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Klimaschutz

Moore - die natürlichen Filter

Moore speichern mehr CO2 als jedes andere Ökosystem der Welt. Werden sie zerstört, entstehen volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. "Intakte Moore sind für den Schutz des Klimas von zentraler Bedeutung", erklärt Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

Moor im UNESCO Weltnaturerbes im Nationalpark Hainich

Werden Moore zerstört, sind Tiere und Pflanzen bedroht. Auch klimaschädliche Gase werden freigesetzt.

Foto: Burkhard Peter

Obwohl Moore nur drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, speichern sie rund 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs. Pro Hektar binden sie viermal mehr CO2 als die Tropenwälder. Damit wirken sie dem Klimawandel entgegen.

Allein in den Torfwäldern der indonesischen Provinz Zentral-Kalimantans auf Borneo sind aktuell noch 6,4 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert. Das ist 23 mal mehr als die jährlichen CO2 Emissionen Deutschlands. Wie überall auf der Welt, sind die Moore auch auf Borneo bedroht. Über eine Million Hektar wurde gerodet und trockengelegt, um den großflächigen Anbau von Reis zu ermöglichen.

Weltweit bedecken Moore drei Prozent der Landoberfläche. Sie speichern mit 400 bis 550 Gigatonnen 20 bis 30 Prozent des gesamten im Boden gelagerten Kohlenstoffs. Die Moorflächen speichern etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Waldregionen zusammen.

Wenig naturnahe Moore

Von den ursprünglich rund 1,5 Millionen Hektar Moor in Deutschland – 4,2 Prozent der Fläche des Landes - gelten heute nur noch etwa fünf Prozent als naturnah. Fallen die Moore trocken, wird CO2 frei. Deshalb ist der Schutz der Moore so wichtig. 

"Jeder Hektar geschütztes Moor spart jährlich rund neun Tonnen CO2 ein, knapp so viel, wie jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr verursacht", erklärt der WWF-Naturschutzexperte Michael Zika. 

Die Studie "Naturkapital und Klimapolitik" vergleicht die gesellschaftlichen Kosten und die Summe öffentlicher Fördergelder für verschiedene Landnutzungen auf Moorböden. Danach sind die volkswirtschaftlichen Kosten des Ackerbaus auf entwässerten Moorböden um ein Vielfaches höher als die privaten Gewinne.

Renaturierung möglich

Die Kosten für die Wiedervernässung von Mooren liegen zwischen 40 und 110 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Laut WWF-Experte Zika genügen "einfache Holzdämme, um den Wasserhaushalt von Mooren wiederherzustellen und ihnen ihre CO2-Speicherfähigkeit zurückzugeben". Moorrenaturierungen gehörten zu den besonders günstigen Klimaschutzmaßnahmen, betont auch Staatssekretär Flasbarth.

"Wenn wir zum Beispiel 300.000 Hektar Moorböden in Deutschland wieder vernässen würden, ließen sich volkswirtschaftliche Schäden von 217 Millionen Euro pro Jahr vermeiden", erklärt der Leiter der Studie, Prof. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Torfabbau stoppen

Jährlich werden in Deutschland immer noch etwa acht Millionen Kubikmeter Torf abgebaut – vorwiegend in Niedersachsen. Ein kleiner Teil kommt in Kosmetik und Medizin zum Einsatz, beispielsweise als Moorbäder und –packungen.

Ein großer Teil wird im Gartenbau verwendet. Besonders Discounter und Gartencenter bieten günstige Blumenerden an, die Torf aus Hochmooren enthalten. Etwa ein Drittel verbrauchen die Hobby-Gärtner. "Ich kann es gar nicht glauben, dass – auch in Deutschland – Moore noch vor allem zur Herstellung von Blumenerde abgebaut werden", sagte Flasbarth.

Mit dem Kauf torffreier Blumenerde kann jeder seinen persönlichen Beitrag zum Erhalt der Moore leisten.

CO2-Ausstoß senken

Vom Torfabbau und der damit verbundenen Trockenlegung erholen sich die Moore in der Regel nicht. "Um einen Meter neuen Torf aufzubauen sind 1.000 Jahre notwendig", betont Christian Hiernels, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern des BUND. Durch die Zerstörung der Moore werden nicht nur die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen vernichtet, sondern auch hohe Mengen klimaschädlicher Gase freigesetzt.

Allein aus entwässerten deutschen Mooren entweichen jährlich rund 45 Millionen Tonnen CO2. "Das sind rund fünf Prozent der jährlichen Gesamtemissionen in Deutschland und fast 40 Prozent der Emissionen der deutschen Landwirtschaft", so Flasbarth.

Wird ein Moor entwässert, dringt Sauerstoff in den Torf ein. Dadurch wird der Ausstoß von Methan gestoppt und stattdessen Kohlenstoff und Lachgas in die Atmosphäre abgegeben. Die Auswirkung auf das Klima ist hierbei 298 mal höher als bei CO2-und zwölf mal höher als bei Methan.

Innovativ wirtschaften

"Wir wissen, dass wir mit unserer Lebensweise einen Klimawandel in Gang gesetzt haben, der unser Ökosystem und den sozialen Zusammenhalt bedroht", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Deshalb sei es allerhöchste Zeit, die soziale Marktwirtschaft auch ökologisch auf den Stand der Zeit zu bringen.

Innovative Projekte zeigen, dass aus einem klimaschädlichen Gas ein nützliches Produkt werden kann. Aus Kohlendioxid und Sonnenenergie stellt die Demonstrationsanlage "sunfire" in Dresden einen neuen Treibstoff her. Das Bundesforschungsministerium fördert die Anlage.

"Mit der Forschungsagenda 'Green Economy' wollen wir den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft voranbringen", erklärt Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. "Das geht nur mit Innovationen". Bis 2018 stellt sie dafür 350 Millionen Euro zur Verfügung.

Nasse Moore beeinflussen die Bilanz der Treibhausgase auf zwei Weisen: Sie binden Kohlenstoffe und stoßen Methan aus. Langfristig ist der Effekt der Kohlenstoffaufnahme wichtiger als der des Methan-Ausstoßes. Denn Methan wird mit einer Verweildauer von zwölf Jahren in der Atmosphäre vergleichsweise schnell abgebaut.

 

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