Enge Partnerschaft in Zeit des Umbruchs

  • Bundesregierung | Startseite
  • Bundeskanzler

  • Schwerpunkte 

  • Bundesregierung

  • Aktuelles

  • Mediathek 

  • Service   

Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Singapurs Premier Wong
Enge Partnerschaft in Zeit des Umbruchs

Zu Beginn seiner Asienreise ist Kanzler Merz mit Singapurs Premier Wong zusammengetroffen. Beide Regierungschefs vereinbarten einen Arbeitsplan zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit, Digitalisierung und Energie.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 27. Oktober 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz und Lawrence Wong, Premierminister von Singapur, im Gespräch.

Bundeskanzler Friedrich Merz traf den Premierminister Singapurs, Lawrence Wong, zum Gespräch.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

An kaum einem Ort seien die tiefgreifenden geopolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen unserer Zeit so spürbar wie in Singapur. Das betonte Kanzler Merz am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Singapurs Premierminister Lawrence Wong in Singapur. In einer von Unsicherheit und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt müssten Europäer und die Länder des Indopazifiks gemeinsam ihren Wohlstand sichern sowie ihre Wettbewerbsfähigkeit wahren. 

Die neue Welt eröffne die Chance, die Partnerschaft mit dem Schlüsselpartner Singapur in der Wachstumsregion Südostasien mit langem Atem auszubauen. „Vor allem sind wir fest entschlossen, unsere strategische Partnerschaft auszubauen“, betonte Bundeskanzler Merz.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Strategischer Arbeitsplan: Bundeskanzler Merz und Premierminister Wong haben einen Arbeitsplan für die kommenden Jahre vereinbart, um die strategische Partnerschaft beider Länder weiter voranzubringen. Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, Handel und Investitionen, Digitales, Künstliche Intelligenz (KI) und Forschung sowie Grüne Energie. Zudem soll das 2027 anstehende 50. Jubiläum der EU-ASEAN-Beziehungen für neue Impulse genutzt werden.
  • Handelsbeziehungen und Energie-Integration: Um echten Nutzen für Unternehmen zu stiften, schlägt der Kanzler vor, bestehende Freihandelsstrukturen mit regionalen Partnern wie Singapur, Malaysia, Indien und Indonesien künftig besser zu koordinieren. Zudem sei Deutschland bereit, der ASEAN Power Grid Initiative beizutreten, die auf die physische und regulatorische Integration nationaler Stromnetze abzielt.
  • Sicherheits- und Digitalallianz: Die verteidigungs- und sicherheitspolitische Kooperation soll Merz zufolge durch neue Abkommen zur Cybersicherheit, U-Boot-Kooperation und den deutschen Beitritt zu Singapurs GUIDE-Initiative zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur intensiviert werden. In der Digitalpolitik ist geplant, den Austausch zu KI durch eine Kooperation der gerade neu gegründeten KI-Sicherheitsinstitute auszubauen und auch die Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung zu forcieren.

Bundeskanzler Merz in Asien : Mit seiner Reise nach Singapur , Japan und in die Republik Korea (Südkorea) vom 26. bis 30. Oktober möchte Bundeskanzler Merz die gute Zusammenarbeit mit diesen wichtigen Partnern im Indo-Pazifik weiter ausbauen. Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur stand am Dienstag neben der Unterredung mit Premier Wong auch ein Treffen mit Präsident Tharman Shanmugaratnam auf dem Programm. Darüber hinaus hielt der Bundeskanzler eine Rede im Rahmen der Singapore Lecture. Weiter geht es in Ostasien: Am Mittwoch reist Kanzler Merz zunächst weiter nach Japan, ehe ab Donnerstag Südkorea die letzte Station seiner Asientour sein wird.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressestatements:

Premierminister Lawrence Wong:

Herr Bundeskanzler, lieber Friedrich Merz, meine Damen und Herren Exzellenzen, meine Damen und Herren, zunächst möchte ich dem Bundeskanzler und seiner Delegation eine herzliche Begrüßung entgegenbringen. Wir haben uns im vergangenen November getroffen. Herr Bundeskanzler und ich habe damals schon gesagt, dass ich mich freuen würde, Sie hier zu begrüßen. Ich freue mich sehr, dass Sie die Einladung angenommen haben und dass Sie auch so viele Unternehmer mitgebracht haben.

