Deutschland und Südkorea: Strategische Partner, die viel verbindet

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Südkoreas Präsident Lee
Deutschland und Südkorea: Strategische Partner, die viel verbindet

Auf der dritten und letzten Etappe seiner Asienreise ist Bundeskanzler Friedrich Merz in Seoul eingetroffen. Beim Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae-myung wurde vereinbart, die bilateralen Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft weiterzuentwickeln.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 29. Oktober 2026
Bundeskanzler Merz und Südkoreas Präsident Lee Jae-myung bei einer Pressekonferenz hinter Rednerpulten.

Kanzler Merz sprach an Südkorea die Einladung aus, im kommenden Jahr Partnerland des deutschen Digitalgipfels zu sein.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

In einer Zeit globaler Umbrüche und geopolitischer Spannungen brauchen wehrhafte Demokratien mehr denn je ein starkes Netz verlässlicher Partner. „Wir heben deshalb heute unsere Beziehungen auf die Ebene einer vertieften strategischen Partnerschaft“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in der Pressekonferenz nach seinem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung in Seoul. Beide Länder verbinde nicht nur enorme Innovationskraft und Weltoffenheit, sondern auch die historische Erfahrung der schmerzhaften Landesteilung, so Merz.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sicherheitskooperation und Ukraine-Hilfe: Kanzler Merz untermauerte, dass die Sicherheit Asiens und Europas untrennbar miteinander verwoben sei – insbesondere angesichts des Einsatzes nordkoreanischer Soldaten in der Ukraine und russischer Waffenlieferungen an Pjöngjang. Deutschland und Südkorea stünden fest an der Seite der Ukraine. Der Bundeskanzler betonte: Wir arbeiten „für ein dauerhaftes, für ein gerechtes Europa und eine globale Ordnung mit einem dauerhaften Ende dieses Krieges“.
  • Wirtschaftliche Meilensteine und Freihandel: Der Kanzler würdigte das seit 15 Jahren bestehende EU-Südkorea-Freihandelsabkommen als echtes Erfolgsmodell, durch das sich der Warenhandel seit 2011 auf zuletzt rund 130 Milliarden Euro verdoppelt habe. Deutschland nutze diese Erfahrung, um den Abschluss und die geplante Verzahnung weiterer Abkommen im Indo-Pazifik voranzutreiben.
  • High-Tech Framework und KI-Allianz: Das neu beschlossene Korean-German High-Tech Framework Agreement solle ein solides Fundament für technologische Innovationskraft legen. Neben der Vernetzung der jeweiligen KI-Sicherheitsinstitute und dem Aufbau einer Start-up-Brücke lud der Bundeskanzler Merz Südkorea ein, im kommenden Jahr Partnerland des deutschen Digitalgipfels zu sein.

So geht der Besuch in Südkorea weiter: Am Freitag wird der Bundeskanzler die 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft feierlich eröffnen. Zuvor wird er in Seoul mit der südkoreanischen Ministerpräsidentin Han Seong-sook zusammentreffen. Vor seiner Abreise wird Merz außerdem die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea besichtigen.

Lesen Sie hier das gesamte Pressestatement:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Präsident Lee Jae-myung: 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz, sehr geehrte Mitglieder der Delegation, gemeinsam mit den Menschen in Korea heiße ich Sie herzlich willkommen. Deutschland ist Koreas größter Handelspartner in Europa und ein zentraler Partner, mit dem wir Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit teilen. Auf dieser Grundlage von Vertrauen haben Bundeskanzler Merz und ich eine vertiefte strategische Partnerschaft vereinbart. Die heutige gemeinsame Erklärung zeigt unseren festen Willen, die Zusammenarbeit in Politik, Sicherheit, Wirtschaft, Kultur und Austausch zu vertiefen und strategisch abzustimmen.

Ich komme nun zu den konkreten Ergebnissen des heutigen Gipfels.

Erstens: Wir stärken die strategische Zusammenarbeit in Wirtschaft und Industrie und erweitern Sie auf Spitzenindustrien und Zukunftsfelder. Der vereinbarte Rahmen für die Wirtschafts- und Higtechpartnerschaft weitet unsere Zusammenarbeit von Handel und Investitionen auf Industrie und Spitzentechnologie aus. Wir treiben gemeinsame Forschung, Industrieprojekte und Standards voran und stärken die Zusammenarbeit hinsichtlich kritischer Rohstoffe und Energiesicherheit gegen Lieferkettenrisiken. Wir bauen die Zusammenarbeit bezüglich Autos, Batterien und Halbleiter aus und stärken Forschung und Innovation in KI, Quanten-, Biotechnologie und Raumfahrt. Mit Blick auf den Industrial Accelerator Act der EU habe ich um Unterstützung gebeten, damit Korea wie die EU-Mitgliedstaaten behandelt wird. Mit der erneuerten Absichtserklärung zur Energiepartnerschaft weiten wir den Austausch hinsichtlich erneuerbarer Energien und Stromnetze aus und arbeiten bei den Themen der Energiewende und der sauberen Energieversorgung konkret zusammen. Das unterzeichnete Änderungsprotokoll zum Doppelbesteuerungsabkommen wird ein transparentes und faires Umfeld für unsere Unternehmen schaffen.

