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Die Positionierung des DOSB ist vor dem Hintergrund des digitalen Wandels, in dem sich die Welt befindet, schwer nachvollziehbar. Es sollten die Chancen des eSports als eine Bereicherung und Ergänzung zum analogen Sport im Vordergrund stehen. Es ist ein Irrtum, dass es nur ein „entweder oder“ zwischen digitaler und analoger Welt geben kann und nicht ein „sowohl als auch“.

Es fehlt nach Ansicht des DOSB an der Vergleichbarkeit von digitalem und analogem Sport. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Im eSport gibt es auch Verhaltensregeln und Prinzipien wie Fair Play und Respekt. Es zählt das Leistungsprinzip, Menschen unterschiedlicher Nationen und Hautfarben kommen zusammen, um sich miteinander zu messen. „Citius, altius, fortius“, dieses olympische Motto gilt auch in der digitalen eSport Welt. Hier liegen die Tartanbahnen der Zukunft. Auf diesen Bahnen müssen wir trainieren, die Begeisterung für die digitale Welt wecken und allen Bevölkerungsgruppen die Chance geben teilzunehmen: „Dabei sein ist alles“. Denn die digitale Revolution ist im Kern eine soziale. Wer eSport aus der heutigen Definition des Sports ausklammert, der erfasst nicht, was auf dieser Welt gerade passiert. In einer digitalen Welt muss es auch digitale Wettkämpfe geben. Daher ist auch die versuchte Differenzierung zwischen eSport, im Sinne der virtuellen Simulation analoger Sportarten, und eGaming künstlich. Beides ist digitaler Wettkampf.

Ganz besonders schmerzt die vertane Chance, Bevölkerungsgruppen zu integrieren, die aufgrund von schweren körperlichen Handicaps vom analogen Sport, einschließlich dem Behindertensport, weitgehend ausgeschlossen sind. Wir sollten im eSport eine ganz neue Möglichkeit sehen, über die Kontinente hinweg das olympische Motto zu verwirklichen und zu leben – und zwar viel breiter, als wir es derzeit tun! Der DOSB sollte die Chance ergreifen, dieses Feld mitzuformen und zu entwickeln. „Schneller, höher, stärker“ – dieses olympische Motto sollte auch für die Zukunftsambitionen des DOSB gelten.

Dorothee Bär, MdB

Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung