Ehrenamt in der Hospizarbeit

Zeit spenden, wenn die Zeit verrinnt

Tausende Helferinnen und Helfer stehen sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Hospizdiensten bei. Auch einige junge Engagierte wie Taylan Zimmermann von den Maltesern sind darunter. Bundesfamilienministerin Giffey zeichnete die jungen Ehrenamtlichen jetzt aus.

Bundesfamilienministerin Giffey mit Taylan Zimmermann und weiteren Engagierten

Bundesfamilienministerin Giffey mit Taylan Zimmermann (4. von links) und weiteren Helferinnen und Helfern: "Wir wollen das Engagement würdigen."

Foto: Thomas Trutschel/photothek.net

Krankheit, Tod und Trauer – Themen, die auf viele junge Menschen abschreckend wirken. Taylan Zimmermann jedoch begann bereits als Student damit, in der Familienbegleitung der Malteser Kindern Beistand zu leisten, die einen unheilbar erkrankten Elternteil haben. Er zögerte nicht, als er einen Aufruf der katholischen Hilfsorganisation an seiner Uni las. "Für mich ist das Thema kein gruseliges Monster", sagt der heute 35-Jährige. Sein Elternhaus sei mit Tod und Trauer schließlich immer offen umgegangen.

Noch sind jüngere Ehrenamtliche wie Zimmermann jedoch die Ausnahme. Daher fördert das Bundesfamilienministerium das Projekt "Junge Menschen in der Sterbe- und Trauerbegleitung" der Malteser. Ziel ist es, Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren für die Themen Tod und Trauer zu sensibilisieren und von ihnen zu erfahren, was die richtigen Bedingungen für ihr ehrenamtliches Engagement sind, so die Leiterin Bernadette Groebe. Dazu tauschen sich elf Hospizdienste in lokalen Projekten mit jungen Menschen aus und erproben neue Formate.

Hospize begleiten Sterbende sowohl palliativmedizinisch als auch psychosozial. Zudem leisten sie den Angehörigen Beistand. Seit die ersten deutschen Hospize in den 1980er-Jahren gegründet wurden, sind ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dabei von zentraler Bedeutung.

Ehrenamtliche Familienbegleitung

Bevor es losgeht, werden die ehrenamtlichen Helfer gründlich auf ihre Tätigkeit vorbereitet - in einem speziellen Kurs für die Sterbe- und Trauerbegleitung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigen sich dabei auch mit der Frage, wie sie selbst zum Tod stehen. "Man kann es sich vorstellen wie eine Mischung aus Selbsterfahrungsseminar und Fortbildung", so Zimmermann. Hinzu komme die gute Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeiter der Malteser.

Zimmermann erinnert sich noch gut an den siebenjährigen Jungen, dessen Vater daheim im Sterben lag. Zunächst besuchte er die Familie. "Das war schon eine Situation, in der ich einen Moment durchatmen musste", berichtet er. In der folgenden Zeit begleitete Zimmermann den Grundschüler zum Fußballtraining und half ihm so, ein Stück Normalität zu bewahren.

Dies ist typisch für ein Engagement in der Familienbegleitung. In erster Linie spendet man Zeit, wie Zimmermann zu berichten weiß. Weiteren Kindern half er etwa bei den Hausaufgaben oder ging mit ihnen zum Töpferkurs, entlastete so auch die Eltern.

Engagement junger Helfer würdigen

Junge Engagierte werden von allen Altersgruppen als Bereicherung empfunden. Und insbesondere die jüngeren Betroffenen profitieren. "Sie können sich in der eigenen Sprache, mit den eigenen Worten austauschen", berichtet Leiterin Groebe von den Maltesern. Dies sei wichtig, da es nicht nur darum gehe, über Sterben und Tod zu sprechen. Sondern auch darum, "alltägliche Lebenssituationen zu teilen, beispielsweise auch einmal über den neuesten YouTube-Star zu reden", so Groebe.

Um das Ehrenamt für junge Menschen noch attraktiver zu machen, hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ihnen Anerkennungsurkunden verliehen. "Mit der Urkunde wollen wir das Engagement würdigen und die Kompetenzen auch für das künftige Leben nachweisbar machen – zum Beispiel bei Bewerbungen für eine Ausbildung, für einen Studienplatz oder für einen Job", so Giffey. Zimmermann wünscht sich ebenfalls, dass sich mehr junge Menschen ehrenamtlich engagieren: "Ein Ehrenamt ist etwas Gutes - es tut einem selbst gut und es tut der Gesellschaft gut."

Insgesamt zeichnete Bundesfamilienministerin Giffey 95 junge Ehrenamtliche aus. Die Anerkennungsurkunde wurde in einer gemeinsamen Initiative mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV), der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) und der Bundesärztekammer (BÄK) verliehen.