Lösungen für Schule in Zeiten der Pandemie

Hackathon #wirfürschule Lösungen für Schule in Zeiten der Pandemie

Das aktuelle Schuljahr geht zu Ende - doch auch nach den Sommerferien wird vieles anders bleiben. Vermutet wird ein "hybrides Schuljahr" - mit Präsenzunterricht und Lernen Zuhause im Wechsel. Dafür Lösungen zu finden, ist Ziel des Hackathons #wirfürschule. Hier berichten Teilnehmer über ihre Projekte.

Das Logo des Hackathons #wirfürschule

Beim Hackathon #wirfürschule wurden 216 Lösungen für ein gutes Schuljahr 2020/21 und die Schule von morgen entwickelt.

Foto: wirfuerschule.de

Geschlossene Schulen, Homeschooling als gängige Praxis: Die vergangenen Wochen und Monate waren für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern eine große Herausforderung. Auch das neue Schuljahr wird im Zeichen der anhaltenden Pandemie stehen. Damit dies gut gelingt, braucht es neue Ideen für den Unterricht der Zukunft. Diese zu finden, war die Motivation für den ersten bundesweiten Schul-Hackathon #wirfürschule.

Kreative Lösungen für das neue Schuljahr 

Fünf Tage, neun Themenfelder, 6.142 Anmeldungen, 216 Lösungsvorschläge, 15 ausgewählte Projekte - das ist die Bilanz in Zahlen des Hackathons #wirfuerschule. Dessen Ziel: Die gemeinsame Suche nach neuen, kreativen Lösungen für das Schuljahr 2020/2021. Denn dieses wird angesichts der andauernden Corona-Pandemie vermutlich ein "hybrides Schuljahr" werden, in dem sich Präsenzunterricht in der Schule und Lernen Zuhause abwechseln werden. 

Von verbesserter Technik über neue Prozesse, pädagogische Ansätze oder auch didaktische Konzepte - die Themenvielfalt ist groß. Organisiert von einem Team aus Ehrenamtlichen machten sich die Teilnehmer auf den Weg, die Herausforderung gemeinsam anzugehen. Vier von ihnen berichten hier von ihren Erfahrungen und Projekten.

Der #wirfürschule-Hackathon hat vom 8. bis 12. Juni 2020 online stattgefunden. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Staatsministerin Dorothee Bär, sowie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz ,Stefanie Hubig, hatten die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

Claudia Sternberg (42) - Projekt "Roots2Fly"

Porträt von Claudia Sternberg vom Projekt "Roots2Fly".

Hat die digitale Infrastruktur der Lehrkräfte im Blick: Claudia Sternberg und ihr Projekt "Roots2Fly".

Foto: Claudia Sternberg

Claudia Sternberg aus der Nähe von Hamburg ist Mutter von drei Kindern. Durch Zufall ist sie auf den Schul-Hackathon gestoßen und hat spontan daran teilgenommen. "Nicht in der Ecke zu sitzen und zu maulen, sondern sich konstruktiv etwas auszudenken", ist der Strategieberaterin besonders wichtig. Im Rahmen von #wirfürschule ist dann das Projekt "Roots2Fly" entstanden.

Der Name steht für sich: Das Team fordert Laptops und IT-Support für alle Lehrer. Eine Infrastruktur, die für die Gruppenmitglieder der Grundbaustein für den Unterricht der Zukunft ist. "Bevor es digitales Lernen gibt, muss erstmal die Infrastruktur für die Lehrkräfte her." Hierfür wird das Team rund um Sternberg einen Masterantrag entwerfen. Damit sollen Schulen zukünftig Finanzmittel leichter beantragen und effektiver nutzen können. Durch den Hackathon steht das Team jetzt in regem Austausch mit Schulen und Lehrkräften. "Da fällt eben auch auf, wie groß der Unterschied zwischen noch sehr analogen und digital affinen Schulen ist", berichtet Sternberg.

Von einer flächendeckenden Ausstattung der Lehrkräfte mit "Basis-IT", also Laptops, Software, zentralem und dezentralem IT-Support und Sicherheit bezüglich Datenschutz und Datensicherheit, würden aber alle Schulen, Lehrkräfte und Schüler profitieren, gerade auch bei hybridem Unterricht. "Uns geht es insbesondere darum, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen, zuzusehen, dass es jetzt auch wirklich mal auf die Agenda kommt und durchgezogen wird", betont Sternberg. "Roots2Fly" konnte sich mit der Idee durchsetzen und ist einer von zwei Gewinnern in der Kategorie "Schulentwicklung und Schulmanagement".

Mit dem Digitalpakt Schule wird die Digitalisierung von Schulen gefördert. Der Bund stellt dafür finanzielle Mittel zum Aufbau von digitalen Bildungsinfrastrukturen in Höhe von fünf Milliarden Euro bereit. Schulen können seit 2019 Gelder beantragen. Grundvoraussetzung für die Beantragung der Mittel ist die Entwicklung eines medienpädagogischen Konzeptes durch die Schulen selbst.

Andreas Echterhoff (46) – Projekt "Scrollytell.me"

Porträt von Andreas Echterhoff

Mit seinem Projekt "scrollytell.me" möchte Andreas Echterhoff Schulen dabei helfen, ihren Bedarf für die Digitalisierung zu ermitteln.

