Karrieren werden besser planbar

Bericht Wissenschaftlicher Nachwuchs Karrieren werden besser planbar

Das deutsche Wissenschafts- und Hochschulsystem ist für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus dem In- und Ausland hoch attraktiv: Immer mehr junge Wissenschaftler arbeiten und lernen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das zeigt der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017.

Immer mehr junge Wissenschaftler aus dem In- und Ausland arbeiten und lernen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen: Über 190.000 Nachwuchswissenschaftler waren 2014 hauptberuflich beschäftigt – 60 Prozent mehr als im Jahr 2000. Das geht aus dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs hervor.

Doch auch im Wissenschafts- und Hochschulsystem gibt es noch Aufgaben, die zu lösen sind. Die Bundesregierung hat ihre Stellungnahme zum Bericht beschlossen.

Wissenschaftszeitvertragsgesetz novelliert

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass befristete Beschäftigungsverhältnisse für junge Akademiker in Qualifikationsphasen grundsätzlich sinnvoll und notwendig sind. Jedoch gab es Fehlentwicklungen, vor allem durch zu viele unsachgemäße Kurzbefristungen.

Deshalb hat die Bundesregierung im März 2016 das Wissenschaftszeitvertragsgesetz novelliert.

Befristung muss zum Qualifizierungsziel passen

Danach sollen unsachgemäße Kurzbefristungen für Wissenschaftler verhindert werden. Die Befristung soll der angestrebten Qualifizierung angemessen sein – zum Beispiel einer Promotion.

Bei Drittmittelprojekten soll die Befristung dem bewilligten Projektzeitraum entsprechen. Wissenschaftliche Mitarbeiter mit Daueraufgaben – wie Labor- oder Technikmitarbeiter – dürfen nicht mehr ohne sachlichen Grund befristet beschäftigt werden.

Die Bundesregierung appelliert in ihrer Stellungnahme an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen, die Befristungsmöglichkeiten nach dem Gesetz verantwortungsvoll zu nutzen. Universitäten sollen ihre Beschäftigten über Möglichkeiten der Personalentwicklung informieren.

Für mehr Familienfreundlichkeit an der Uni

Die meisten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wünschen sich Kinder. Zwar profitieren sie von vergleichsweise flexiblen Arbeitszeiten. Aber viele schieben Kinderwünsche wegen finanzieller Unsicherheit auf. Dazu kommen hohe Anforderungen an Arbeitszeiten und Mobilität. Oft fehlen Informationen über Kinderbetreuungsangebote an den Hochschulen.

Zu mehr Familienfreundlichkeit und Chancengleichheit tragen das Professorinnenprogramm und der Pakt für Forschung und Innovation bei. So stieg der Anteil der Professorinnen zwischen 2005 und 2014 von 14 auf 22 Prozent.

Nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz können befristete Verträge für junge Eltern verlängert werden, damit sie ihre wissenschaftliche Arbeit und familiären Verpflichtungen vereinbaren können. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass es zum Beispiel noch zu wenige Kinderbetreuungsmöglichkeiten an den Hochschulen gibt.

Klare Perspektive auf dem Weg zur Professur

Viele Akademiker mit Promotion haben nur befristete Verträge. Durchschnittlich erhalten promovierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen erst mit Anfang 40 eine unbefristete Professur.

Um wissenschaftliche Karrieren besser planbar zu machen, sollen die Länder dauerhaft 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren schaffen. Der Bund stellt dafür bis 2032 eine Milliarde Euro bereit. Tenure-Track-Professorinnen und -Professoren erhalten nach erfolgreicher sechsjähriger Bewährung unmittelbar eine Lebenszeitprofessur. Für junge Eltern kann die Bewährungsphase verlängert werden. Damit bekommen sie früher eine klare Perspektive für den dauerhaften Verbleib im Wissenschaftssystem.

Internationaler Wissenschaftsaustausch

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind für ausländische Nachwuchswissenschaftler attraktiv, stellt der Bericht fest. Zwischen 2006 und 2014 sind drei Prozent mehr nach Deutschland gekommen. Ihr Anteil macht jetzt 15 Prozent aus.

Die Bundesregierung fördert den Austausch und die Mobilität in- und ausländischer Nachwuchswissenschaftler: Über die 13 Begabtenförderwerke, den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung werden Auslandsaufenthalte Promovierender und Promovierter finanziert. Ebenfalls finanziert werden Einladungen an ausländische Wissenschaftler.

Im Februar 2017 hat die Bundesregierung ihre Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung beschlossen. Ziel ist es, die Position Deutschlands als international attraktiven Studien- und Forschungsstandort weiter zu festigen.

Mehr Daten zur Wissenschaftskarriere erforderlich

Umfangreiche Daten sind wichtig, um die Qualität der wissenschaftlichen Ausbildung an den Hochschulen weiter zu verbessern. So werden seit dem Jahr 2000 überproportional mehr Nachwuchswissenschaftler an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen beschäftigt. Ihr Anteil am Wissenschaftspersonal ist um 60 Prozent gestiegen – bei den befristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeitern unter 45 Jahren sogar um 76 Prozent.

Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass es zu wenige Daten über die Karrierewege junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gibt. Daher hat die Bundesregierung 2016 das Hochschulstatistikgesetz novelliert. Erstmals werden Statistiken zu den Promovierenden sowie zum Karriereverlauf von Studierenden und Promovierenden eingeführt.

Aus den bisherigen Erhebungen geht hervor, dass in Deutschland sehr viele Akademiker promovieren: im Wintersemester 2014/2015 über 196.000. Mehr als 28.000 schlossen 2014 ihre Promotion ab. Sehr viele Promovierende und Promovierte haben befristete Verträge. Allerdings wurden seit 2011 keine belastbaren Erhebungen mehr zu den Vertragslaufzeiten durchgeführt.

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017
Ein unabhängiges wissenschaftliches Konsortium unter der Leitung des Instituts für Innovation und Technik (iit) Berlin hat den Bericht erstellt. Die Bundesregierung ist vom Bundestag beauftragt worden, regelmäßig einmal pro Legislaturperiode, über die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses zu berichten. Der 300 Seiten starke Bericht liefert fundierte Daten und Forschungsbefunde: zur Promotions- und Post-doc-Phase, zu Karrierewegen, Beschäftigungsbedingungen und beruflichen Perspektiven.