Generationendialog Wald

Junge Ideen für den Wald der Zukunft

Hitze, Stürme und der Befall mit Borkenkäfern - der Klimawandel setzt dem Wald extrem zu. Er birgt zugleich aber enormes Potenzial für den Klimaschutz. In Eberswalde diskutierten Jugendliche, was zu tun ist. Ihre Ideen fließen in die "Waldstrategie 2050" der Bundesregierung ein.

Gruppenfoto der Teilnehmer

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Generationendialogs Wald: Wie kann der deutsche Wald widerstandsfähig und gesund erhalten werden?

Foto: SDW Bundesverband

Junge Leute im angeregten Gespräch, in Zweier- oder auch größeren Gruppen - lebendig geht es zu, wenn der Waldbeauftragte der Bundesregierung, Cajus Caesar, mit jungen Waldeigentürmern, Studierenden der Forstwirtschaft, Auszubildenden und vielen weiteren Interessierten diskutiert. Vor allen Dingen darüber, wie der deutsche Wald widerstandsfähig und gesund erhalten werden kann.

"Wir erarbeiten mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium die Waldstrategie 2050. Da liegt es uns am Herzen die jungen Leute einzubeziehen - nämlich die, die den zukünftigen Waldaufbau auch gestalten werden", sagt Caesar. Insgesamt werden fünf Generationendialoge stattfinden - über ganz Deutschland verteilt. Denn auch darum geht es dem Initiator: "Wir wollen die Menschen vor Ort einbeziehen und ihre Ideen aufnehmen."

Klimawandel auf der Agenda ganz oben

Diese Chance lassen sich die jungen Leute in Eberswalde nicht entgehen. "Der Klimawandel ist erstes Thema", sagt Moritz Raben, ein junger Waldeigentümer aus der Nähe von Ribnitz-Damgarten in Mecklenburg-Vorpommern. Er ist in den elterlichen Familienbetrieb eingestiegen. Um stabile und damit widerstandsfähige Waldbestände aufzubauen, setzt sein Betrieb auf Dauerwald mit vielfältigen Baumarten und Altersstrukturen. Neben der natürlichen Verjüngung des Waldes versucht sein Betrieb, neue klimatolerantere Baumarten wie die Weiß- oder Küstentanne zu etablieren.

Auch Waldeigentümer Manuel Johannes Barowsky aus Bad Neuenahr in Rheinland-Pfalz steht in der familiären Tradition: "Mein Hauptanliegen ist es, den sogenannten 'Generationenvertrag' einzulösen." Es gebe Familienbetriebe, die schon in der 20. oder 30. Generation geführt werden. "Ich kann heute sehen, welche Bäume mein Opa gepflanzt hat und frage mich natürlich, welche ich für meine Kinder pflanze." So sei sein Betrieb in einer Phase des Probierens, wie man dem Klimawandel am besten begegnen könne. "Zum Beispiel testen wir, welche Baumarten mit wenig Wasser auskommen." 

Vom Reden zum Handeln kommen

Die gelernte Forstwirtin Hannah Riedel, jetzt Studentin an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), sieht viel Potenzial bei den Akteuren vor Ort. Es müssten Lösungen erarbeitet werden, die regional sind und den Gegebenheiten vor Ort entsprechen. Ganz wichtig dabei sei: "Weniger Vorschriften. Man muss kreativ sein dürfen und den Akteuren sollte mehr Vertrauen entgegengebracht werden."

Auch ganz praktische Erfahrungen werden ausgetauscht: So wirbt der 19-jährige Thorben Bick für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Wald: "Hier kann man sich schon als junger Mensch ganz aktiv für Umweltbelange einsetzen." Man bekomme mit, welche akuten Probleme es gebe und wie sie gelöst würden, so Bick. Student Mark Schmid von der HNEE ist die Umweltbildung wichtig. "Wir gehen zum Beispiel mit Kindern in den Wald, übernachten in Jurten. Auch zeigen wir, wie die Forstwirtschaft früher war." Das alles fördere das Verständnis für die Aufgaben des Waldes und unterstreiche auch die Verantwortung, die jeder für ihn hat.

Das Projekt "Generationendialog Wald" wird von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald veranstaltet. Hier gibt es auch weitere Informationen für alle Interessierten. Nach einer Auftaktveranstaltung im Mai 2019 fand Anfang Juli in Eberswalde (Brandenburg) der erste Dialog zum Thema "Klimafaktor Wald" statt.

Wald - Der Klimaschützer

Der Waldbeauftragte Caesar unterstreicht die beachtliche Klimabilanz des Waldes. Er trage entscheidend dazu bei, dass die Klimaziele der Bundesregierung erreicht werden können: durch die Speicherung von Kohlenstoff, die Produktion von Holz sowie die Vermeidung von Treibhausgasen durch die Verwendung von Holz, etwa beim Bauen.

"Sehr wichtig ist für uns die 'Walderklärung' von Kattowitz, die bei der Klimakonferenz Ende 2018 verabschiedet wurde", erklärt Caesar. Würde weltweit kein Wald mehr vernichtet, zusätzlich aufgeforstet und ein vielschichtiger Wald angelegt, der nachhaltig bewirtschaftet wird, könnte Klimaneutralität hergestellt werden.

Die Politik handelt

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrem aktuellen Podcast, dass die Bundesregierung den Wald besonders im Blick hat, weil gerade dieser unter der extremen Dürre leide und von Schädlingsbefall betroffen sei. Zudem setze sie sich für eine nachhaltige Baumwirtschaft ein. Die Bundesregierung werde den Waldbauern deshalb auch in besonderer Weise unter die Arme greifen.

Angesichts der massiven Waldschäden durch Brände, Dürre, Stürme und Schädlinge forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Programm zur Wiederaufforstung in Deutschland.

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