Verbrauch von Plastiktüten senken

Umweltschutz Verbrauch von Plastiktüten senken

Der weltweit wachsende Plastikmüll ist eine Gefahr für die gesamte Umwelt. Deshalb sollen die EU-Bürger bis 2019 den Verbrauch von Plastiktüten deutlich reduzieren. Dies sieht ein Gesetzentwurf der EU-Kommission vor, dem das Europaparlament in erster Lesung zugestimmt hat.

Weggeworfene Plastiktüten liegen im Gras.

Der Verbrauch von Einwegtüten soll innerhalb von fünf Jahren von 200 auf 35 pro Kopf gesenkt werden.

Foto: picture alliance / ZB

Die Verschmutzung von Meeren, Flüssen und Seen hat gewaltige Ausmaße angenommen. Zwischen 100 und 142 Millionen Tonnen Müll schwimmen derzeit in den Gewässern, das meiste davon ist Plastik. Jährlich kommen mehr als sechs Millionen weitere Tonnen dazu -  über küstennahe Mülldeponien, Fischereiboote und Schiffe.

Todesfalle für Meeresbewohner

In der EU werden nach Angaben des Europaparlaments jährlich rund 100 Milliarden Plastiktüten verwendet, etwa acht Milliarden davon gelangen in die Weltmeere - mit verheerenden Folgen. Wegen riesiger Müllteppiche sterben jedes Jahr Hunderttausende Vögel, Meeressäuger, Schildkröten und Fische.

An der Nordsee sind von 2008 bis 2012 im Schnitt 1,5 Plastik-Tragetaschen und drei kleine dünnwandige Plastiktüten pro hundert Meter Küstenlinie gefunden worden. Diese Fragmente werden von den Meereslebewesen mit Nahrung verwechselt: Sie können die Mägen der Tiere verstopfen und so zum Tod durch Verhungern oder innere Verletzungen führen.

Plastikmüll reduzieren

Jeder EU-Bürger hat 2010 im Durchschnitt rund 200 Plastiktüten verwendet. In den einzelnen Ländern ist der Verbrauch sehr unterschiedlich. Dänen und Finnen benutzten nur vier Einwegtüten pro Kopf, Irland 18. Deutschland lag mit 70 Tüten im Mittelfeld. Das Schlusslicht bildeten Polen und Portugiesen mit 450 Tüten pro Kopf.

Wegen seiner Langlebigkeit von 450 Jahren ist Plastik eine Gefahr für die gesamte Umwelt. Über die Nahrungskette erreicht das Problem auch den Menschen. Dem wollen EU-Kommission und EU-Parlament nun einen Riegel vorschieben. Innerhalb von fünf Jahren soll der Verbrauch von Einwegtüten von durchschnittlich rund 200 auf 35 pro Kopf gesenkt werden.

Nach den Vorstellungen der Parlamentarier können die Länder den Verbrauch der Tüten verbieten oder Gebühren oder Steuern darauf erheben. Ausnahmen soll es für sehr dünne Beutel geben, die dem hygienischen Transport von frischem Fleisch, Fische, Käse und Aufschnitt dienen. Das Parlament schlägt vor, Obst, Gemüse und Süßigkeiten künftig in Papiertüten oder biologisch abbaubaren Plastiktüten zu verkaufen.

Die Forderung wird allerdings erst Gesetz, wenn ihr auch die 28 Regierungen der Europäischen Union zustimmen. Die Gespräche sollen nach der Europawahl beginnen.