Neue Strategie

Lebensmittelabfälle halbieren

Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. Das soll sich ändern: Bis 2030 soll die Menge der Lebensmittelabfälle halbiert werden. Eine entsprechende Strategie hat das Bundeskabinett beschlossen.

Dass weniger Lebensmittel im Müll landen - das ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrem aktuellen Video-Podcast, dass alle mitmachen müssten: Verbraucher, Landwirtschaft, Handel, Lebensmittelindustrie und Gastronomie.

Mit der "Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung", die das Bundeskabinett jetzt beschlossen hat, sollen die Lebensmittelabfälle pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene um die Hälfte gesenkt werden. Auch die Nahrungsmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferkette sollen sich verringern.

Die gesamte Lebensmittelversorgungskette im Blick

Von der Primärproduktion über die Verarbeitung, den Groß- und Einzelhandel, bis hin zu Außer-Haus-Verpflegung und dem privaten Kühlschrank: Entlang der Versorgungskette mit Lebensmitteln soll eine Prozessoptimierung erreicht werden - auch durch Einsatz von Forschung und Digitalisierung. Ein Stichwort dabei sind "intelligente Verpackungen" - bei diesen erkennt man anhand von Farbänderungen, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist.

Die jetzt beschlossene Strategie stellt zunächst den Status quo des Abfallaufkommens fest. Zugleich werden in Dialogforen pro Sektor der Lebensmittelversorgungskette gemeinsam mit Lebensmittelunternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Vertretern aus Politik und Wissenschaft konkrete Maßnahmen erarbeitet.

Ein Bund-Länder-Gremium fungiert im Umsetzungsprozess als ressort- und länderübergreifendes Steuerungsinstrument.

Mehr Wertschätzung für Lebensmittel

Zugleich geht es um ein gesellschaftliches Umdenken hin zu mehr Wertschätzung für Lebensmittel und gegenüber denen, die sie herstellen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereits für das Thema sensibilisiert, doch das reicht nicht aus. Deshalb soll die bereits seit 2012 etablierte Initiative "Zu gut für die Tonne!" ausgebaut werden und künftig alle Sektoren der Lebensmittelversorgungskette einbeziehen. Auch die sozialen Medien werden künftig eine größere Rolle spielen. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Ernährungsbildung.

Erste Umsetzungsaktionen starten

Bereits am Mittwoch, 20. Februar, findet die Auftaktveranstaltung zu den Dialogforen statt: Beim WWF-Dialogforum mit Bundesernährungsministerin Julia Klöckner geht es um die "Vermeidung von Lebensmittelabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung".

Am Freitag wird die Ministerin gemeinsam mit dem Lebensmittel-Discounter Penny die deutschlandweite Kampagne "Riechen. Probieren. Genießen. - Kostbares retten" starten. Noch werfen viele Verbraucher Lebensmittel weg, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht wird oder bereits überschritten ist, die aber noch bedenkenlos verzehrt werden können. So landen pro Kopf pro Jahr 55 Kilogramm Lebensmittel im Müll, ein Drittel davon Obst und Gemüse. Mit der Kampagne soll hier ein Umdenken angeregt werden.

Was die Bundesregierung bisher tut

Seit 2012 gibt es die Initiative "Zu gut für die Tonne!" des Bundeslandwirtschaftsministeriums für mehr Lebensmittelwertschätzung. Verbraucher werden über den Wert von Lebensmitteln informiert, die Ursachen der Verschwendung und Möglichkeiten, diese zu reduzieren. So gibt es ganz praktische Tipps, wie etwa Rezepte für Speisereste oder einen Partyplaner. Schon jetzt werden jedes Jahr die kreativsten Ideen mit dem Bundespreis "Zu gut für die Tonne" geehrt, das nächste Mal am 3. April.

Auf der Plattform www.lebensmittelwertschaetzen.de veröffentlichen die Bundesregierung und die Länder Initiativen gegen Verschwendung und rufen weitere Akteure auf, ihre Projekte zu präsentieren. Hier finden sich bereits mehr als 100 Initiativen, wie etwa die "BrotRetter" oder die Internetplattform "Deine Ernte" zur Weitergabe von nicht genutztem Obst und Gemüse.

Die Bundesregierung stellt derzeit rund 16 Millionen Euro für Forschungsprogramme zur Verfügung. Es geht etwa um Fragen der Ressourceneffizienz, von Lebensmittelverarbeitungsprozessen oder zum Wegwerfverhalten der Konsumenten. Immer wichtiger werden auch digitale Lösungen, zum Beispiel um die Weitergabe von Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen zu verbessern.

Was kann jeder einzelne tun?

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten darauf achten, Lebensmittel, egal ob aus dem eigenen Garten oder aus dem Supermarkt, vollständig zu verbrauchen. Ein jeder sollte daher vor dem Einkauf gut überlegen, was wirklich gebraucht wird. Auch die richtige Aufbewahrung und Lagerung von Lebensmitteln kann helfen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Die Seite "Zu gut für die Tonne" gibt hier viele hilfreiche Tipps.

Mit Lebensmittelresten sollte bewusster umgegangen werden. Sei es zuhause, wo aus den Resten vom Vortag noch neue leckere Speisen zubereitet werden können oder im Restaurant, wo es immer gängigere Praxis wird, Tellerreste verpackt mit nach Hause zu nehmen.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Lebensmittel zu spenden. Viele Vereine und Organisationen wie beispielsweise die Tafeln, foodsharing, die Welthungerhilfe, Brot für die Welt und andere versorgen über Spendensysteme und Internetplattformen Menschen mit Nahrungsmitteln, die sonst weggeworfen würden.