Deutsch-russisches Forschungsprojekt

Tiere als lebende Frühwarnsysteme

Gute Nachrichten von der Internationalen Raumstation ISS: Zukünftig sollen Naturkatastrophen und Epidemien besser vorherzusehen sein - über Bewegungsprofile von Tieren. Astronaut Gerst hat mit seinen Teamkollegen eine Antenne an der ISS angebracht. Diese empfängt wertvolle Erkenntnisse für das Icarus-Projekt von der Erde.

Das Projekt Icarus (International Cooperation for Animal Research Using Space) ist startklar für die Testphase: Mitte August haben die russischen Kosmonauten Sergei Prokopjew und Oleg Artemjew bei einem knapp siebenstündigen Außenbordeinsatz alle Vorbereitungen abgeschlossen.

Mit der Hilfe von Alexander Gerst aus der Internationalen Raumstation (ISS) konnte eine Antenne an der Außenhülle der ISS angebracht werden. Durch die Antenne lassen sich weltweite Tierwanderungen verfolgen. Die Tiere sind mit Minisendern ausgestattet und senden darüber ihr Bewegungsprofil an die ISS.

Ein Astronaut installiert die Antenne des Icarus-Systems an der Internationalen Raumstation ISS.

Die Icarus-Antenne wird an der ISS installiert.

Foto: ESA/NASA-A.Gerst (CC BY-NC-SA 2.0)

Icarus beobachtet Tierwelt

Ziel ist es, Naturkatastrophen oder Epidemien schneller vorherzusehen. Frühwarnsysteme könnten zukünftig verbessert werden. Dies wäre auch ein großer Erfolg für das Max-Planck-Institut für Ornithologie, die Universität Konstanz und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die sich am Icarus-Projekt beteiligen.

Beobachtet werden etwa Vögel, Fledermäuse, Meeressäuger, Fische und Schmetterlinge. Die Tiere sind dafür mit solarbetriebenen Funksendern ausgestattet. Die Minisender wiegen nur fünf Gramm, damit die Tiere ihr Verhalten nicht verändern. Durch Satellitennavigationsdaten werden ihre Bewegungsprofile erfasst. Zudem messen die Sender auch Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit oder Luftdruck.

Von Bewegungsprofilen der Tiere lernen

Tiere sind oftmals Träger von Krankheitskeimen. Erkenntnisse über ihre Wanderrouten können daher bei der Bekämpfung von Epidemien helfen. Flughunde etwa gelten als mutmaßliche Überträger des Ebola-Virus auf den Menschen. Die Aufzeichnung ihrer Bewegungsprofile mit Hilfe des Icarus-Systems könnte dafür sorgen, die noch unbekannten Ebola-Reservoire zu ermitteln.

Zudem verspricht sich das Forscherteam eine bessere Voraussage von Naturkatastrophen. Vor Erdbeben oder Vulkanausbrüchen zeigen Tiere oftmals ein auffälliges Verhalten. Dies kann mit Icarus identifiziert werden und als frühes Alarmsignal zur Katastrophenprävention beitragen.

Mehrmonatige Testphase startet

Bewährt sich die Icarus-Technologie in ihrer mehrmonatigen Testphase, wird das System Anfang 2019 in den Regelbetrieb gehen. Die Zahl der Minisender soll von 1.000 auf 100.000 noch erhöht, deren Größe und Gewicht weiter verringert werden.

Icarus ist ein Gemeinschaftsprojekt eines internationalen Forscherteams sowie der Raumfahrtagenturen aus Deutschland und Russland. Die Federführung liegt beim Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt über das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dieses unterstützt die derzeitige Erprobung der Minisender und der dazugehörigen Sende- und Empfangseinrichtung auf der ISS.

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