2. Mai 1989

Ungarn: Der Eiserne Vorhang bekommt Löcher

2. Mai 1989: Ungarische Soldaten beginnen, an der Grenze zu Österreich elektronische Sicherungsanlagen und Stacheldrahtzäune abzubauen. Die ungarische Regierung ist damit die erste, die die totale Abriegelung der Ostblockstaaten gegenüber dem Westen aufhebt.

Demontage des Grenzzauns nahe Nickelsdorf (Österreich) und Hegyeshalom (Ungarn). Angehörige der ungarischen Grenztruppe haben am 2. Mai 1989 damit begonnen, die Sperranlagen an der ungarisch-österreichischen Grenze zu entfernen.

1989-05-02 Der eiserne Vorhang bekommt Löcher

Foto: picture-allince/dpa

Flüchtlingszahlen steigen rasant

Als abends die Bilder vom Abbau der ungarischen Grenzanlagen in den Nachrichtendsendungen laufen, sagt Axel Hartmann, damals Mitarbeiter im Kanzleramt, zu seinem Chef, Kanzleramtsminister Rudolf Seiters: "Wenn das die Leute in der DDR sehen, dann fangen die sofort an zu laufen." Und so kommt es auch.

"Erschrocken und hilflos" habe man beobachtet, wie der sozialistische Block damit in die Brüche gehe, sagt SED-Politbüromitglied Günter Schabowski später. Die Flüchtlingszahlen steigen nun rasant an. Täglich treffen 100 bis 200 DDR-Flüchtlinge über Ungarn in den Aufnahmelagern der Bundesrepublik Deutschland ein.

DDR-Führung erhofft Hilfe vom "großen Bruder"

SED-Politbüromitglied Günter Mittag wirft der ungarischen Regierung "Verrat am Sozialismus" vor. DDR-Außenminister Oskar Fischer erhofft sich Hilfe aus Moskau und bittet um ein Treffen des Warschauer Paktes. Er will erreichen, dass die ungarische Regierung ihre Grenzöffnung wieder rückgängig macht.

Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow schlägt ein solches Treffen aus. Es solle keinen Druck der Mehrheit auf einzelne Staaten mehr geben.

Die Zahl der Flüchtlinge erhöht sich ab dem 11. September um ein Vielfaches: Ungarn gestattet DDR-Bürgern, legal über seine Westgrenze nach Österreich auszureisen. Täglich fliehen Tausende. Ende September haben so bereits 32.500 Menschen die DDR verlassen.

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