Singapur und Deutschland haben eine lange, substanzielle Partnerschaft, die auf gemeinsamem Vertrauen und gemeinsamen Interessen aufgebaut ist. Im vergangenen Jahr haben wir 60 Jahre unserer diplomatischen Beziehung gefeiert. Deutschland ist in der Entwicklung Singapur von frühester Zeit an ein wichtiger Partner gewesen. Institutionen wie das deutsch-singapurische Institut für Produktionstechnologie und das Rollei Government Training Centre haben dabei geholfen, Generationen von Singapurern und Singapurerinnen mit technischen Fähigkeiten und Expertise auszustatten und unsere Verwandlung in eine hochentwickelte Volkswirtschaft unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar. Über Jahrzehnte hinweg hat sich unsere Beziehung immer stärker entwickelt. Unsere Zusammenarbeit deckt viele Bereiche ab und stützt sich auf unsere strategische Partnerschaft.

Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind besonders stark. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Singapurs in der EU und der bilaterale Handel in Waren und Dienstleistungen ist deutlich angewachsen, seit im Jahre 2019 das Freilandesabkommen mit der EU in Kraft getreten ist. Mehr als 2900 deutsche Unternehmen sind in Singapur vertreten. Dazu gehören Weltmarktführer wie Siemens, SAP, Evonik und Infineon, aber auch innovative Mittelstandsunternehmen. Sie leisten einen Beitrag zu unserer Volkswirtschaft und nutzen Singapur als ein Tor zu Chancen überall in Asien und im weiteren asiatisch-pazifischen Raum.

Wir haben auch starke Verteidigungsbeziehungen. Unsere Leopard-Panzer und unsere U-Boote der Invincible-Klasse sind aus deutscher Produktion. Anfang dieses Monats haben wir das erste Küstenwachschiff der Sentinel-Klasse in Betrieb genommen. Auch das ist aus deutscher Fertigung. Wir sind insbesondere dankbar für die vielen Jahre der Unterstützung in der Panzerausbildung in der Oberlausitz und für die Ausbildung unserer U-Boot-Besatzung in Kiel. Diese Vereinbarungen sind Ausdruck des hohen Maßes an Vertrauen zwischen unseren beiden Staaten.

Der Bundeskanzler und ich sind uns einig, dass wir im Rahmen unserer strategischen Partnerschaft noch sehr viel mehr gemeinsam schaffen können, und wir haben einen gemeinsamen Arbeitsplan verabschiedet. Vier Bereiche möchte ich besonders hervorheben.

Zunächst zum Bereich von digitaler Wirtschaft und KI: Wir beide erkennen das gewaltige Potenzial der digitalen Technologien und der KI an, wenn es darum geht, unsere Volkswirtschaften weiterzuentwickeln und neue Chancen für Unternehmen und Arbeitnehmer zu schaffen. Wir wollen aber gerne mehr tun. Wir wollen vor allem im Bereich der Entwicklung und Nutzung der industriellen KI, wo wir uns gegenseitig verstärken können, mehr engagieren. Wir wissen aber auch, dass KI neue Risiken und Herausforderungen mit sich bringt. Deshalb werden wir sicherstellen, dass dies auf eine Art und Weise erfolgt, die sicher und vertrauenswürdig ist und sich nach den Bedürfnissen des Menschen richtet.

Zweitens: Forschung und Innovation. Wir haben bereits eine deutliche akademische und Forschungspräsenz auf deutscher Seite in Singapur. Die TU München hat 2002 einen Campus errichtet, den ersten Campus einer deutschen Universität im Ausland. Vor kurzem wurde das Max Planck Singapore Center for Data-driven Chemistry eröffnet, und im April das Max Planck–NTU Singapore Centre for Biocultural Worlding. Dies ist das erste seiner Art in Südostasien. Diese Partnerschaften haben Forscher und Institutionen zusammengebracht und neue Chancen geschaffen – im Bereich wie KI, bei der Fertigung von grünen Technologien sowie bei Halbleiter-, Quanten- und Weltraumtechnologien.

