Ostern wird eine Weggabelung

Eindämmung der Corona-Pandemie Ostern wird eine Weggabelung

Auch über die Ostertage die Kontaktbeschränkungen einhalten, damit möglichst bald eine Lockerung einzelner Maßnahmen möglich ist: Dazu haben Bundesgesundheitsminister Spahn und Bundesfamilienministerin Giffey aufgerufen. Beide verwiesen darauf, dass die beschlossenen Regelungen Wirkung zeigten.

Franziska Giffey und Jens Spahn bei ihrer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie.

Franziska Giffey und Jens Spahn informierten über Entwicklungen in der Corona-Pandemie.

Foto: ANNEGRET HILSE/POOL/AFP/Getty Images

Den Gründonnerstag nutzten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zu einem gemeinsamen Appell. Gerade weil die beschlossenen Maßnahmen Wirkung zeigten, sei es wichtig, jetzt bei den Anstrengungen "nicht nachzulassen", betonte Spahn.

Auch ihm persönlich falle der Verzicht auf den Besuch der Familie und auch des Gottesdienstes zu Ostern sehr schwer. Er wisse, dass die aktuellen Einschnitte den Menschen viel abverlangten. Zusammen mit der Familienministerin dankte Spahn allen, die sich konsequent an die Maßnahmen halten: Die Fortschritte "sind erste gemeinsame Erfolge".

Weniger neue Infektionen

So gebe es bei fast 110.000 Infizierten in Deutschland mittlerweile mehr als 50.000 Gesundete. Und die Zahl der neu gemeldeten Infektionen "flacht sich ab". Es gebe eher eine lineare Steigerung bei den Neuinfektionen. Spahn wies auch darauf hin, dass das deutsche Gesundheitswesen nach wie vor eine starke Basis habe.

Die Maßnahmen der vergangenen Wochen hätten dazu geführt, dass die Krankenhäuser mit der Pandemie derzeit noch gut umgehen könnten. Etwa 10.000 Intensivbetten, das sind 40 Prozent aller Intensivbetten in Deutschland, seien aktuell frei. Die allermeisten der mit dem Corona-Virus infizierten Patienten werden laut Spahn ambulant versorgt und sind zuhause - und zwar im Schnitt sechs von sieben Erkrankten.

Das Robert-Koch-Institut will mit drei neuen Studien zur Klärung offener Fragen beitragen und Hintergründe zur Corona-Pandemie erfahren. Laut RKI-Chef Lothar Wieler soll das Blut von 5.000 Blutspendern  auf Antikörper getestet werden. Zudem will das RKI Proben von Menschen aus Covid-Ausbruchsgebieten analysieren und eine repräsentative Blut-Untersuchung von 15.000 Menschen aus ganz Deutschland durchführen. Ziel ist zu erfahren, wie viele Menschen im Land immun sind und wie hoch der Anteil symptomloser Fälle ist.

Herausforderung für Familien

Bundesfamilienministerin Giffey hob hervor, dass die noch nie dagewesene Situation von den Familien in Deutschland "gut gemeistert" werde. Die ersten Erfolge seien der Lohn dafür, dass "sich alle so diszipliniert verhalten". Wenn zugleich die häusliche Isolation eine große Belastungsprobe für viele bedeute. Sie habe sich gemeinsam mit den Ländern darauf verständigt, die Kinder- und Jugendhilfe trotz der aktuellen Beschränkungen weiter aufrechtzuerhalten. Auch seien die Angebote von Beratungsstellen und Hilfetelefonen wie beispielsweise der "Nummer gegen Kummer" und dem Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" teilweise erweitert worden.

Auch Frauenhäuser "systemrelevant"

Giffey bezeichnete die Arbeit in Frauenhäusern und Fachberatungsstellen für Frauen als "systemrelevant". Die Beschäftigten müssten Zugang zur Notfallbetreuung für ihre Kinder haben und zudem die notwendige Infektionsschutzausstattung bekommen.

Giffey ging auch auf die finanziellen Hilfen der Bundesregierung für Familien ein. Der seit Anfang April gültige "Notfallkinderzuschlag" werde mit bereits 80.0000 Anträgen stark nachgefragt. Um den Zuschlag von bis zu 185 Euro zum Kindergeld zu bekommen, müssen Eltern mit deutlichen Einkommenseinbußen aktuell nur das Gehalt des Monats März angeben.     

Pandemie ist auch "psychologische Krise"

Bei der Pressekonferenz von Spahn und Giffey äußerte sich auch der Stressforscher Mazda Adli. Nach seiner Überzeugung durchlebten viele Menschen durch die Corona-Pandemie auch eine "psychologische Krise". Vieles, was Stress verringere und tröste, wie beispielsweise der enge Kontakt zu Freunden oder auch eine Umarmung, sei im Moment nicht möglich. Es könne schon helfen, sich einfach bewusst zu machen, dass Gefühle wie Angst, Traurigkeit oder auch Wut in der aktuellen Situation normal seien.

Darüber hinaus gab Adli den Tipp, regelmäßig eine "Corona-freie-Zeit" zu verbringen, also beispielsweise mal einen halben Tag keine Corona-Nachrichten zu konsumieren und sich mit anderen Themen zu beschäftigen.

Wichtig für die Psyche sei auch, die Hoffnung nicht zu verlieren. Giffey und Spahn spendeten mit ihren Aussagen Zuversicht. Wobei der Gesundheitsminister betonte: Vom Alltag wie man ihn vor Corona gekannt habe, sei man noch lange entfernt. "Ostern wird die Weggabelung sein", so Spahn.                      
            

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