Integrationsbericht

Vielfalt als Chance für die Gesellschaft

Viel Licht, aber auch Schatten im Integrationsbericht der Bundesregierung: Integration in den Arbeitsmarkt gelingt immer besser. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Auszubildenden mit Einwanderungsgeschichte ist gestiegen. Aber: Das Armutsrisiko ist für diese Menschen größer. Und Frauen stehen noch vor einem anderen Problem.

Ein junger Mann arbeitet in einer Fabrik.

Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Auszubildenden mit Einwanderungsgeschichte ist gestiegen, allerdings haben es Frauen schwerer, eine Stelle zu bekommen.

Foto: Getty Images/Joerg Koch

Die Zahl der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund stieg im Zeitraum von 2011 bis 2017 um 34,2 Prozent. Die Erwerbsquote für Ausländerinnen und Ausländer lag 2017 bei 68 Prozent (Deutsche: 83 Prozent). Das sind nur zwei Beispiele der umfangreich auf 386 Seiten aufgezählten Daten im Integrationsbericht der Bundesregierung.

Bildungsoffensive für Frauen mit Einwanderungsgeschichte

Der Bericht sieht Handlungsbedarf bei der Integration von Frauen und Mädchen in den Arbeitsmarkt. Das gilt auch für Hochqualifizierte. So sind rund 90 Prozent der deutschen Frauen mit Hochschulabschluss erwerbstätig, Frauen mit ausländischen Pass nur zu knapp 60 Prozent. Die Lage verschlechtert sich mit geringeren Bildungsabschlüssen.

"Hier müssten wir schnell handeln", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Widmann-Mauz bei der Vorstellung des Berichts, weil Frauen der Integrationsanker in den Familien seien. "Wir brauchen eine Bildungsoffensive für Frauen."

Bildung ist der Schlüssel zur gelungenen Integration

Das Niveau der Deutschkenntnisse soll insbesondere bei Kindern so früh wie möglich festgestellt und wenn nötig, mit dem Lernen von Deutsch begonnen werden. Der Bund unterstützt die Länder dabei mit 5,5 Mrd. Euro. Das Gute-Kita-Gesetz macht die Förderung möglich.

Eine sehr gute Nachricht: Die 15- bis unter 20-Jährigen erreichen im Vergleich zu 2007 deutlich höhere Schulabschlüsse, also Abitur, Fachhochschulreife oder mittlere Abschlüsse.

Rechtsextremismus bekämpfen

Eine der größten Rückschläge im Berichtszeitraum ist, dass Menschen, die sich für die Integration einsetzen, mehr bedroht und angegriffen werden. Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke stellte eine Zäsur dar.

Die Bundesregierung will Hass und Gewalt bekämpfen. Rechtsextremismus, Antisemitismus, Anfeindungen in den sozialen Medien erfordern strafrechtliche Regelungen und Präventionsprogramme. Das Maßnahmepaket der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität vom 30. Oktober setzt hier ein Zeichen gegen die Feinde der Demokratie.

Deutschland ist ein Einwanderungsland

20,8 Millionen Menschen haben eine Einwanderungsgeschichte in Deutschland. Die meisten von ihnen sind schon hier geboren. Auf diese Vielfalt könnten wir stolz sein, meinte Widmann-Mauz. Deutschland sei eine Einwanderungsgesellschaft. Wir müssten alle Potenziale in unserem Land fordern und fördern.

Trotz der aufgezeigten Fortschritte bleibt viel zu tun. Deutschland brauche eine Integrationsoffensive. Das sei wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft und in unserem ureigensten Interesse angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei ein wichtiger Schritt, der den Wandel in der Gesellschaft Rechnung trage, so die Integrationsbeauftragte.

Die Bundesregierung wird den Aktionsplan Integration neu auflegen. Parallel dazu beschäftigt sich eine Fachkommission mit der Aufnahmefähigkeit und -bereitschaft der gesamten Gesellschaft.