Drittens. Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen unseren Regionen verstärken. Singapur und Deutschland sind beide eng mit der Weltwirtschaft verflochten und wir hängen von offenen Märkten und starken internationalen Partnerschaften ab. Die Welt um uns herum wird aber fragmentierter. Der Zeitgeist wendet sich gegen Offenheit und offenen Handel. Darauf dürfen wir aber nicht regieren, indem wir nach innen schauen. Wir möchten mit gleichgesinnten Partnern daran arbeiten, neue Verbindungen zu schaffen. Deshalb begrüße ich die Tatsache, dass Deutschland im Juli dieses Jahres ein Sektordialogpartner Asiens geworden ist. Das ist ein wichtiger Schritt, der Deutschland und Südostasien einander näherbringt. Singapur wird im nächsten Jahr den Vorsitz von ASEAN übernehmen, und wir werden die Partnerschaften mit Deutschland und der EU vertiefen und auch hinsichtlich eines gemeinsamen Handelsabkommens weiter Fortschritte erzielen.

Der Bundeskanzler und ich sind dem Völkerrecht und der multilateralen Zusammenarbeit verpflichtet. Wir sind natürliche Partner, wenn es um die regelbasierte Ordnung geht, und wir wollen eine Welt haben, in der Regeln geachtet werden, Verpflichtungen gut erfüllt werden und Streitigkeiten friedlich gelöst werden. Wir freuen uns deshalb, dass die Bundesrepublik sich Singapur und 16 anderen Staaten angeschlossen hat und das sogenannte GUIDE unterschrieben hat. Diese Initiative wird die Zusammenarbeit in der Region zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur stärken; denn diese ist entscheidend für unsere Sicherheit und Konnektivität.

Singapur und Deutschland mögen geografisch weit voneinander entfernt liegen, aber wir haben viele gemeinsame Interessen und Überzeugungen, und das ist heute in den Gesprächen auch wieder deutlich geworden. Diese gemeinsamen Überzeugungen bilden seit sechs Jahrzehnten die Grundlage unserer Beziehungen. In einer Welt, die zunehmend unsicherer und fragmentierter wird, wird das noch sehr viel bedeutsamer sein. Es ist daher wichtig, dass unsere beiden Staaten und Regionen einander nähergebracht werden. Deshalb möchte ich Ihnen, Herr Bundeskanzler, danken und Sie noch einmal herzlich in Singapur begrüßen. Ich danke für Ihre Freundschaft und Partnerschaft und freue mich sehr darauf, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, damit wir unsere bilateralen Beziehungen auf eine noch höhere Ebene heben können.

Vielen Dank!

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Herr Premierminister, lieber Lawrence Wong, ganz herzlichen Dank für das sehr freundliche Willkommen hier in Singapur heute Morgen!

Ich freue mich, dass meine Reise in den indopazifischen Raum heute in Singapur beginnt. Diese Region entfaltet eine einzigartige wirtschaftliche und technologische Dynamik. Hier verlaufen die Hauptschlagadern des globalen Handels. 60 Prozent des globalen Handels werden in dieser Region abgewickelt. Dies ist ein Ort, an dem zugleich die tiefgreifenden geopolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen unserer Zeit spürbar werden und sichtbar sind.

Wir Europäer stehen vor denselben Herausforderungen wie die Länder in der Region des Indopazifiks. Wir müssen uns in einer zunehmend von Unsicherheiten geprägten Welt behaupten. Wir müssen das nach innen und nach außen tun. Wir wollen unseren Wohlstand sichern, wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit bewahren und wir wollen die großen technologischen Entwicklungen mitgestalten. Wir müssen unsere Interessen in einem internationalen Umfeld der neuen Großmachtkonkurrenz behaupten. Diese neue Welt eröffnet uns aber auch Chancen, unsere Partnerschaften gemeinsam zu vertiefen, und deshalb bin ich heute hier. Ich werde zu diesen Fragen im Rahmen der Singapore Lecture noch etwas ausführlicher sprechen, aber vielleicht so viel an dieser Stelle.