Foto: Stephanie Kunde

Keine Schule ist wie die andere. Also muss auch der Digitalisierungsprozess für jede Schule einzigartig sein. Mit dieser Grundannahme startete das Team "Scrollytell.me" in den Hackathon #wirfürschule. Eines der Gruppenmitglieder ist Andreas Echterhoff. Der Kölner hat selbst einen Sohn und hat die tagtäglichen Herausforderungen des Homeschoolings hautnah miterlebt. Diese Erlebnisse und sein beruflicher Hintergrund im Bereich digitale Innovation haben ihn dazu motiviert, am Hackathon teilzunehmen. Er selbst fasst "Scrollytell.me" so zusammen: "Wir haben ein Anwendung in Form einer einfachen Webseite konzipiert, mit dem eine Schule letztendlich ihren eigenen Bedarf für die Digitalisierung ermitteln kann." Damit will die Gruppe die Lücke zwischen Schulen und den zahlreichen Fördermöglichkeiten schließen.

Mithilfe des Frage-Antwort-Prinzips wird der Bedarf der Schule ermittelt. So können konkrete Anträge gestellt werden, um zum Beispiel Finanzmittel aus dem Digitalpakt Schule abzurufen. "Zudem bieten wir noch zusätzliche Informationen an, beispielsweise das Wichtigste zur Datenschutzgrundverordnung oder externe Referenzen auf Webtrainings, die es bereits gibt", erklärt Echterhoff. Im nächsten Schritt will das Team möglichst viele Schulen mit ihrem Angebot erreichen. Dafür wollen sie auch Schulämter, Kommunen und Medienberatungen von ihrem Projekt überzeugen. Die Jury des Hackathons war von dem Projekt "Scrollytell.me" überzeugt, denn auch sie sind Gewinner des Hackathons in der Kategorie "Technische Ausstattung".

Nina Rieke (52) – Projekt "Cooperation Café"

Ein Porträtbild der Teilnehmerin Nina Rieke.

Möchte einen offenen Austausch unter den Lehrkräften ermöglichen: Nina Rieke vom Projekt "Cooperation Cafe".

Foto: Malte Braun

Nina Rieke ist Berlinerin und hat selbst einen Sohn, der noch zur Schule geht. Sie hat in den letzten Monaten - wie viele andere Eltern auch - viel improvisieren müssen. Während dieser Zeit stellte sie fest, dass es "viele Initiativen da draußen gibt, die tatsächlich etwas bewegen wollen". Somit stieg auch ihre Motivation für ein Engagement. Auch deshalb nahm sie am Hackathon #wirfürschule teil. Zusammen mit ihren Teamkolleginnen und Teamkollegen hat sie das Projekt "Cooperation Café" gestartet. Ziel des Projektes: "Wir wollen einen besseren Austausch unter Lehrkräften initiieren und ermöglichen", erklärt die Organisations- und Strategieberaterin.

Der klare Fokus liegt dabei auf den Digitalkompetenzen. Jeder soll "offen über seine Defizite sprechen können oder das, was vielleicht gar nicht funktioniert", so Rieke. Sie unterstreicht, dass bei schulischen Digitalisierungsfragen "einzelne Lehrer das sehr stark mittreiben und andere da so ein bisschen hinten dran sind". Während des Hackathons hat die Gruppe einen Prozess entwickelt, der von jeder Schule übernommen werden kann, um den internen Dialog zu starten. Als nächstes ist unter anderem auch eine Online-Community geplant. Das Projekt von Nina Rieke, Claudia Weiss, Felix Lehmann und Natalie Grüber ist durch ihr individuelles Konzept Sieger in der Kategorie "Verzahnung von Präsenzunterricht und Homeschooling" geworden.

Jana Esselborn (24) – Projekt "Boni & Toni"

Ein Porträtbild der Teilnehmerin Jana Esselborn.

Das Ziel von Jana Esselborn: Schülerinnen und Schüler erhalten ihre Lerninhalte per Push-Mitteilung auf ihr Smartphone.

Foto: Jana Esselborn

Digitale Angebote können den Unterricht besser machen, gerade wenn kein Präsenzunterricht möglich ist. Aber auch hier gibt es Störfaktoren: Kinder müssen erreichbar sein, obwohl nicht jedes Kind einen eigenen Computer hat. Gleichzeitig dürfen sie nicht von Inhalten überflutet werden. Um dieses Problem zu lösen, ist das Team von "Boni & Toni" angetreten. Ein Teil davon ist Jana Esselborn. Die Lübeckerin hat sich schon in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema digitales Lernen auseinandergesetzt. Jetzt wollte sie sich mit ihrem Fachwissen aus dem Bereich Medieninformatik beim Hackathon engagieren.

Zusammen mit den anderen Gruppenmitgliedern hat die 24-Jährige die Lern-App "Boni & Toni" entwickelt. "Unser Projekt soll so funktionieren, dass die Schülerinnen und Schüler eine App auf dem Handy haben und Lerninhalte quasi ganz einfach per Push-Mitteilung erhalten - im Grunde so, wie auch unsere Nachrichten-Messanger", erklärt Jana Esselborn. "Boni" richtet sich dabei an die Schulkinder und "Toni" an die Lehrkräfte.

Neben Unterrichtsmaterialien soll über die App auch direkt Feedback gegeben werden können. Dazu soll in Zukunft auch eine Chat-Funktion folgen. "Die ganzen Anwendungen, die es aktuell gibt, wollen wir nicht ersetzen, sondern im Grunde darauf aufbauen, dass wir so eine Art Schnittstelle sind", so Esselborn. Mit ihrer Idee schaffte es das Team bis auf die Shortlist der Kategorie "Verzahnung von Präsenzunterricht und Homeschooling". Insgesamt bewarben sich in dem Themenfeld 44 Einreichungen.

Im Rahmen der Corona-Maßnahmen haben Bund und Länder ein weiteres Soforthilfeprogramm beschlossen. Insgesamt wurden 550 Millionen Euro bereitgestellt, um den Kauf von digitalen Endgeräten zu fördern.