Heute beginnt in Seoul die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft. Ich hoffe, dass der Besuch deutscher Unternehmen Austausch und Investitionen belebt und neue Chancen schafft.

Zweitens: Wir vertiefen die Zusammenarbeit auf den Feldern von Verteidigung und Sicherheit und bauen eine für beide Seiten vorteilhafte Rüstungskooperation auf. Wir stärken den Austausch der Verteidigungsbehörden und Arbeiten auf ein Geheimschutzabkommen für militärische Verschlusssachen hin.

Koreanische Rüstungsunternehmen haben großes Interesse an langfristigen Partnerschaften mit Deutschland, etwa an Joint Ventures und gemeinsamen Entwicklungen. Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und die drittgrößte der Welt. Auf Basis unserer Technologien und Kapazitäten loten wir Chancen für gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit aktiv aus.

Drittens: Wir weiten den Austausch zwischen unseren Menschen aus. Dieses Jahr jährt sich die Entsendung koreanischer Krankenschwestern nach Deutschland zum 60. Mal. Der Einsatz unserer Bergleute und Krankenschwestern wurde zum Fundament der wirtschaftlichen Entwicklungen und der Freundschaft zwischen unseren Ländern. Wir wollen die Zusammenarbeit in Bildung und Kultur ausbauen und die Freundschaft der jungen Generationen stärken. Ich habe den Bundeskanzler darum gebeten, die Bearbeitung von Visa und Aufenthaltstitel zu beschleunigen.

Viertens: Angesichts wachsender Unsicherheit stärken wir die strategische Abstimmung zu wichtigen Fragen. Wir teilen die Sicht, dass die Sicherheit Nordostasiens und die Sicherheit Europas eng miteinander verbunden sind, und arbeiten für Frieden und Stabilität in beiden Regionen. Herr Bundeskanzler Merz hat aus eigener Teilungserfahrung tiefes Verständnis für Koreas Bemühungen um Dialog und eine Friedensordnung auf der Halbinsel bekundet. Wir arbeiten dafür weiterhin eng zusammen.

Wir haben uns auch über die Ukraine, den Nahen Osten, die freie Handelsordnung und die Klimakrise ausgetauscht und wollen gemeinsam für Frieden, Stabilität und Lösungen sorgen.

Dieses Gipfeltreffen ist ein wichtiger Meilenstein für eine neue Zukunft unserer Beziehungen. Ich werde mit Bundeskanzler Merz eng zusammenarbeiten, damit die Vereinbarungen umgesetzt werden und die Menschen Ergebnisse spüren.

Noch einmal, sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz und liebe Delegation, herzliche willkommen in Korea!

Vielen Dank.

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Lee Jae Myung, zunächst noch einmal herzlichen Dank für die Einladung nach Korea!

Ich bedanke mich auch für die sehr herzliche Gastfreundschaft und das gute Gespräch, das wir soeben führen konnten, denn Deutschland und Korea verbindet sehr viel miteinander. Wir sind wehrhafte Demokratien. Wir sind Demokratien, die sich ihren Wohlstand in den letzten Jahrzehnten hart erarbeitet haben. Wir haben das durch technologischen Erfindergeist getan, wir haben das durch Weltoffenheit, durch fairen und freien Wettbewerb getan. Insofern sind wir Partner und bleiben wir Partner, die überzeugt sind, dass nur eine regelbasierte internationale Ordnung dies auch weiter ermöglicht.

Sie haben es angesprochen: Uns verbindet die bittere Erfahrung der Teilung unseres Landes. Ich werde darauf noch einmal zurückkommen.

In einer Zeit der globalen Umbrüche ist es aber nur folgerichtig, dass wir jetzt unsere Partnerschaft vertiefen, denn wir brauchen mehr denn je ein starkes Netz von Partnern, die wichtige Interessen und gemeinsame Werte miteinander teilen. Das gilt sicherheitspolitisch, das gilt wirtschaftlich, und das gilt geopolitisch.

