Kulturgutschutz

"Dresdner Mars" in Freiberg gelandet

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben der Öffentlichkeit zum ersten Mal die Bronzestatuette "Dresdner Mars" präsentiert. Die Skulptur war im vergangenen Jahr vom Bund zusammen mit weiteren Partnern vor dem Verkauf in einer Kunstauktion gerettet worden. Es sei ein großartiger Erfolg, "dass es uns mit beherztem Eingreifen gemeinsam gelungen ist, diese wertvolle Kleinbronze an ihren Bestimmungsort nach Sachsen zurückzuholen", freute sich Kulturstaatsministerin Grütters bei der Präsentation in Freiberg.

Skulptur in einem Ausstellungskasten

Zeitlose Ästhetik: Giambolognas Bronze-Kriegsgott "Dresdner Mars"

Foto: BKM/Widenka

Selten liegen Freude und Empörung so dicht beieinander wie bei der Präsentation der knapp 40 Zentimeter großen Statuette des Kriegsgottes im Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum: Dort machten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) der Öffentlichkeit erstmals einen Kunstschatz der Spitzenklasse zugänglich, der nach gut hundert Jahren in Privatbesitz vor dem Nimmwiedersehen bewahrt wurde.

Was war passiert?

Im Jahr 1587 hatte der toskanische Großherzog Francesco I. de Medici eine Schenkung zum Regierungsantritt des sächsischen Kurfürsten Christian I. von Sachsen veranlasst. Darunter ein Ensemble aus drei Kleinbronzen, angefertigt von seinem berühmten flämisch-italienischen Hofbildhauers Giambologna (1529-1608). Der wiederum fügte als persönliches Geschenk noch eine weitere Statuette hinzu, den "Dresdner Mars". Im Zuge der Fürstenabfindungen nach der Novemberrevolution war sie über den "Familienverein Haus Wettin" 1924 in den Kunsthandel gelangt und kam zunächst in Privatbesitz.

1983 wurde der "Mars" schließlich der Bayer AG geschenkt. Diese wollte die Statuette im vergangenen Juli in einer Auktion bei Sotheby's in London höchstbietend verkaufen. Erst nach massivem öffentlichen Protest, darunter auch von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, nahm Bayer den "Mars" aus der Auktion. Ein Konsortium aus Bund, SKD, dem Freistaat Sachsen, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder sowie einem privaten Spender erwarb die national bedeutsame Bronze anschließend für die SKD.

Klares Bekenntnis für nationales Kulturerbe

Die enge Verbindung der Skulptur mit der Geschichte Freibergs, des Freistaates Sachsen und Deutschlands insgesamt mache sie zu einer der herausragenden Kulturgüter der Bundesrepublik, erklärte Grütters in ihrer Rede bei der Präsentation in Freiberg deutlich. Die weiteren drei Giambologna-Kleinbronzen zählen bis heute zu den wichtigsten Exponaten des Grünen Gewölbes und der Dresdner Skulpturensammlung.

Um den Erwerb des "Dresdner Mars" sicherzustellen, verzichteten die Dresdner Sammlungen für zwei Jahre auf ihre Ankaufsetats. Auch der Bund hatte für den Rückerwerb des Kunstwerks einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung der von Bayer geforderten Summe geleistet.

Kulturstaatsministerin Grütters bei ihrer Rede zur Präsentation des "Dresdner Mars" in Freiberg.

Die Kulturstaatsministerin hatte sich im vergangenen Jahr auch für eine Schenkung des Mars seitens der Bayer AG stark gemacht.

Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Für die Kulturstaatsministerin ist "dieses überwältigende gemeinschaftliche Engagement ein klares Bekenntnis zur Kultur und zudem Ausdruck eines schlagkräftigen 'kooperativen Föderalismus' in Deutschland." Grütters unterstrich in diesem Zusammenhang, dass dank des 2016 novellierten Kulturgutschutzgesetzes der Umgang mit national wertvollem Kulturgut heute klarer geregelt sei. "In Deutschland ist aufgrund der lebhaften Debatten auch die Sensibilität im Umgang mit derart bedeutenden Kulturgütern gewachsen – das war wichtig und absolut notwendig", betonte sie.

Zusammenbringen, was zusammen gehört

In den kommenden Monaten wird die Skulptur an verschiedenen Orten im Freistaat Sachsen gezeigt. Erste Station ist die von einem Giambologna-Schüler geschaffene Grabkapelle der Wettiner im Freiberger Dom, in der sich das Grab des Kurfürsten Christian I. von Sachsen befindet. Zusammen mit der kurfürstliche Grablege wird der "Mars" hier bis zum 31. März in der Kombiausstellung "Ein Gott auf Reisen - der Dresdner Mars von Giambologna" zu sehen sein, in der auch die Sonderschau "Freibergs Silber – Sachsens Glanz" besichtigt werden kann.

Im Dezember 2019 wird die Statuette dann in der neu eingerichtete Gemäldegalerie Alte Meister im Dresdner Zwinger mit den drei Kleinbronzen der Dresdener Skulpturensammlung wiedervereint und findet dort seinen festen Platz.