Labour 20-Dialogforum

Wohlstand weltweit gerecht verteilen

Neue Regeln für eine faire Globalisierung und für digitales Arbeiten - dafür setzt sich die Gewerkschaftsgruppierung Labour 20 ein. Beim L20-Dialogforum am 17. Mai übergaben internationale Gewerkschafter der Kanzlerin ihre Empfehlungen für den G20-Gipfel. "Die vernetze Welt muss kräftig zusammenhalten", forderte Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der G20-Dialogveranstaltung "Labor 20".

Die Labour 20 vertreten die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf Ebene der G20.

Foto: Bundesregierung/Steins

Die Zivilgesellschaften - auch die Gewerkschaften - wurden in die Vorbereitungen des G20-Gipfels einbezogen. "Milliarden Arbeitnehmer sitzen damit indirekt mit am Tisch der G20", betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Labour 20-Dialogforum in Berlin.

Bei ihrem Treffen formulierten die L20 ihre gemeinsamen Positionen und Forderungen für den G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg: Unternehmen müssten weltweit in die Verantwortung genommen werden, für menschenwürdige Arbeit und die Achtung von Menschenrechten in globalen Lieferketten sorgen. Regierungen sollten grenzüberschreitende Aktivitäten besser regulieren und die soziale Sorgfaltspflicht verbindlich machen, heißt es in ihrer Erklärung.

Zusammenarbeiten in der vernetzen Welt

Die Kanzlerin bekräftigte, es sei wichtig, dass die L20 einheitliche Forderungen herausarbeiteten. Auch wenn Lebensverhältnisse und politische Systeme in den Ländern höchst unterschiedlich seien.

Den L20 geht es um bessere Arbeitsbedingungen und Arbeitsmöglichkeiten weltweit. Dazu gehörten bessere Löhne. Denn bei sehr vielen Menschen reicht der Lohn nicht, um die Familie zu ernähren. Auch die Furcht, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze überflüssig machen könnte, ist ein großes Thema.

Deshalb setze sich die G20 seit jeher für stetiges und möglichst nachhaltiges Wachstum ein, so Merkel. "Was in einem Land passiert, beeinflusst alle. Die vernetze Welt muss kräftig zusammenhalten", forderte sie.

Labour 20: Wachstum und Beschäftigung

Die L20 stellen die faire Gestaltung der Weltwirtschaft für gute Arbeit weltweit in den Mittelpunkt ihrer Agenda.

Wer sind die L20?
Die Gruppe der Labour 20 (L20) vertritt die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der Ebene der G20. Sie setzt sich zusammen aus Gewerkschaften der G20-Länder sowie den internationalen Branchengewerkschaftsverbänden. Der DGB leitet als Gewerkschaftsbund des Gastgeberlandes die Arbeit der L20.

Wohlstand für alle nur mit offenen Märkten

"Es geht um die Menschen, nicht um die Gewinnmaximierung der Finanzmärkte", bekräftigte die Bundeskanzlerin. Der zunehmende wirtschaftliche Wohlstand müsse auch den wirtschaftlich schwächeren Ländern zugutekommen. Ziel der G20 ist ein starkes, ausgewogenes, nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum.

Eine gemeinsame Handelspolitik sei enorm wichtig. "Wer also solche Wertschöpfungsketten behindert oder gar durchtrennt, wer auf Abschottung und Protektionismus setzt, der schadet allen Beteiligten", so die Kanzlerin. Handelsschranken machten es besonders den kleinen und mittleren Unternehmen schwer, auf globalen Märkten Fuß zu fassen - vor allem denen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Ehe man Handelsbarrieren einreiße, müsse man fairen Ausgleich finden - auch im Interesse der eigenen Arbeitnehmer. Denn auch in Europa sei die Arbeitslosigkeit hoch.

Bei internationalen Wirtschaftsabkommen gehe es auch um die Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern. Hierbei sei Transparenz sehr wichtig, so Merkel. Es gebe viele private Initiativen, die sich für Tarifverhandlungen entlang von Lieferketten einsetzten. Sie begrüße, dass die Tarifpartner in Deutschland sehr vielfältige Tarifverträge schlössen: für Löhne, Ausbildung, Qualifizierung und mehr.

Nachhaltige Lieferketten

450 Millionen Arbeitsplätze stünden in Zusammenhang mit globalen Wertschöpfungs- und Lieferketten. Deshalb müsse es für menschenwürdige Arbeitsbedingungen Rahmenwerke geben, so Merkel.

Nachhaltig gestaltete Lieferketten können die wirtschaftliche und soziale Entwicklung weltweit voranbringen. International agierende Unternehmen sind mit verantwortlich dafür, dass Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards überall eingehalten werden.

Die Bundesregierung konnte das Thema beim G7-Gipfel 2015 als einen Handlungsschwerpunkt auf der globalen Agenda verankern. Während der deutschen G7-Präsidentschaft wurde der "Vision Zero Fonds" aufgelegt. Das Geld soll bessere Arbeitsbedingungen an allen Produktions- und Handelsorten sichern. Merkel erklärte, die G20 würden sich weiter um die Absicherung von Arbeitnehmerrechten kümmern.

Zukunft der digitalen Arbeit gestalten

Wie auch die G20-Arbeitsminister beschäftigen sich die L20 damit, die Arbeits- und Sozialstandards für digitales Arbeiten neu zu bestimmen. Die Digitalisierung bietet Chancen auf gute Arbeit. Für gute Beschäftigungsbedingungen auch in Zukunft braucht es neue Regeln – für die soziale Sicherung oder für Aus- und Weiterbildung.

Es sei wichtig, die digitalen Kompetenzen von Frauen zu stärken, ihren Zugang zu Bildung zu verbessern. "Die Beschäftigungslücke zwischen Frauen und Männern wollen wir schließen", so Merkel. Dass das Thema auf allen drei Dialogforen debattiert wurde, sei ein gutes Zeichen.

Wer war beim L20-Treffen dabei?
DGB-Chef Reiner Hoffmann empfing als Gäste die Chefs internationaler Gewerkschaftsverbände sowie hochrangige Vertreter internationaler Organisationen:
- Guy Ryder, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO),
- Gabriela Ramos, G20-Sherpa der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),
- Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC),
- Frances O’Grady, Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsbundes Trades Union Congress (TUC),
- Jean-Claude Mailly, Generalsekretär des französischen Gewerkschaftsbundes Confédération générale du travail - Force ouvrière (CGT-FO) sowie
- Gewerkschaftschefs aus G20-Ländern.

Beitrag teilen
Schlagwörter