Wir heben deshalb heute unsere Beziehungen auf die Ebene einer vertieften strategischen Partnerschaft; denn uns verbindet die unmittelbare Erfahrung, was es heißt, geopolitische Spannungen und eben Teilung zu erleben. Wir wissen, wie schmerzhaft es ist, in einem geteilten Land zu leben. Ich werde auch genau deshalb morgen die demilitarisierte Zone besuchen und mit Ihnen weiter über die Lage auf der koreanischen Halbinsel sprechen.

Denn es ist so: Koreas Sicherheit berührt Europas Sicherheit, und Europas Sicherheit berührt auch die Sicherheit von Korea. Das ist mit Händen zu fassen, wenn etwa nordkoreanische Soldaten im Donbass gegen die Ukraine kämpfen und damit die Freiheit in ganz Europa bedrohen. Es wirkt sich aus, wenn im Gegenzug Moskau an Pjöngjang Waffen liefert. Die Welt ist eben klein geworden, auch im Krieg. Wir arbeiten aber für ein dauerhaftes, für ein gerechtes Europa und eine globale Ordnung mit einem dauerhaften Ende dieses Krieges. Ich danke Ihnen, dass wir hierbei weiter auf Ihre Unterstützung zählen können, denn wir wissen: Der Ausgang des Krieges wird prägend sein für die gesamte Sicherheitsarchitektur in Europa wie auch hier in Asien.

Unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit war der zweite Schwerpunkt unseres Gesprächs. Ich werde morgen die von Ihnen schon erwähnte Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft eröffnen, und deswegen begleitet mich auf meiner Reise auch eine große Wirtschaftsdelegation. Diese Delegation illustriert die Tiefe und die Bandbreite unserer Beziehungen. Südkorea, und das vergessen manche vielleicht, ist das erste Land, mit dem die Europäische Union vor 15 Jahren ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. Dieses Abkommen hat sich wie kein zweites über diese lange Zeit als ein echtes Erfolgsmodell erwiesen. Es galt von Anfang an als eines der ambitioniertesten Abkommen, das die EU je verhandelt hat. Ich nenne Ihnen dazu auch eine Zahl, die eindrucksvoll ist: Rund 99 Prozent der Zölle sind mittlerweile abgebaut. Der bilaterale Warenaustausch hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt, zuletzt auf rund 130 Milliarden Euro. Das sei auch allen Kritikern gesagt, die heute Freihandelsabkommen infrage stellen.

Gott sei Dank ist es anders: Dieses Modell hat Schule gemacht. Wir können heute den Abschluss von weiteren Freihandelsabkommen weltweit voranbringen, insbesondere auch mit Partnern im indopazifischen Raum. Gelingt es uns zusätzlich, diese Partnerschaften miteinander zu verbinden, so schaffen wir noch mehr Potenzial.

Entscheidend ist aber nicht nur das Volumen unseres Austausches, sondern ist die Innovationskraft der Sektoren, in denen wir eng zusammenarbeiten. Wir werden hierfür einen neuen Rahmen schaffen. Wir nennen ihn „Korean-German Hightech Framework Agreement“. Das ist eine neue Grundlage für die Zusammenarbeit hinsichtlich modernster Technologien. Das ist nämlich das Dritte, das unsere Länder miteinander verbindet: seit jeher eine große Innovationskraft. Das ist in den letzten Monaten nirgendwo so deutlich geworden wie im Bereich der künstlichen Intelligenz. Korea investiert sehr gezielt in eigene KI-Modelle und Rechenzentren und ist in die Riege der weltweit führenden KI-Nationen aufgestiegen. Ich freue mich daher besonders, dass wir gerade in diesem Rahmen eine ganze Reihe von Vereinbarungen treffen konnten.

Herr Präsident, ich danke Ihnen sehr herzlich, dass ich Sie nicht nur einladen durfte, im nächsten Jahr Partnerland unseres deutschen Digitalgipfels zu sein, Sie haben die Einladung auch angenommen. Darüber freue ich mich sehr, denn wir werden auch die Zusammenarbeit unserer KI-Sicherheitsinstitute auf den Weg bringen und dies gemeinsam auch erledigen.

Wir bauen eine Start-up-Brücke zwischen deutschen und koreanischen Unternehmen und Instituten, und gemeinsam gehen wir den Weg von der Grundlagenforschung zur Geschäftsidee bis hin zum marktfähigen Produkt. All dies macht unsere Partnerschaft aus. Sie schaut in die Zukunft, sie ist pragmatisch, und sie ist vor allem innovativ.

Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit Ihnen fortzusetzen. Ich freue mich, wenn Sie kommendes Jahr in Berlin sein werden und ich Sie dort zur Fortsetzung dieses intensiven Dialogs begrüßen darf.