Heimliche Filmaufnahmen: Bilder, die Mut machen

Was wie der Anfang eines Spionagethrillers klingt, ist im Herbst 1989 in Wirklichkeit ein gefährlicher Einsatz für die Meinungsfreiheit: Siegbert Schefke und Aram Radomski machen sich ab September jeden Montag von Ostberlin auf den Weg nach Leipzig, um die Montagsdemonstrationen zu filmen.

Montagsdemonstration in Leipzig. Immer mehr Menschen gehen im Herbst 1989 in Leipzig auf die Straße, um gegen die SED Herrschaft zu demonstrieren.

Bilder, die Mut machen

Foto: picture-alliance/epd

Da sie die Staatssicherheit beobachtet, ändern die beiden immer wieder die Route, sie wechseln die Autos, schleichen sich zur Not übers Dach aus dem Haus. Ihre illegale Reportertätigkeit ist sehr riskant, ihnen drohen bis zu 12 Jahre Haft wegen Agententätigkeit.

Doch Radomski und Schefke wollen die Ereignisse des Herbstes 1989 in die Wohnzimmer der Menschen in der DDR bringen – und die Realität zeigen, die die staatlich kontrollierten DDR-Medien verschweigen. Diplomaten, Bundestagsabgeordnete oder West-Korrespondenten schmuggeln die heimlichen gedrehten Aufnahmen über die Berliner Grenze, so dass sie im „Westfernsehen“ ausgestrahlt werden können.

Legendär sind ihre Filmaufnahmen der Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989. Vom Kirchturm der Reformierten Kirche am Tröndlinring aus filmen sie, wie 70.000 friedliche Demonstranten gegen das SED-Regime protestieren – und Stasi und Polizei sie nicht mehr daran hindern können. Radomskis und Schefkes Aufnahmen sind die einzigen Bilder aus Leipzig, denn westdeutschen Journalisten ist es nicht gestattet, über die Demonstration zu berichten.

Noch am selben Abend sind die Bilder in den ARD-Tagesthemen zu sehen – auch für Millionen Zuschauer in der DDR. Dass sich die Staatsgewalt zum ersten Mal machtlos zeigt, ermutigt viele Menschen. An der nächsten Leipziger Montagsdemonstration nehmen 160.000 Personen teil, und auch in vielen anderen Städten gehen die Menschen für die Freiheit auf die Straße.

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