„Es braucht einen offenen und respektvollen Dialog“

Kanzlerin Merkel in Rom „Es braucht einen offenen und respektvollen Dialog“

Es sei „wichtig und ermutigend“, dass auch in der katholischen Kirche der Klimawandel mit dem Ziel ‚Bewahrung der Schöpfung‘ ein großes Thema sei, so die Bundeskanzlerin am Mittwoch nach einer Begegnung mit Papst Franziskus im Vatikan. In Rom kam Merkel anschließend auch mit Italiens Ministerpräsident Draghi zusammen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel während des Besuchs in Rom mit Papst Franziskus.

Die Begegnung mit Papst Franziskus sei ihr „eine große Ehre und Freude“ gewesen, sagte die Bundeskanzlerin nach der Privataudienz beim Oberhaupt der katholischen Kirche.

Foto: Vatican Media

Sie freue sich, wieder einmal auf dem Campo Santo Teutonico zu sein, der „symbolisch für die jahrhundertealte Verbundenheit zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl“ sei. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in einem Pressestatement nach ihrer Privataudienz bei Papst Franziskus im Vatikan.

Beim Campo Santo Teutonico, im Vatikan direkt neben dem Petersdom gelegen, handelt es sich um den „deutschen Friedhof“ und die zugehörigen Gebäude in Rom. Obwohl der Friedhof der einzige innerhalb der Mauern der Vatikanstadt ist, gehört er nicht zum vatikanischen, sondern zum italienischen Staatsgebiet. Die Geschichte des „Campo Santo“ reicht bis in die Zeit Kaiser Karls des Großen zurück. Er gilt als das zentrale historische Symbol der Präsenz der Katholiken aus den Nachfolgestaaten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation in Rom.

Kindesmissbrauch: „Wahrheit muss ans Licht kommen“

Die Bundeskanzlerin ging auf ihren zuvor erfolgten Besuch des zukünftigen anthropologischen Institutes an der Päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom ein, das sich mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche beschäftige. „Ich wollte mit meinem Besuch dort unterstreichen, dass wir glauben, dass die Wahrheit sozusagen ans Licht kommen muss und dass das Thema Kindesmissbrauch aufgearbeitet werden muss.“

Dieses Thema habe auch bei ihren Gesprächen mit Papst Franziskus und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Apostolischen Palast eine Rolle gespielt, „denn es bedarf ja auch des Vertrauens der Christen, der Gläubigen in ihre Kirche“, so die Kanzlerin weiter.

Begegnung mit Papst „große Freude“

Mit Blick auf ihre Begegnung mit Papst Franziskus im Rahmen einer Privataudienz sprach die Bundeskanzlerin von einer „großen Ehre und Freude.“ Neben der Situation der Kirche sei es in dem Gespräch mit dem Heiligen Vater auch um aktuelle politische Herausforderungen gegangen.

Merkel häufig zu Gast im Vatikan
Für Bundeskanzlerin Merkel war es bereits die fünfte Privataudienz bei Papst Franziskus. Bereits 2013, 2015 und 2017 (zweimal) wurde sie vom argentinischen Oberhaupt der katholischen Kirche im Vatikan empfangen. Im März 2013 hatte Merkel außerdem an der Messe zur Amtseinführung des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio als Papst teilgenommen. 2006 war sie auch von dessen Amtsvorgänger, dem deutschen Papst Benedikt XVI. empfangen worden.

Klimawandel erfordert „große Anstrengung aller“

Merkel verwies auf die Europäische Union und die jüngste Osteuropa-Reise des Papstes, erwähnte aber auch die demnächst in Glasgow stattfindende UN-Klimakonferenz COP26 und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. „Es ist für mich sehr, sehr wichtig und auch ermutigend, dass auch in der katholischen Kirche das Thema ‚Bewahrung der Schöpfung‘ ein großes Thema ist und vom Heiligen Vater persönlich bearbeitet wird“, betonte Merkel.

Dies sei deshalb so wichtig, „weil die Antwort der Menschheit auf den Klimawandel eine radikale Veränderung unseres Lebensstils in allen Bereichen bedeutet.“ Es bedürfe einer „großen Überzeugungsarbeit und einer großen Anstrengung, die in alle Bereiche des Lebens hineingeht.“

Austausch mit Ministerpräsident Draghi

In der italienischen Hauptstadt traf die Bundeskanzlerin auch mit Italiens Ministerpräsident Mario Draghi zusammen. Merkel würdigte in einer Pressekonferenz nach der Unterredung das in den wenigen Monaten der Zusammenarbeit beider Regierungschefs entstandene enge Kooperationsverhältnis.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Mario Draghi, Italiens Ministerpräsident.

Blick über die Dächer der „Ewigen Stadt“: Bundeskanzlerin Merkel und der italienische Regierungschef Draghi während ihres Treffens in Rom.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Themen der Begegnung, die im Rahmen eines gemeinsamen Arbeitsessens stattfand, waren die Rolle beider Länder in der EU, die europäische Sicherheitspolitik – besonders mit Blick auf Libyen – und der weltweite Klimaschutz. Die Kanzlerin sagte, sie wünsche sich auch für die Zukunft ein Europa, "das möglichst viele starke Repräsentanten seiner jeweiligen Mitgliedstaaten hat, und das gilt für Italien auf jeden Fall.“

„Nur wer Frieden sucht, kann auch Frieden finden“

Schließlich nahm die Bundeskanzlerin auch an der Abschlussveranstaltung des Friedenstreffens der Gemeinschaft Sant`Egidio in Rom teil. Bei der Veranstaltung, die unmittelbar neben dem römischen Kolosseum stattfand, sprach neben Papst Fransziskus sowie dem Gründer von Sant`Egidio, Andrea Riccardi, auch die Kanzlerin zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 

Die Friedensbotschaft von Sant`Egidio beeindrucke sie, unterstrich Merkel in ihrer Rede. „Eine Botschaft, die den Mitmenschen zugewandt ist und so den Blick dafür schärft, was uns miteinander verbindet“, so die Kanzlerin. Allzuviele Konflikte, Krisen und Kriege „lassen uns mitunter an der Fähigkeit des Menschen zur Menschlichkeit zweifeln“, ergänzte sie. Doch verzweifeln oder resignieren seien keine Lösung. „Denn nur wer Frieden sucht, kann auch Frieden finden, so langwierig und schwierig die Suche auch ist“.