Bericht der Ostbeauftragten der Bundesregierung 2026
36 Jahre Deutsche Einheit: Wie sehen die unterschiedlichen Lebensperspektiven der Menschen in Deutschland heute aus? Wie schauen Ost- und Westdeutsche auf ihre Aufstiegschancen? Das zeigt der Bericht der Ostbeauftragten mit dem diesjährigen Schwerpunkt Soziale Mobilität.
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, hat kurz vorm Tag der Deutschen Einheit den Bericht für 2026 vorgestellt.
Foto: Bundesregierung/Henning Schacht
Was braucht es, damit Herkunft weniger über Lebenswege entscheidet und mehr Menschen aus eigener Kraft vorankommen können? Und wie unterstützt die Bundesregierung? Auf diese Fragen geht der Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland 2026 ein.
Der Bericht verbindet drei Perspektiven: Zuhören, Wissen und Handeln. Menschen aus Ostdeutschland erzählen, was sie vorangebracht hat und wo sie auf Grenzen gestoßen sind. Der Deutschland-Monitor untersucht soziale Mobilität und Aufstiegsorientierung. Der Elitenmonitor und die Repräsentationsstatistik zeigen, wer Verantwortung trägt und mitentscheidet. Dem stellt der Bericht konkrete Maßnahmen der Bundesregierung gegenüber.
Den Bericht mit dem diesjährigen Titel „In Bewegung bleiben“ können Sie auf der Internetseite der Ostbeauftragten, Elisabeth Kaiser, abrufen.
Deutschlandmonitor zu Lebensbedingungen und Aufstiegschancen
Positiv hervorzuheben ist, dass der Deutschlandmonitor zeigt, dass Ost- und Westdeutsche heute größtenteils ähnlich auf ihre Lebensbedingungen und Aufstiegschancen schauen. Gleichwohl zeigt der Bericht, dass Ostdeutsche in Führungspositionen in der Bundesverwaltung insgesamt noch immer unterrepräsentiert sind, in den vergangenen Jahren aber eine sukzessive Angleichung erfolgte.
Der Anteil der Ostdeutschen unter allen Führungskräften der obersten Bundesbehörden ist seit 2022 von 13,9 auf 16,3 Prozent gestiegen. Damit wächst die Repräsentation, bleibt aber hinter dem Anspruch zurück.
Mit dem fortgeschriebenen Bundeskonzept „Ostdeutsche in Führungspositionen” setzt sich die Bundesregierung dafür ein, die Repräsentanz in Verwaltung und Behörden zu verbessern.
Aufstieg beginnt mit den Startbedingungen
Je früher Menschen Orientierung und Unterstützung erhalten, desto leichter können sie finanzielle Chancen für sich nutzen – unabhängig davon, mit welchen Voraussetzungen sie starten. Die Bundesregierung setzt sich daher für einen frühzeitigen Vermögensaufbau ein, beispielsweise mit der Einführung der Frühstartrente und der privaten Altersvorsorge ab 2027. Gerade in Ostdeutschland kann damit langfristig die Vermögensungleichheit zu Westdeutschland angegangen werden.
Zudem schaffen frühe Bildungs- und Fördermaßnahmen für Kinder die Grundlage für gute Startchancen und mehr Chancengerechtigkeit – unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Mit dem Start-Chancen-Programm unterstützt die Bundesregierung rund 4.000 Schulen in ganz Deutschland – davon etwa 560 in Ostdeutschland.
Strukturschwache Regionen fördern
Die wirtschaftliche Förderung in strukturschwache Regionen ist besonders wichtig, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern, die Abwanderung von Fachkräften zu verhindern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Die Bundesregierung unterstützt deshalb gezielt Start-ups und Scale-ups, Forschungseinrichtungen und den Mittelstand – insbesondere im Osten Deutschlands.
Hervorzuheben ist hier beispielsweise das kürzlich eröffnete Werk des deutschen Halbleiterherstellers Infineon in Dresden. Dieses und andere Beispiele zeigen Ostdeutschlands Stärken, etwa in ausgewählten industriellen Kernen, die eine gute Ausgangsbasis für zukünftige Entwicklungspfade bieten.
Zugleich schafft die Bundesregierung mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bessere Voraussetzungen für Investitionen, wirtschaftliche Entwicklung und gute Arbeitsplätze. Überall dort, wo es notwendig ist, wird in die Infrastruktur investiert: beispielsweise in Straßen, Brücken, Bildungseinrichtungen, beim Ausbau von digitalen Netzen oder bei der Energieversorgung.
Deutsche Einheit ist fortwährende Aufgabe
Auch nach 36 Jahren Deutsche Einheit gibt es noch immer Herausforderungen und Ungleichheiten, aber auch Chancen und neue Perspektiven. Die Deutsche Einheit bleibt daher eine fortwährende Aufgabe – für die Bundesregierung, aber auch für die Gesellschaft insgesamt.
Mit dem jährlichen Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland kommt die Bundesregierung dem Auftrag des Bundestages nach, in regelmäßigen Abständen ihre Politik zur Angleichung der sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Lebensbedingungen der Menschen im vereinten Deutschland darzustellen.