Direktor der Agentur für Sprunginnovationen im Interview

"Neue Technologien sind die Grundlage unseres Wohlstands"

Rafael Laguna de la Vera begeistert sich schon sein ganzes Leben lang für neue Technologien. Im Interview erläutert der Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen, welchen Beitrag er leisten kann, damit innovative Köpfe ihre Ideen in Deutschland zur Marktreife bringen können. Ins Leben gerufen wurde die Agentur von der Bundesregierung.

Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen

Will die Durchlässigkeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erhöhen: Rafael Laguna de la Vera.

Foto: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Viele gute Ideen kommen aus Deutschland. Warum werden diese nicht hier verwertet und auf den Markt gebracht?

Rafael Laguna de la Vera: Wir haben in den vergangenen 100 Jahren, wahrscheinlich unabsichtlich, einen Graben zwischen Wirtschaft und Forschung gezogen. Man schaut jeweils aufeinander herab: Professor und Unternehmer sind oft Schimpfworte auf der anderen Seite. Von Elfenbeintürmen und Ausbeutung wird gesprochen. Wechselt mal jemand die Seiten, so wird das schnell ein irreparabler Makel.

Dabei sind geniale Forscherinnen und Forscher, die gleichzeitig die Ambition haben, mit ihren Erfindungen auch ein langfristig erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, oder wissenschaftlich gebildete Unternehmer, üblicherweise die Typen, welche die bahnbrechenden Innovationen bringen.

Es gibt auch eine Reihe von weiteren Themen, die wir in Deutschland angehen müssen, um das zu ändern. Oft ist es zum Beispiel schwierig, die entscheidende Wachstumsfinanzierung für ein erfolgreiches Start-up zu bekommen. Das endet dann häufig so, dass diese Start-up-Perlen von ausländischen Unternehmen übernommen werden – und die Wertschöpfung somit das Land verlässt.

Wie wollen Sie das ändern?

Laguna: Ich will dafür sorgen, dass es cool ist, tolle Ideen aus der Wissenschaft wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Dass die Durchlässigkeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft höher wird und dass wir erfolgreiche Start-up-Unternehmen auch in Deutschland halten.

Zum einen, indem wir die Persönlichkeiten finden, die neben einer naturwissenschaftlich-technischen Exzellenz eben auch das Talent und die Ausdauer für ein Unternehmertum haben und bereit sind, den Sprung ins kalte Wasser zu machen, den wir dann maximal unterstützen. Und zum anderen, indem wir dafür sorgen, dass erfolgreiche Projekte durch Verknüpfung mit der lokalen Industrie, Politik und Finanzwirtschaft ihren wirtschaftlichen Erfolg auch in Deutschland und Europa realisieren können.

In welchen Bereichen kann die Agentur die "High Potentials" unterstützen?

Laguna: Gerade am Anfang eines Unternehmens gibt es eine Vielzahl von Aufgaben, die es zu bewältigen gilt: Es braucht Räume, Mitarbeiter, Geld, Zugang zu Persönlichkeiten, zur Forschung, Politik und Wirtschaft. Eine Gründung ist mit einem beachtlichen Aufwand verbunden und erfordert Erfahrung und Expertise im Thema selbst; aber auch beispielsweise beim Anmelden von Patenten, der Wahl der Unternehmensform und bei vielen kritischen Entscheidungen.

Bei alldem wird die Agentur den Entrepreneuren zur Seite stehen. Dazu kommt, dass wir uns bei Finanzierungen auf disruptive Ideen und Technologien konzentrieren werden, die einen langen Atem mit einem entsprechend langen Investitionshorizont erfordern. Entsprechend sind wir auch keine Konkurrenz zur etablierten Wagniskapitalfinanzierung, sondern ein Partner.

Wie kommen die Agentur und innovative Köpfe zusammen?

Laguna: Die Agentur muss eine hohe Sichtbarkeit für diese "High Potentials" oder kurz "HiPos", wie ich sie nenne, entwickeln. Sie muss sich als der Ort etablieren, zu dem man geht, wenn man eine bahnbrechende Idee auf die Straße bringen will. Das ist uns im Moment durch die nahezu durchweg positive Berichterstattung zur Gründung der Agentur gelungen. Diesen Schwung müssen wir nun aufrechterhalten.

Auch werden bereits jetzt Wettbewerbe zu bestimmten Innovationsthemen gemacht, die denselben Zweck erfüllen. Besonders angewiesen werden wir jedoch auf Wissenschaft und Forschung in den Instituten und Universitäten sein. Hier hoffen wir auf die Direktoren, Professoren, Dekane und Präsidenten, dass sie uns ihre besten Kandidaten präsentieren, die wir dann gemeinsam erfolgreich machen können.

Sie sind seit mehr als 30 Jahren Unternehmer, haben mehrere Firmen gegründet und finanziert. Heute sind Sie Mitgründer und Chef der Open-Xchange AG mit rund 270 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 45 Millionen Euro. Was bringen Sie aus diesen Tätigkeiten für die neue Aufgabe mit?

Laguna: Unternehmertum ist ein wenig wie Kochen. Man muss es aus Leidenschaft machen und braucht trotz Rezept etwas Übung und Erfahrung – dann wird es was! Wenn es um Innovationen geht, ist das wie experimentelles Kochen ohne Rezept. Man kann zwar nicht exakt vorhersagen, was dabei rauskommt. Aber es hilft ungemein, wenn man schon lange kocht, schon einiges selbst ausprobiert hat. Dadurch bekommt man ein Gespür, was funktionieren könnte und was nicht.

Auch lernt man, sich durchzusetzen, mit Rückschlägen umzugehen, viele unterschiedliche Interessen zusammenzubringen. Man lernt, wie die Wirtschaft überhaupt funktioniert, wie man Unternehmen finanziert, und vor allem, alles was man nicht machen sollte – aus schmerzlicher Erfahrung.

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe besonders?

Laguna: Ich bin wahnsinnig neugierig und begeistere mich schon mein ganzes Leben für neue Technologien, denn diese sind die Grundlage unseres Wohlstandes. Wenn ich mit meiner Arbeit mithelfen kann, dass aus toller Forschung und Ideen Lösungen werden, die unser Leben gemäß unserer grundlegenden ethischen und humanistischen Prinzipien besser machen und überdies auch den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa stärken, dann gibt es für mich kein Halten.