Warum ist die Münze rund?

Die Geschichte des Geldes Warum ist die Münze rund?

Unser Geld feiert Geburtstag - nicht der Euro, aber einer seiner Vorläufer: der Taler. 1520 begann die Geschichte der kleinen Silbermünzen, mit denen sich die Vereinheitlichung des Geldes beschleunigte. Eine kurze Chronologie der Währungen - vom Tauschhandel bis zur Kreditkarte

Das Bild zeigt die Vorderseite eines Joachimsthalers mit Bildnis des Heiligen Joachim von 1524.

Der Vorläufer unserer heutigen Münzen ist der Joachimsthaler, benannt nach seinem Prägeort Sankt Joachimsthal im Erzgebirge.

Foto: picture alliance / akg-images

Schon früh dienten den Menschen Tauschgüter als erste Formen der Handelswährung. Die Verwendung von Naturalgeld geht auf das sechste Jahrtausend vor Christus zurück. Vor allem Dinge wie Muscheln, Federn, Salz, Nutztiere und Schmuck wurden direkt getauscht beziehungsweise als Zwischenmittel des Warenhandels genutzt. Als erste direkte Vorläufer des Münzgeldes gelten Barren, Metallteile und Bronzestücke, dessen Wert durch ihr Gewicht bestimmt wurde.

Die Erfindung des Geldes

Mangelnde Vergleichbarkeit und Transportfähigkeit dieses Warengeldes läuteten den Wechsel vom Tauschhandel in das Münzgeldzeitalter ein. Die ersten Berichte über die Verwendung von Münzgeld stammen aus Anatolien und werden in etwa auf das Jahr 650 vor Christus datiert. Durch die neue Einheitlichkeit in Aussehen, Größe und Wert konnten sie nun gezählt statt gewogen werden, was den lokalen Handel wesentlich erleichterte. Zur Herstellung der Münzen wurden vorrangig Gold und Silber verwendet. Dieses Privileg blieb jedoch lange Kaisern und Königen vorbehalten.

Deshalb ist die Münze rund

Edelmetalle als Werkstoffe waren nicht nur handlich, sondern auch gut formbar. Über die Jahre setze sich trotz des Materialverlusts gegenüber rechteckigen Münzen die heutige runde Standardform durch. Zum einen konnten so scharfe Kanten vermieden werden, die beim Tragen Löcher in Lederbeuteln oder Hosentaschen hätten verursachen können. Zum anderen sind runde Münzen selbst robuster gegenüber Beschädigungen.

Zahlungsmittel über Grenzen hinweg

Der verstärkte Fernhandel ab Ende des 15. Jahrhunderts erforderte schließlich eine neue Münze für einen vereinfachten Warenaustausch, dessen Zahlungssummen immer weiter stiegen. Für die eigene Herstellung von überregional genutzten Goldmünzen waren die Vorkommen des Edelmetalls im deutschsprachigen Raum jedoch zu gering. Als die Grafen Schlick 1520 das Prägerecht erhielten, erfanden sie deshalb die Silbermünze "Joachimsthaler Guldiner", benannt nach ihrem böhmischen Herrschaftssitz. Aufgrund des höheren Gewichts entsprach sie wertmäßig den kleineren Goldmünzen, und konnte durch beträchtliche Silberfunde im Erzgebirge in großen Mengen produziert werden.

Förderung des Handels

Abgekürzt als T(h)aler verbreitete sich die Münze über Europa hinaus und läutete so die Standardisierung des Geldes ein. Heute, exakt 500 Jahre später, ist diese Finanzinnovation fester Bestandteil der Geldgeschichte. Die Einheitlichkeit des Zahlungsmittels ermöglichte nicht nur maßgeblich wirtschaftlichen Wohlstand durch ausgedehnten Handel, sondern diente auch als stabile Wertaufbewahrung, wie es heute noch Euros und Cents in der europäischen Währungsunion tun.

Sprachliche Verwandte

Gleichzeitig zieht sich der Begriff des Talers auch sprachlich bis in die Neuzeit. 1792 wurde der "Dollar“ Hauptwährungseinheit der USA. Der Wortursprung der heutigen Leit- und Reservewährung der Welt liegt im "Dolaro" beziehungsweise "Dolares", nicht weniger als eine sprachliche Abwandlung des Talers aus dem böhmischen Joachimsthal.

Bargeld weiter beliebt

Auch wenn der Taler längst Geschichte ist, zahlen die Deutschen noch immer am liebsten mit Bargeld. Nach einer Studie der deutschen Bundesbank werden vor allem geringere Summen hierzulande noch immer primär mit Münzen und Scheinen beglichen. Auch wenn der Anteil der bargeldlosen Zahlungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, machen Kartenzahlungen derzeit nur circa 48 Prozent aller Geldtransfers im Einzelhandel aus. Dieser Anteil gehört zu den geringsten im europäischen Vergleich.

Diskussion über den Nutzen des Kleingelds

Dies erklärt auch die aktuelle Debatte um die Notwendigkeit der kleinsten Münzen. Ins Spiel gebracht wurde eine Abschaffung von der Europäischen Kommission. Sie plant eine Evaluierung der Nutzung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen, auf dessen Grundlage die mögliche Einführung allgemeiner Rundungsregeln geprüft wird. Die beiden kleinsten Münzen machen fast die Hälfte des in der gesamten Europäischen Währungsunion im Umlauf befindlichen Münzgelds aus, obwohl weniger als 25 Prozent der Kupfermünzen im alltäglichen Einkauf genutzt werden.

Als Argumente für die Abschaffung werden vor allem die umständliche Handhabung und hohe Herstellungskosten angeführt. Tatsächlich liegen die Kosten der Produktion einer Ein-Cent-Münze aufgrund gestiegener Materialpreise derzeit über ihrem Nennwert. Andererseits wird vor der Anfälligkeit rein technischer Zahlungssysteme gewarnt. Ebenso sorgen sich gemeinnützige Verbände um Spendenbeträge aus Kleingeldsammlungen, die im Jahr Einnahmen in Millionenhöhe für wohltätige Zwecke ausmachen.

Keine endgültige Entscheidung

Noch hat die EU-Kommission zu diesem Thema keine konkreten Planungen vorgelegt. Für eine mögliche Abschaffung der kleinen Kupfermünzen bedarf es aber der Zustimmung des Rats der Europäischen Union nach Anhörung des Europäischen Parlaments und der Europäischen Zentralbank. Ob es dazu kommen wird, ist offen.