Gesundheitsrisiken beim Einkauf

Kleidung ohne Gift und Chemie

Das neue T-Shirt kratzt am Körper. Die frisch erworbene Hose riecht nach Chemikalien. Nach Tragen des neuen Gürtels juckt es plötzlich auf der Haut. - Verbraucher können sich vor ungewollten Chemikalien in Kleidungsstücken schützen. Dazu gilt es einige Tipps und Hinweise zu beachten.

Junge Frau in einem Supermarkt mit Kleidung

Augen auf beim Kleiderkauf: Das Etikett kann Hinweise geben auf mögliche Unverträglichkeiten.

Foto: ullstein bild - Sylent Press

Die frisch erworbenen Kleidungsstücke können eigenartig riechen oder fühlen sich ungewohnt an. Wer so etwas vermeiden will, sollte das Etikett gründlich lesen. Dort steht, aus welchen Fasern die Kleidung besteht und es gibt Auskunft über Teile, die Allergien auslösen können. Beispielsweise Wolle oder Rohseide.

Das Etikett verrät jedoch nicht, welche Chemikalien benutzt wurden, um die Kleidungsstücke zu färben, bleichen, imprägnieren oder zu bedrucken.

Hinweise wie "bügelfrei" beachten

Bestimmte Eigenschaften von Kleidungsstücken deuten auf einen hohen Einsatz von Chemikalien hin. Die Angaben "bügelfrei" oder "knitterfrei" sind ein Hinweis darauf. Ähnliches gilt dafür, wenn ein Kleidungsstück als schmutzabweisend, wasserfest und leicht waschbar gekennzeichnet ist.

Kunden mit einer Allergie auf Farbstoffe sollten die Hinweise "separat waschen" oder "Farbe blutet aus" ernstnehmen. Diese können auf ein höheres Allergierisiko hindeuten. Bei solchen Textilien ist der Farbstoff lockerer mit dem Stoff verbunden und kann durch Reibung und Schwitzen schneller auf die Haut gelangen.  

Hersteller und Importeure von Kleidung müssen sicherstellen, dass nur sichere Produkte auf den Markt kommen. Die meisten Hilfsstoffe, die während der Herstellung von Textilien eingesetzt werden, sind im fertigen Produkt nicht mehr enthalten. Manche Stoffe bleiben jedoch in der Kleidung und können sich später herauslösen und auf die Haut gelangen. Dazu gehören etwa Textilfarbstoffe oder Veredlungsharze. Sie können, wie auch Elasthan und Gummistoffe, Unverträglichkeiten und Allergien auslösen. Nickel, zum Beispiel in Verschlüssen und Knöpfen, ist einer der häufigsten Auslöser für eine Kontaktallergie.

Vorm ersten Tragen waschen

Allergische Reaktionen lassen sich leicht vermeiden: Es empfiehlt sich, ein neues Kleidungsstück vorm ersten Tragen mit der höchstzulässigen Wassertemperatur zu waschen.

Ein separater Klarspül-Waschgang kann Rückstände von Waschmitteln, die auch zu Unverträglichkeiten führen können, vermindern. Keimfrei werden Textilien durch Bügeln.

Label helfen beim Kauf

Label, Siegel, Gütezeichen geben Verbrauchern die Sicherheit, Kleidung zu kaufen, die ohne Einsatz von Chemikalien und Umweltgefährdungen hergestellt wurde. Allerdings: Ein einheitliches gesetzlich geschütztes Zertifikat für Ökokleidung gibt es nicht – vielmehr eine ganz Reihe von Siegeln.

Unterstützt vom Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Verbraucherinitiative die Internetplattform www.label-online.de eingerichtet. Sie gibt einen Überblick über die verschiedenen Label. Anhand von Bewertungen und Hintergrundinformationen lässt sich schnell erfassen, welches Zeichen was bedeutet und welche Qualität dahinter steckt. Für unterwegs gibt es auch eine entsprechende App.

Schutz durch europäische Verordnung

Schutz vor schädlichen Stoffen gewährleistet die europäische REACH-Verordnung. Sie regelt die Verwendung von bestimmten Stoffen zur Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien. Beispielsweise sind Azofarbstoffen, die krebserzeugende Amine abspalten, in Textilien oder Lederprodukten mit Hautkontakt verboten. Ebenso finden sich darin Regelungen zu Kontaktallergenen wie Nickel oder Chrom.

Auf dem Portal www.reach-info.de können Interessierte ihre Anfrage zu bestimmten Produkten stellen. Die Hersteller müssen dann Auskunft über besonders besorgniserregende Chemikalien in den Produkten geben.

Schnellwarnsystem für Verbraucherprodukte

RAPEX ist ein europäisches Schnellwarnsystem für gefährliche Verbraucherprodukte, darunter auch Textilien. Durch dieses Schnellwarnsystem werden Informationen über mögliche Gefährdungen und getroffene Maßnahmen rasch an die Behörden der Mitgliedstaaten sowie die Europäische Kommission weitergeleitet.

Wöchentlich fasst die Europäische Kommission die Meldungen zusammen und stellt sie online. Auf der Seite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind die aktuellen Meldungen einsehbar.

Risikobewertung von Textilien und Leder

Am Bundesinstitut für Risikobewertung beschäftigt sich ein Ausschuss mit den gesundheitlichen Risiken von Textilien und Leder. Unter dem Stichwort "Textilien" werden unter anderem Materialien wie Goretex, Mittel zum Imprägnieren, Farbmittel und vieles mehr untersucht.

Im Fokus stehen dabei auch spezielle Produktuntersuchungen. So etwa zu Schadstoffen in Lederprodukten oder zu allergischen Reaktionen auf Farbmittel.

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