Roboter interviewt Merkel

Fahrplan in die digitale Welt

Bundeskanzlerin Merkel will die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft aktiv vorantreiben. Deutschland müsse wieder neugierig auf Zukunft sein. Bei der Veranstaltung "Morals & Machines" in Berlin legte sie Eckpunkte zur Digitalisierung vor und stellte sich einem Interview mit dem humanoiden Roboter "Sophia".

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht neben Miriam Meckel mit dem humanoiden Roboter "Sophia"

Die Kanzlerin bei der Konferenz "Morals & Machines" der Wirtschaftswoche mit Roboter "Sophia" und Miriam Meckel.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwochabend in der Berliner St. Elisabeth-Kirche einen Roboter als Gesprächspartner. "Nun, Sophia", begann die Kanzlerin und wandte sich an den auf der Bühne stehenden Roboter, "ich bin froh, Dich kennenzulernen". Sie solle es ihr aber nicht übel nehmen, dass sie aus Protokollgründen deutsch mit ihr spreche. "Natürlich", erwiderte Sophia auf Englisch und lobte die "beeindruckende emotionale Intelligenz" der Kanzlerin. Sophia ist eine lernende Maschine und Software aus Hongkong.

1. Fördern und Fordern

"Ich möchte auch deutsche Roboter dieser Art", so Merkel. Nötig sei deshalb eine breite Offensive Europas für Künstliche Intelligenz (KI). Für Deutschland kündigte die Kanzlerin die Entwicklung einer deutschen Digitalstrategie bis Ende des Jahres an. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht satt werden", sagte Merkel. "Wir haben eine Chance aufzuholen, vor allem im Bereich Internet der Dinge. Da müssen wir jetzt aber schnell rein." Von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft forderte die Kanzlerin, wieder mutiger auf Veränderungen zu reagieren. "Das disruptive Denken muss wieder gestärkt werden in Europa."

2. Arbeitswelt auf Zukunft ausrichten

Die Digitalisierung hätte Folgen für die Arbeitnehmer, sagte die Kanzlerin in Bezug auf die Sorgen vieler Menschen. Wie sich Künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt auswirke, sei eines der drei Schlüsselthemen, denen sich die Bundesregierung im Zuge ihrer KI-Strategie besonders widme, versicherte Merkel. Wichtig sei eine Kultur des lebenslangen Lernens. Komme alles so, wie sie sich das wünscht, müsse auch über eine neue Finanzierung von Staat und Sozialstaat gesprochen werden. Dazu gehöre auch eine bessere Besteuerung von Digitalkonzernen in Europa, so die Kanzlerin.

3. Werte als Leitplanken

Leitlinien für selbstlernende Programme seien unabdingbar. "Man darf nicht, wie bei der Kernspaltung, das Machbare einfach geschehen lassen. Das wird bei der KI auch so sein. Behaltet Euch als Menschen die Hoheit und setzt Euch Leitplanken", sagte Merkel. Das physikalisch machbare sei nicht das menschlich ausreichende. "Wir müssen die Dinge so steuern, dass der Mensch die Hoheit hat."

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