Nachhaltigkeitskonferenz in Norderstedt

"Weg in ein postfossiles Zeitalter"

Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einem wichtigen Kompass für alle Politikfelder. Darin waren sich Bundesumweltministerin Schulze und der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther einig. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie könne für den sozial-ökologischen Umbau wichtige Orientierung geben. 

Podiumsdiskussion auf der regionalen Nachaltigkeitskonferenz in Norderstedt, unter anderem mit Bundesumweltministerin Schulze.

Wie erreicht Deutschland die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen? Darüber diskutierte in Norderstedt unter anderem Bundesumweltministerin Schulze.

Foto: Bundesregierung/Scholz

Wind- und Sonnenenergie sind ein wesentlicher Schlüssel, um die deutschen Nachhaltigkeitsziele erreichen zu können: Deren Ausbau müsse daher stärker vorangetrieben werden, forderte Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum Auftakt der Regionalkonferenz zur Fortschreibung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie in Norderstedt.

Auf der regionalen Nachhaltigkeitskonferenz am 22. Januar in Norderstedt haben mehr als 200 Teilnehmende in Workshops darüber Gespräche geführt, wie Deutschland bis 2030 die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) erreichen kann.

Strategie an neue Rahmenbedingungen anpassen

Im zurückliegenden Jahr habe die Bundesregierung in einigen Bereichen wichtige Fortschritte erreicht, etwa beim Klimaschutzprogramm, dem Aktionsprogramm Insektenschutz oder der Reduzierung von überflüssigem Plastik. "Trotzdem bleibt noch viel zu tun", betont die Bundesumweltministerin. "Wir machen uns jetzt auf den Weg in ein postfossiles Zeitalter mit neuen, klimafreundlichen Formen der Energieerzeugung."

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist "unser Plan, wie wir die 17 UN-Ziele erreichen können“, betonte Schulze. Sie müsse aber an neue Rahmenbedingungen und Herausforderungen wie beispielsweise die Digitalisierung angepasst werden.

Insgesamt finden von Oktober 2019 bis Februar 2020 fünf Dialogkonferenzen statt. Nach der Auftaktkonferenz im Oktober in Berlin fand die erste Regionalkonferenz im November in Stuttgart statt. Nach der Veranstaltung in Norderstedt folgen weitere regionale Dialogkonferenzen der Bundesregierung bis Februar 2020 in Erfurt und Bonn.

Nachhaltigkeit mit Leben füllen

"Im vergangenen Jahr haben wir so viel über das Klima und unsere Umwelt gesprochen, wie vielleicht nie zuvor", sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther. Mit Blick auf die gewaltigen Waldbrände im Amazonas und Australien dränge sich der Eindruck auf, dass "die Welt brennt und wir nicht in der Lage sind, etwas dagegen zu tun. Doch es gibt auch Raum für Optimismus."

Der von der EU-Kommission angekündigte "Green Deal", das von der Bundesregierung verabschiedete Klimapaket und die Nachricht, dass die Deutschen CO2-Emissionen wesentlich stärker als erwartet gesunken sind, seien gute Signale. "Das zeigt doch: Wir drehen das Steuerrad. Und schwenken auf den richtigen Kurs ein – langsam zwar, aber stetig", so der Ministerpräsident.

Die Nachhaltigkeitsstrategie müsse mit Leben gefüllt werden. Dazu wünschte sich Günther von der EU und der Bundesregierung verlässlichere Perspektiven für die kommenden Jahre und die Berücksichtigung regionaler Besonderheiten. Dies sei nicht zuletzt für Unternehmen wichtig, auch und gerade aus der Land- und Fischereiwirtschaft.

Norderstedt Vorreiter in Nachhaltigkeit

Dass die Regionalkonferenz im nördlich von Hamburg gelegenen Norderstedt ausgerichtet wurde, hat auch mit deren Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit zu tun. Während vor zwei Jahrzehnten vielerorts nur wenig über Nachhaltigkeit nachgedacht wurde, richtete die 81.000 Einwohner zählende Stadt ihr politisches Handeln bereits an diesen Grundsätzen aus.

"Die Stadt Norderstedt hat sich bereits vor geraumer Zeit ein in die Zukunft gerichtetes, nachhaltiges Planen und Handeln auf ihre Fahnen geschrieben", erklärte Elke Christina Roeder, Oberbürgermeisterin von Norderstedt. Auf städtischer Ebene würden Entscheidungen daraufhin geprüft, ob sie aus ökologischer, ökonomischer und auch aus sozialer Sicht zukunftsfähig sind. "Es geht darum, den nachfolgenden Generationen intakte ökologische, ökonomische und sozial verträgliche Strukturen sowie eine lebenswerte Welt zu hinterlassen", so die Oberbürgermeisterin.

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