Deutschland und Singapur verbindet eine über Jahrzehnte gewachsene politische und ökonomische Partnerschaft. Vielen Dank auch für diese gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Deutschland ist auch ein Partner in der Wachstums- und Zukunftsregion Südostasien. Dabei ist Singapur ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass nicht nur die Größe eines Landes die Handlungsfähigkeiten definiert. Es sind Weitsicht und der Gestaltungswille der Regierung, die zählen und die Singapur zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Vor diesem Hintergrund haben wir über eine ganze Reihe von Themen der zukünftigen Zusammenarbeit gesprochen. Ich will vier konkrete Themen nennen:

Erstens bauen wir unsere strategische Partnerschaft weiter aus. Premierminister Wong und ich, wir haben heute miteinander einen Arbeitsplan für die kommenden Jahre verabredet. Wir setzen Schwerpunkte in den Bereichen von Sicherheit und Verteidigung, Handel und Investitionen, Digitalem, KI und Forschung sowie grüner Energie. Das alles findet vor dem Hintergrund des 50-jährigen Jubiläums der EU-ASEAN-Beziehungen statt, das wir im nächsten Jahr feiern werden. Diesen Anlass werden wir nutzen, um neue Impulse für die Vertiefung unserer Zusammenarbeit zu setzen.

Zweitens wollen wir unsere Handels- und Investitionsbeziehungen ausbauen. Ich habe deshalb vorgeschlagen, unsere bestehenden Freihandelsstrukturen mit den verschiedenen regionalen Partnern wie Singapur, aber auch Malaysia, Indien, Indonesien usw. künftig besser zu koordinieren. Das eröffnet uns und unseren Unternehmen bessere Chancen in der Region. Ich habe zudem unsere Bereitschaft unterstrichen, der ASEAN-Power-Grid-Initiative beizutreten. Dieses Projekt zielt auf die physische wie auch regulatorische Integration nationaler Stromnetze, so wie wir es auch in der Europäischen Union kennen.

Wir wollen drittens unsere verteidigungs- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit intensivieren. Wir schließen neue Vereinbarungen zur Cybersicherheit. Premierminister Wong hat darüber gesprochen. Wir kooperieren im Bereich der U-Boote schon seit längerer Zeit. Aber wir wollen auch zur Verstärkung unserer Widerstandskraft und zum Schutz unserer kritischen Infrastruktur mit Singapur in eine vertiefte Kooperation eintreten. Deutschland wird der GUIDE-Initiative zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur beitreten. Auch dies ist ein Angebot, das wir dankbar annehmen.

Ich will umgekehrt sagen: Danke für die weitere Unterstützung der Ukraine. Wir stimmen uns in diesen Fragen eng ab. Singapur ist auch ein sehr aktives Mitglied der Koalition der Willigen hinsichtlich der Sanktionen, die Moskau zum Einlenken und zum Beenden dieses Krieges bewegen sollen. Wir sind dankbar dafür, dass Singapur ohne Zögern den Sanktionen gegen Russland zugestimmt und sie auch erlassen hat.

Viertens bauen wir auf der erfolgreichen Zusammenarbeit im Digitalbereich auf. Wir intensivieren den Austausch hinsichtlich künstlicher Intelligenz und werden eine neue Kooperation bezüglich unserer gerade neu gegründeten KI-Sicherheitsinstituten eingehen. Wir lernen also voneinander auch beim Thema der Digitalisierung, nicht zuletzt für unsere Verwaltungen.

Das alles zeigt: In einer Zeit des Umbruchs, die Singapur, Deutschland, Europa, die ganze Welt fordert wie lange nicht, rücken wir zusammen. Wir teilen viele Interessen und Werte. Vor allem sind wir fest entschlossen, unsere strategische Partnerschaft auszubauen. „Strategisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang „mit langem Atem“. Denn nur das wird uns helfen, in der neuen Zeit zu bestehen.

Ich möchte das gern mit einem persönlichen Wort des Dankes abschließen. Dass wir uns heute Morgen so ausführlich und so intensiv zu verschiedenen Themen haben austauschen können, schließt an die kürzeren Gespräche an, die wir gehabt haben, insbesondere im vergangenen Jahr auf dem G20-Gipfel. Ich freue mich sehr auf die vertiefte Zusammenarbeit. Ich habe dem Premierminister auch erläutert, wohin mich die Reise in dieser Woche noch führen wird. Das sind Länder, mit denen Singapur sehr eng zusammenarbeitet. Insofern ist das eine sehr gute Chance dafür, dass Deutschland hier in der Region zum gegenseitigen Nutzen stärker engagiert ist. Herr Premierminister, auch Ihnen persönlich noch einmal sehr herzlichen Dank für den freundlichen Empfang heute Morgen!