Kulturelle Vielfalt auf Buchmarkt bedroht

Studie zur Situation der Verlage Kulturelle Vielfalt auf Buchmarkt bedroht

Wie steht es um die verlegerische Vielfalt auf dem deutschen Buchmarkt? Und wie könnte sie langfristig gesichert werden? Diesen Fragen geht eine Studie nach, die Kulturstaatsministerin Grütters zum Welttag des Buches veröffentlicht hat.

Knapp 80.000 neue Buchtitel erscheinen jedes Jahr in deutschen Verlagen

Knapp 80.000 Neuerscheinungen kommen jedes Jahr in deutschen Verlagen heraus.

Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Die Studie liefert erstmals eine umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme der deutschen Verlags- und Buchbranche. Kulturstaatsministerin Grütters hatte sie beim Forschungsinstitut DIW Econ in Auftrag gegeben. 

Die gesamte Buch- und Verlagsbranche befindet sich der Studie zufolge in einem fundamentalen Strukturwandel. Denn nicht nur das Leseverhalten der Deutschen hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Auch der immer stärkere Wettbewerb mit neuen digitalen Angeboten, wie etwa Streaming-Diensten, setzt die Verlage zunehmend unter Druck. 

„Die Zahlen zeigen deutlich, dass die kulturelle Vielfalt des Buchmarktes langfristig ernsthaft bedroht ist“, erklärte Kulturstaatsministerin Grütters mit Blick auf die Studienergebnisse. Die Verlage könnten sich künftig weit mehr den auflagenstarken Neuerscheinungen zuwenden, literarische Nischen könnten dabei auf der Strecke bleiben.

Insbesondere kleine und unabhängige Verlage sind in Gefahr

Zwischen 2010 und 2018 mussten laut der Studie im Jahr durchschnittlich 1,5 Prozent der umsatzsteuerpflichtigen Verlage in Deutschland ihr Geschäft aufgeben. Bei den kleinen Verlagen mit einem Jahresumsatz von weniger als 100.000 Euro lag der Rückgang im selben Zeitraum sogar bei insgesamt 22 Prozent. 

Bereits jetzt zeichnet sich eine deutliche Abnahme an Neu- und Erstauflagen ab: Wurden 2009 noch 93.124 Neuerscheinungen publiziert, waren es zehn Jahre später nur noch 78.746. Auch die Erstauflagen sind im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zurückgegangen. 

Zudem sei der Buchmarkt hierzulande durch eine hohe Konzentration bei den Umsätzen gekennzeichnet: Die 40 größten Verlage erwirtschafteten knapp 80 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Buchmarkt. Die große Mehrheit der kleineren Verlage (87 Prozent der Unternehmen) erwirtschafte lediglich sechs Prozent, so die Studie. 

Impulse für eine nachhaltige Verlagsförderung

Die Studie zeigt Möglichkeiten auf, wie die Vielfalt auf dem deutschen Buchmarkt langfristig gesichert werden könne. Das Forschungsteam schlägt unter anderem eine strukturelle Verlagsförderung und Produktionskostenzuschüsse vor. So könnte die Produktion von etwa zwei zusätzlichen Buchtiteln pro Verlag im Jahr finanziert werden.

Damit die verlegerische Vielfalt auch in Zukunft erhalten bleibe, seien kluge Strategien notwendig. Die Studie liefere dafür wichtige Impulse, sagte Grütters. 

Zum Download
Verlagsstudie PDF, 2 MB, barrierefrei

Zur Stärkung der literarischen Vielfalt in Deutschland hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien 2015 den Deutschen Buchhandlungspreis und 2019 den Deutschen Verlagspreis initiiert. Beide Preise sind mit einer Prämie verbunden und zeichnen jährlich die schönsten Buchhandlungen und unabhängigen Verlage aus. Darüber hinaus unterstützt der Bund die Buch- und Verlagsbranche mit mehreren Förderprogrammen im Rahmen des Rettungs- und Zukunftspakets NEUSTART KULTUR.