Langboot ins Humboldt Forum eingezogen

Von der Südsee nach Mitte

Mit dem über 120 Jahre alten Langboot der Pazifik-Insel Luf ist am Dienstag das erste Objekt der Dahlemer Museen ins Humboldt Forum eingezogen. Kulturstaatsministerin Grütters wünschte allen großen und kleinen Objekten der außereuropäischen Sammlungen "hier im Herzen Berlins ein besucherreiches Leben".

Bilder des Transports und der Einbringung des Südseebootes in das Humboldt Forum

Nomen est omen: Das Langboot der Pazifikinsel Luf zieht als erstes Objekt ins Humboldt Forum.

Foto: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / David von Becker

1 Grad 31 Minuten, 55 Sekunden südliche Länge, 145 Grad, 03 Minuten, 47 Sekunden östliche Breite: Das sind die Koordinaten der Pazifikinsel Luf, einem Eiland des Bismarck-Archipels. Von dort stammt eines der beeindruckendsten Stücke des Ethnologischen Museums: ein Auslegerboot, 16 Meter lang und 5,5 Meter hoch.

Dienstag morgen wurde es als erstes Großobjekt ins Humboldt Forum gehievt. Im ersten Stock wurde eigens eine entsprechend große Lücke gelassen. Das Boot ist der Auftakt für den Ortswechsel tausender weiterer Exponate bis August diesen Jahres.

Umzug eine logistische Mammutaufgabe

"Der Kulturbetrieb steht – im wahrsten Sinne des Wortes! – vor der Tür", erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum ungewöhnlichen dienstlichen Termin. Sie hofft auf viel Besuch für "all die großen und kleinen Objekte aus den Dahlemer Museen" am neuen Standort. Auch der künftigen Generalintendant des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, verfolgten die "Einbringung des Großprojekts".

Video
Video

Start des Humboldt Forums als Kulturort

Akribische und sorgfältige Planung

Ein besonderer Umzug eines besonderen Stücks erfordert besondere Vorkehrungen. So wurde das Schiff in Dahlem in einer "Restaurierungsstraße aufbereitet", mögliche Schädlinge mit Stickstoff abgetötet, das Boot in eine Kiste beachtlichen Ausmaßes verpackt.

Die beiden würfelartigen Gebäudeteile, in denen die Großprojekte im Humboldt Forum - weit vor dessen Fertigstellung - ihren Platz finden, sind weitestgehend fertig, vom Boden bis zur Technik. Das musste bautechnisch auch so sein. Denn sind die Kisten erstmal drin, ist Staubentwicklung zu vermeiden. Raumtemperatur und Feuchtigkeit regeln mobile Klimageräte. "Alle baulichen Voraussetzungen wurden geschaffen, und auch die Forderungen der Kuratoren erfüllt", betonte Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum. "Es ist nicht trivial, weltweit einmalige Kulturgüter auf einer Baustelle zwischenzulagern."

Allein im Museum

Erhöhte Sorgfalt galt auch für den Transport: Einen Ortswechsel von Ausstellungsobjekten dieses Umfangs hat es in der Geschichte der Staatlichen Museen noch nicht gegeben. Per Tieflader wurde das Boot nachts durch Berlin bewegt.

Für eine gewisse Zeit ist das Boot einziges Objekt im Museum. Es folgen noch weitere größere Objekte: 5 kleinere Boote, Südseehäuser und die ebenso bekannten buddhistischen Höhlenmalereien von der Seidenstraße. Erst wenn alle Großobjekte drin sind wird die Aussparung zugemauert.

Das Boot von der Insel Luf hat eine bewegte Geschichte. Im 19. Jahrhundert fuhren die Männer mit solchen Booten aufs offene Meer, trieben Handel und führten Krieg. 1890 gebaut erfüllte das Boot aber keinen dieser Zwecke. Denn als die Inselbevölkerung schrumpfte, konnten die verbliebenen Männer es nicht zu Wasser lassen. Es blieb im Bootshaus, wo es 1903 Max Thiel für die Handelsfirma Hernsheim & Co sah und erwarb. 1904 gelangte es in das damalige Museum für Völkerkunde in Berlin.

Beitrag teilen