PISA-Sonderauswertung

Sozial benachteiligte Schüler nun erfolgreicher

Seit 2000 hat das Maß für Bildungserfolg in Deutschland einen Namen: PISA. Die internationale Schulleistungsstudie erfasst das Können der 15-jährigen. Eine Sonderauswertung zeigt nun, welche Faktoren den Lernerfolg von Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien fördern.

Schüler sitzt im Unterricht und hält einen Stift

Die Auswertung zeigt: Schüler aus benachteiligten Elternhäusern profitieren von einem guten Unterrichtsklima.

Foto: Sebastian Bolesch

Zwischen 2006 und 2015 ist der Anteil der Jugendlichen, die trotz bildungsferner Elternhäuser gute schulische Leistungen bringen, deutlich gestiegen - von einem Viertel auf ein Drittel. Der Anstieg war in Deutschland so stark wie in kaum einem anderen OECD-Land. Das ist das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Sonderauswertung der PISA-Studie von 2015.

In Zahlen: 2006 hatten 25 Prozent der sozial schwachen Schüler einen guten Lernerfolg, 2015 waren es 32,3 Prozent. Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung nennt das Ergebnis "beeindruckend".

PISA steht für "Programme for International Student Assessment". Die Studie erfasst im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Können von 15-jährigen Jugendlichen beim Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften. Die PISA-Studie wird seit 2000 alle drei Jahre erstellt. Mehr als 80 Länder beteiligen sich daran.

Am wichtigsten: gute Lehrer, motivierende Schulleitung

Die Sonderauswertung zeigt, dass vor allem zwei Faktoren das gute Lernklima für alle befördern. Zum einen, wenn Lehrerinnen und Lehrer lange an ihrer Schule bleiben, sprich eine niedrige Fluktuation. Denn so können sich eine offene Kommunikation und vertrauensvolle Beziehungen zwischen ihnen und den Jugendlichen entwickeln.

Zum anderen braucht es eine motivierende Schulleitung. Wenn es ihr gelingt, das Lehrerkollegium von einer gemeinsamen Mission zu überzeugen und auf strategische Ziele auszurichten, steht dem Lernerfolg nichts im Wege. "Es muss gelingen, die fähigsten Lehrer für schwierige Schulen zu gewinnen", sagt Schleicher. Er stellt den Bildungsreformen Anfang der 2000er Jahre ein positives Zeugnis aus. Sie würden nun Früchte tragen. Dazu gehörten die Ganztagsbetreuung, das Bildungsangebot von frühester Kindheit an sowie die stärkere Integration von Jugendlichen mit unterschiedlichem sozialen Umfeld.

Wenig Einfluss auf Lernerfolg: Computer und Klassengröße

"Der Zusammenhang von Sozialhintergrund und Bildungsleistung ist nicht naturgegeben. Man kann etwas dran machen", so Schleicher. Wenig Einfluss darauf hätten weder kleinere Klassen noch eine bessere Ausstattung mit Computern. "Die Masse an Technologie hat keinerlei Zusammenhang mit Resilienz oder Bildungsleistung", sagt Schleicher. Einen positiven Einfluss haben offensichtlich schulische Aktivitäten jenseits des Unterrichts.

Resilienz ist, wenn sich Menschen trotz erschwerter Umstände individuell erfolgreich anpassen. Bildungsforscher sehen die Resilienz als ein wichtiges Maß für Qualität und Chancengleichheit im Bildungssystem.

Beitrag teilen
Schlagwörter