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Woche der Abfallvermeidung

Produkten ein zweites Leben geben

Reparieren statt Wegwerfen, Abfall vermeiden, Ressourcen schonen - darauf macht die "Europäische Woche der Abfallvermeidung" aufmerksam. Bis zum 26. November zeigen Aktionen in Deutschland sowie 33 weiteren Ländern in Europa: Es gibt Wege aus der Wegwerfgesellschaft.

Ein Mann repariert einen Kopfhörer.

Die Aktionswoche ruft Verbraucher dazu auf, sich mehr darum zu kümmern, defekte Produkte zu reparieren.

Foto: picture alliance / dpa

"Gib den Dingen ein zweites Leben!" - das ist das Motto der diesjährigen "Europäischen Woche der Abfallvermeidung" (EWAV). Das Bundesumweltministeriums (BMUB) ist offizieller Partner der Aktionswoche.

Abfallberge wachsen statt zu schrumpfen

Die Deutschen konsumieren viel. Dort, wo konsumiert wird, fallen Abfälle an: Ob Kleidung, Möbel oder elektronische Geräte – nicht selten haben Produkte nur eine kurze Nutzungsphase. Die kurze Lebensdauer von Produkten und ein ständig wachsender Markt lassen die Abfallberge stetig steigen. In Deutschland wirft jeder Einwohner pro Jahr 618 Kilogramm Abfall weg.

Aber nicht nur die Verbraucher, sondern auch Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind aufgerufen, die Vermeidung von Abfall zu ihrem Thema zu machen. Dies gilt für die Herstellung von Produkten, für den Handel und für den Konsum. Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt und der Verband kommunaler Unternehmen appellieren daher anlässlich der "Europäischen Woche der Abfallvermeidung" gemeinsam: Produkte müssen langlebiger werden. Und Verbraucher müssen sich mehr darum kümmern, defekte oder beschädigte Produkte zu reparieren.

Abfallwirtschaft in Deutschland auf einen Blick

Abfallaufkommen
2015
402 Millionen Tonnen
Haushaltsabfälle je Einwohner
2015
455 Kilogramm
darunter Haus- und Sperrmüll
2015
188 Kilogramm
Beschäftigte für den Umweltschutz
2015
259.203
Wasserverbrauch je Einwohner und Tag
2013
121 Liter

Quelle: destatis, 2017

Reparieren statt wegwerfen

Seit acht Jahren findet im November die "Europäische Woche der Abfallvermeidung" statt. In diesem Jahr steht die Frage im Mittelpunkt: Wie kann die Reparatur gestärkt werden? Denn einerseits sind Elektrogeräte und elektronische Geräte immer schwieriger zu reparieren. Andererseits werden sie immer preiswerter. Das verlockt dazu, die Geräte schon bei geringen Defekten zu entsorgen, obwohl sie im Wesentlichen noch funktionieren. Eine Reparatur ist zu mühsam: Entweder gibt es keine Ersatzteile, oder die Montage ist zu teuer, weil sie knapp unter dem Preis einer Neuanschaffung liegt.

Eine repräsentative Umfrage der Verbraucherzentralen bestätigt dies: 2017 gaben rund drei Viertel aller Befragten als Grund für die Entledigung von Elektrogeräten an, dass die Kosten für eine Reparatur zu hoch sind.

Deshalb zeigen in der Aktionswoche etwa sogenannte "Repair-Cafes", Verbraucherzentralen oder kommunale Entsorger praktische Lösungen zum Reparieren. Mit dabei auch Betriebe und Initiativen, die beim bundesweiten Netzwerk "Runder Tisch Reparatur" organisiert sind, das vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt gefördert wird. Zum Wiederverwerten regen auch Tauschbörsen und Second-Hand-Kaufhäuser an. Wer bei der EWAV mitmacht und wo diese Initiativen zu finden sind, ist auf einer interaktiven Landkarte zu sehen.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) koordiniert die EWAV wie auch den EU-weiten Aktionstag

. In Deutschland wird die Kampagne mit Mitteln der Europäischen Klimainitiative finanziert.

Was tut die Politik?

Abfallvermeidung setzt bei der Herstellung von Produkten an. Die Lebensdauer von Produkten und die Reparaturfähigkeit müssen gestärkt werden. Das Umweltbundesamt legte zur "Europäischen Woche der Abfallvermeidung" eine 7-Punkte-Strategie gegen frühzeitige Veralterung von Produkten (Obsoleszenz) vor. Darin wird gefordert, dass seitens der Hersteller auch Ersatzteile verfügbar und Reparaturanleitungen vorhanden sein müssen. Hersteller müssten zudem verbindliche Garantieangaben ausstellen und die Gewährleistungsansprüche verbessern.

Das Bundesumweltministerium macht sich seit langem für eine längere Haltbarkeit von Alltagsprodukten stark. Produkte mit dem Blauen Engel, dem Umweltzeichen der Bundesregierung, gehen heute schon deutlich über die gesetzlichen Standards hinaus. So müssen die Bauteile von Notebooks und Mobiltelefonen robust und langlebig sein und sich bei Bedarf einfach austauschen lassen. Das gilt zum Beispiel auch für Holz oder Polstermöbel. 

Die Bundesregierung hat zudem das Verpackungsgesetz novelliert. Hersteller sollen zukünftig Verpackungen so gestalten, dass sie sich einfacher und vollständig recyceln lassen. In Brüssel setzt sich Deutschland für eine Anpassung der Ökodesign-Richtlinie ein. Diese gibt bereits Mindestanforderungen für den Energieverbrauch oder die Haltbarkeit von Bauteilen relevanter Alltagsgeräte wie Staubsauger oder Kaffeemaschinen vor.