Abschluss des Reformationsjubiläums

Merkel: Toleranz ist "die Seele Europas"

In ihrer Rede auf dem Festakt warb Kanzlerin Merkel für Toleranz. Sie sei wesentliche Voraussetzung für die gute Entwicklung einer Gesellschaft und für deren Zusammenhalt. Mit einem Gottesdienst und einem Festakt in Wittenberg ging das Reformationsjubiläum zu Ende.

Bundeskanzlerin Merkel umringt von Bürgerinnen und Bürgern

Bundeskanzlerin Merkel warb in ihrer Rede für Toleranz. Religionsfreiheit sei ein "Grundprinzip der offenen Gesellschaft".

Foto: Bundesregierung/Steins

Mit seinen Thesen brachte Martin Luther einen Stein ins Rollen, der sich nicht mehr aufhalten ließ und die Welt für immer verändern sollte, würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bedeutung der Reformation. Mit der Reformation habe sich das Verständnis eines zur Freiheit berufenen, mündigen Menschen entwickelt. Auf diesem Verständnis baue jede demokratische Ordnung auf, so Merkel zum Abschluss des Reformationsjubiläums.

Im Stadthaus begrüßten neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischöfin Ilse Junkemann, Ministerpräsident Rainer Haseloff und Kulturstaatsministerin Monika Grütters in- und ausländische Gäste, die Spitzen der weiteren Verfassungsorgane sowie Vertreter der Kirchen und Prominenz aus Kultur und Politik. Begonnen hatte der Nachmittag mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche.

Toleranz ist Grundprinzip der offenen Gesellschaft

Die Kanzlerin war Hauptrednerin beim Festakt in Wittenberg. In ihrer Rede warb sie für Toleranz. Toleranz sei wesentliche Voraussetzung für die gute Entwicklung einer Gesellschaft und deren Zusammenhalt. "Wer die Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben", so Merkel.

Toleranz sei die Grundlage für das friedliche Zusammenleben in Europa. "Wir haben gelernt, dass die Toleranz die Seele Europas ist. Sie ist das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft." Besonders in Zeiten einer globalisierten Welt sei Toleranz eine zentrale Herausforderung, erklärte die Bundeskanzlerin.

Ein lebendiges religiöses Leben möglich machen

Dass in Deutschland Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen einander offen begegnen, sei wesentliche Voraussetzung für den Zusammenhalt der Gesellschaft, so die Kanzlerin. Merkel ging in ihrer Rede auch auf die Religionsfreiheit ein. Religionsfreiheit und Toleranz müssten stets zusammengedacht werden. "Wir wollen ein reiches und lebendiges religiöses Leben aller Gläubigen in Deutschland ermöglichen", so die Kanzlerin.

Dabei habe der Staat den Auftrag, neben anderen grundgesetzlich verbrieften Freiheitsrechten, die Religionsfreiheit zu achten und zu schützen. "Auch wenn Glaubensüberzeugungen eigenen Ansichten widersprechen, ist sicherzustellen, dass niemand Diskriminierungen befürchten muss." Ebenso klar sei aber: "Toleranz endet dort, wo die grundgesetzlich verbürgten Freiheitswerte und Menschenrechte missachtet werden."

Inspirierende Veranstaltungen, kulturelle Beiträge

Rede Kulturstaatsministerin Grütters.

Staatsministerin Grütters: Sie koordinierte das breite Engagement des Bundes.

Foto: Bundesregierung/Steins

Kulturstaatsministerin Monika Grütters dankte in ihrem Grußwort allen, die mit Tatkraft, Ideen, Begeisterung und mit Lutherscher Debattierlust dazu beigetragen haben, sich im Jubiläumsjahr mit prägenden Lernerfahrungen auseinanderzusetzen. Erst so hätten sich demokratische Werte entwickeln können. "Wohl nie zuvor haben sich so viele Menschen mit einem prägenden Ereignis der frühen Neuzeit befasst." Vor ihr hatte Rainer Haseloff als Ministerpräsident des gastgebenden Bundeslandes Sachsen-Anhalt die Gäste des Festakts begrüßt.

Kulturstaatsministerin Grütters war auf Seiten der Bundesregierung federführend bei der Organisation des Reformationsjubiläums. Der Deutsche Bundestag hat das 500. Reformationsjubiläum als "Ereignis von Weltrang" gewürdigt. Wegen dieser gesamtstaatlichen und internationalen Bedeutung beschloss die Bundesregierung, sich zu engagieren und die kirchlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zu ergänzen.

Höhepunkt eines kulturellen Großereignisses

Martin Luther hat vor 500 Jahren seine 95 Thesen an das Portal der Wittenberger Schlosskirche eschlagen – so sagt die Legende. Nun blickten Politik und Kirche am "Ursprungsort" der Reformation zurück auf die vergangenen zwölf "Reformationsjubiläums-Monate". Als Abschluss der Lutherdekade haben Staat und Kirche in enger Zusammenarbeit besonders 2017 die Reformation und deren Auswirkungen auf Geschichte und Kultur weit über Deutschland hinaus in den Fokus gerückt.

In Wittenberg wurde gefeiert: Gottesdienste und Konzerte den Kirchen, ein Renaissancemusikfestival, ein Konfirmandentreffen oder Aktionen für Kinder an den Originalschauplätzen gehörten zum vielseitigen Programm. Die Altstadt bot ein historisches Marktspektakel. Musikanten und Gaukler sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre. Das Bundespresseamt stellte die wichtigsten 13 Stätten der Reformation in einem kurzen Film – vor. Wie schon beim Kirchentag kam dabei der Sehcontainer -ein ehemaliger Seefrachtcontainer – zum Einsatz.

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