Ausstellung

Schwarzweiß ist Farbe genug

Die Fotografin Barbara Klemm gilt als Chronistin des Zeitgeschehens: Fast fünf Jahrzehnte lang hat sie Politiker begleitet, Künstler porträtiert und von ihren Reisen berichtet. Rund 320 ihrer Bilder sind jetzt im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Mai 1973: Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg besucht ein sowjetischer Staatschef die Bundesrepublik. Umgeben von Dolmetschern und Beratern sprechen der damalige Bundeskanzler Willy Brandt, Außenminister Walter Scheel und Leonid Breschnew miteinander.

Eine Szene, die nicht nur als historisches Ereignis, sondern auch als Bild fest in unserem Bewusstsein verankert ist. Festgehalten hat sie die Fotografin Barbara Klemm – und mit ihrem Bild eine Ikone der Zeitgeschichte geschaffen.

Unterwegs im Auftrag der FAZ

Fünf Jahrzehnte lang hat Barbara Klemm Politiker, Minister und Kandidaten begleitet: in Bundestagsdebatten ebenso wie auf Reisen und Parteitagen. Sie hat Wissenschaftler und Künstler porträtiert und den Alltag der Menschen in aller Welt dokumentiert.

Unterwegs war die Fotografin seit dem Ende der 1960er Jahre vor allem im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dort – im politischen Teil, auf den Reise-Seiten und vor allem in der Kupfertiefdruckbeilage "Bilder und Zeiten" – wurden ihre Fotos veröffentlicht.

Rund 320 von ihnen sind jetzt im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Präsentiert werden die Originale aus den Jahren 1968 – 2013 zusammen mit den entsprechenden Zeitungsseiten. Ein Hinweis darauf, dass es Barbara Klemm immer vor allem um dieses gedruckte Bild ging - und erst in zweiter Linie um das ausbelichtete Original.

Bilder, die Geschichten erzählen

Durch ihre mediale Verbreitung haben sich die Fotos von Barbara Klemm in besonderer Weise in unser Bewusstsein eingeschrieben. Entscheidenden Anteil hat daran die besondere Qualität der Bilder.

Barbara Klemm setzt ganz auf das analoge schwarz-weiß Bild. "Schwarzweiß ist Farbe genug", hat sie einmal gesagt. Jedes Foto ist bewusst gebaut und durchdacht konzipiert. Dabei geht es Klemm tatsächlich um das einzelne Bild, Folgen oder Serien spielen in ihrem Werk keine Rolle.

Gleichzeitig sind Klemms Fotos inhaltlich durchaus vielschichtig, oft haben sie mehrere Bedeutungsebenen. "Ich suche ein Bild, das den Leser neugierig macht, das eine Geschichte erzählt, auch wenn die sich nicht unbedingt decken muß mit der, die der Artikel darunter erzählt", beschreibt die Fotografin selbst ihre Arbeit. Ein Prinzip, das auch für Klemms Reisereportagen gilt, die vom Alltag der Menschen in China und Indien, Afrika und Asien und im Nahen Osten berichten.

Ganz besonders trifft dieses erzählende Moment auf die zahlreichen Künstlerbildnisse zu, die Klemm im Lauf der Jahrzehnte geschaffen hat: von Alfred Hitchcock oder Andy Warhol, Thomas Bernhard und Herta Müller, Mick Jagger und Daniel Barenboim. Ein "Who's Who" der Kunst, das in der deutschen Fotografie seinesgleichen sucht.

Zu sehen ist die Ausstellung Barbara Klemm. Fotografien 1968 - 2013 bis zum 9. März 2014 im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Das Ausstellungsgebäude gehört zum Geschäftsbereich der Berliner Festspiele, die Teil der "Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin" (KBB) sind. Der Bund fördert den Martin-Gropius-Bau aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin mit jährlich 2,6 Millionen Euro. Auf der 7.300 Quadratmeter großen Fläche werden jedes Jahr 10 bis 15 Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst, zur Fotografie und zu kulturhistorischen Themen präsentiert.