapitel.

Wechselwirkungen mit Kultur und Gesellschaft

Die Ausstellung betrachtet das wirklich Neue im Kino dieser Zeit und untersucht dabei vor allem auch die Wechselwirkung, in die das neue Filmschaffen auf die Literatur, die Bildende Kunst, aber auch auf Architektur, Psychologie und gesellschaftspolitische Entwicklungen allgemein hatt.

Historische Materialien, Inszenierungen und Medieninstallationen nehmen die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei richtet sich der Blick auch auf das damalige Kinopublikum, dessen Wahrnehmung der Welt durch die neuartige Filmsprache wesentlich verändert wurde.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Oktober 2019 in der Deutschen Kinemathek in Berlin zu sehen. Die Stiftung Deutsche Kinemathek wurde 1963 gegründet. Sie ist zugleich Archiv, Museum und Institut für Filmforschung. Ihre Sammlungen wurden weltweit in mehr als 50 Jahren zusammengetragen. Aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin wird die Kinemathek 2019 mit rund neun Millionen Euro gefördert.