Was tun gegen Gewalt im Netz?

Fragen und Antworten zur Initiative "Stärker als Gewalt" Was tun gegen Gewalt im Netz?

Cybermobbing, heimliche Aufnahmen, Stalking in sozialen Netzwerken – digitale Gewalt nimmt zu und trifft in den allermeisten Fällen Frauen. Welche Formen von digitaler Gewalt gibt es? An wen können sich Betroffene wenden? Was tut die Bundesregierung? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Warum nimmt digitale Gewalt zu?

Die zunehmende Digitalisierung fast aller Lebensbereiche bringt es mit sich, dass auch Gewalt gegen Frauen neue Wege findet. Ob sexistische, frauenfeindliche, beleidigende oder bedrohende Kommentare – für viele Mädchen und Frauen sind sie inzwischen Teil ihres Online-Alltags.

Bei der Initiative "Stärker als Gewalt" legt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend deshalb im Oktober einen Schwerpunkt auf das Thema "Digitale Gewalt gegen Frauen". Bundesministerin Franziska Giffey sprach kürzlich gemeinsam mit Expertinnen und Influencerinnen bei einer Podiumsdiskussion über Gewalterfahrungen im Netz

"Die digitale Welt darf kein Ort sein, aus dem sich Frauen aus Angst vor Angriffen zurückziehen", sagte Giffey. Der Aktionstag solle deshalb auf die bestehenden Hilfsangebote aufmerksam machen und Frauen Mut machen sich gegen Gewalt zu wehren.

Welche Ausprägungsformen digitaler Gewalt gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Formen von Gewalt, mit der Frauen konfrontiert werden - beispielsweise der Ausschluss aus Messenger-Gruppen, Cyber-Mobbing, Bloßstellen und Anschwärzen ("Doxing"), Cyber-Stalking, Nötigung oder Erpressung, Verbreiten von Gerüchten und Diffamierungen, Identitätsmissbrauch und -diebstahl oder die Offene Androhung von Gewalt.

All dem müsse man sich entschieden entgegenstellen, betonte Giffey am Aktionstag. Das Internet solle ein offener Raum sein, in dem jeder Mensch seine Meinung äußern kann, ohne damit rechnen zu müssen, beleidigt oder bedroht zu werden.

Wie kann Betroffenen geholfen werden?

Es gibt Möglichkeiten und Wege, sich gegen Gewalt zu wehren. Hilfsangebote sind beispielsweise:

  • Frauenhilfetelefon: Unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 beraten und informieren die Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" rund um die Uhr in 18 Sprachen zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen.
  • Fachberatungsstellen: Bundesweit gibt es mittlerweile mehr als 600 Fachberatungsstellen, an die sich Betroffene wenden können. Sie sind darauf spezialisiert, Frauen zu beraten, unterstützen und begleiten, die Opfer von Gewalt geworden sind.
  • Jungendschutz.net: Auch Kinder und Jugendliche können im Netz von Gewalt betroffen sein. Verstöße gegen den Jugendmedienschutz können Eltern, Kinder und Jugendliche deshalb bei der Online-Beschwerdestelle von jugendschutz.net melden.

Auf der Internetseite www.stärker-als-gewalt.de werden zudem erstmals bundesweite Unterstützungsangebote und Informationen gebündelt, die dabei helfen, Gewalt besser zu erkennen, Betroffene effektiver zu unterstützen und Auswege aus der Gewalt zu finden.

Mit welchen Maßnahmen und Programmen unterstützt die Bundesregierung?

Deutschland hat das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt – auch bekannt als "Istanbul-Konvention" – ratifiziert und sich verpflichtet,  Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen und Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen.

Runder Tisch "Gegen Gewalt an Frauen": Seit 2018 arbeitet der vom Bundesfrauenministeriums eingerichtete Runde Tisch von Bund, Ländern und Gemeinden, mit dem das Hilfenetz deutlich verstärkt und verbessert werden soll. Mit dem Bundesförderprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" werden in den nächsten vier Jahren ab 2020 insgesamt 120 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern zur Verfügung gestellt. Außerdem werden bis 2022 jährlich fünf Millionen Euro für die Förderung innovativer Projekte zur Verfügung stehen.

Initiative "Stärker als Gewalt": Als Teil des Aktionsprogramms "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" startete das Bundesfrauenministerium 2019 die bundesweite Initiative "Stärker als Gewalt". Sie informiert über einzelne Formen von Gewalt und zeigt Wege zur Hilfe auf, wie jede und jeder Gewalt beenden kann. Die Ziele der Kampagne sind: Ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, das Gewalt an Frauen und Männern verurteilt, Menschen zu motivieren, sich gegen Gewalt einzusetzen, Betroffenen zu helfen sowie bestehende Hilfsangebote für Betroffene und ihr Umfeld bekannter zu machen.

Darüber hinaus geht die Bundesregierung gegen die Verletzung der Intimsphäre durch das sogenannte "Upskirting" oder "Downblousing" vor. Oft entstehen solche Fotos oder Videos im öffentlichen Raum, beispielsweise auf einer Rolltreppe, und werden anschließend in Chatgruppen geteilt oder sogar verkauft. Die auf Initiative der Bundesregierung erfolgte Anpassung des Strafgesetzbuches sind Anfang dieses Jahres in Kraft getreten.

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