Ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit

Sulzbacher Torarolle im Bundestag Ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit

Die Sulzbacher Torarolle hat eine sehr bewegte Geschichte. Am 27. Januar wurden in einer feierlichen Zeremonie im Deutschen Bundestag anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus die letzten Buchstaben in die restaurierte Schriftrolle eingefügt. Sie ist ein beeindruckendes Zeugnis für die jahrhundertelange deutsch-jüdische Geschichte, die 2021 mit einem Festjahr gefeiert wird.

Ein Toraschreiber trägt im Bundestag die letzten Buchstaben auf

Ein Toraschreiber trägt bei der Zeremonie die letzten Buchstaben auf.

Foto: Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann

Rund neun Kilogramm ist sie schwer und 304.805 Buchstaben lang: die Sulzbacher Torarolle. Die handgeschriebene Schriftrolle, die 1793 für die jüdische Gemeinde im bayerischen Sulzbach angefertigt wurde, ist eines der ältesten erhaltenen Exemplare im süddeutschen Raum. 

Wie durch ein Wunder überlebte sie 1822 den Stadtbrand, bei dem die örtliche Synagoge zerstört wurde. Auch die Reichspogromnacht 1938 überstand sie nahezu unversehrt. 2014 entdeckte der Rabbiner Elias Dray die mittlerweile verblichene und daher für den Gottesdienst nicht mehr verwendbare Schriftrolle in einem Toraschrein. 

Für die kleine jüdische Gemeinde des Rabbiners im oberpfälzischen Amberg waren die Kosten für die Restaurierung, die nur von speziell dafür ausgebildeten Toraschreibern ausgeführt werden darf, allein nicht zu stemmen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes konnte 2017 in Israel mit der Restaurierung begonnen werden. 

Die Restaurierung der Sulzbacher Torarolle wurde über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert.

Feierliche Zeremonie im Deutschen Bundestag

Nach jüdischer Tradition kommen Torarollen unvollendet in die Synagoge. In einer feierlichen Zeremonie werden dort, in Anwesenheit von „Paten“, die letzten Buchstaben aufgetragen. Erst dann, wenn alle Buchstaben gut lesbar sind, können sie in der liturgischen Praxis eingesetzt werden. Zur Vollendung der Sulzbacher Torarolle wurde ein besonderer, symbolträchtiger Anlass gewählt. 

Ihre Fertigstellung fand am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, im Anschluss an die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Andachtsraum des Deutschen Bundestags statt. Mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Reiner Haseloff und Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth begleiteten die höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik die Feierstunde als „Paten“.

„Das ist ein wichtiges und schönes Zeichen unserer Verbundenheit mit der jüdischen Kultur“, sagte Kulturstaatsministerin Grütters. Die Zeremonie unterstreiche, „dass sich der deutsche Staat seiner Verantwortung bewusst ist, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und für seine freie Entfaltung Sorge zu tragen.“

1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland

Die Sulzbacher Torarolle ist ein eindrucksvolles Zeugnis der jahrhundertelangen jüdischen Geschichte in Deutschland. Diese wird 2021 mit einem Jubiläumsjahr gefeiert. Denn seit mindestens 1700 Jahren gibt es nachweislich jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, wie ein kaiserliches Edikt aus dem Jahr 321 belegt.

Unter dem Motto „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ sind bundesweit rund 1000 Veranstaltungen geplant – von Konzerten über Ausstellungen, Film- und Theateraufführungen bis hin zu Video- und Podcast-Projekten. Ziel ist es, die Vielfalt und Lebendigkeit jüdischen Lebens in Deutschland sichtbar zu machen und damit auch Antisemitismus entgegenzutreten. Die Auftaktveranstaltung findet am 21. Februar statt. 

Das Festjahr wird vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Bundespräsident Steinmeier ist Schirmherr des Jubiläumsjahrs. 

Weitere Informationen zum Festjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ finden Sie hier.