Grütters besucht den "Internationalen Suchdienst"

Ein Mahnmal aus Papier

Im Bad Arolsen dokumentieren rund 30 Millionen Zeugnisse die Schicksale verfolgter NS-Opfer und befreiter Überlebender. Bei einem Besuch betonte Staatsministerin Grütters die Bedeutung des Internationalen Suchdienstes. Er sei ein wichtiger Baustein der Erinnerungskultur und ein einzigartiges Archiv.

Karteikarte

Hinter jeder Karte steht ein Schicksal: Nach 1945 waren Millionen Menschen "Displaced Persons".

Foto: International Tracing Service (ITS)

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich im hessischen Bad Arolsen über die Arbeit des International Tracing Service (ITS) informiert und dessen umfangreiches Archiv besichtigt. Hier werde "das Ausmaß und die Systematik der NS-Verbrechen eindringlich dokumentiert", so Grütters.

Verantwortung gegenüber den Opfern

Sie mahnte, mit dem wichtigen Weltdokumentenerbe verantwortungsvoll umzugehen. "Für uns ist es gleichermaßen Verantwortung und Verpflichtung gegenüber den Millionen Opfern des NS-Regimes, die authentischen Zeugnisse zu bewahren".

Seit 2013 sind die Originaldokumente des Archivs Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes "Memory of the World". Dazu zählt auch die Zentrale Namenkartei mit rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen befreiten Menschen - den "Displaced Persons".

Zeugnisse zu Haft, Zwangsarbeit und Befreiung

Mit seinem großen Bestand an Arbeitsbüchern, Akten und Karteikarten dokumentiert der ITS die Schicksale NS-Verfolgter und deren Nachfahren. Das Archiv erschließt so Informationen über Inhaftierte und Zwangsarbeiter, gibt aber auch Aufschluss darüber, wie die Alliierten unmittelbar nach Kriegsende die Suche nach Überlebenden angingen.

Blick auf Einzelschicksale

Die vom ITS verwahrten Originaldokumente zum Schicksal von Pater Engelmar sowie seine Uhr und seine Ordens-Medaillen.

Uhr und Dokumente von Pater Engelmar: Der Geistliche starb im KZ Dachau.

Foto: International Tracing Service (ITS)

Das Archiv kann sowohl zu Forschungs- und Bildungszwecken genutzt wie auch für persönliche Recherchen. Neben Akten und Dokumenten bewahrt der International Tracing Service auch circa 2.700 Gegenstände namentlich bekannter Opfer, oft letzte Erinnerungsstücke mit großem ideellen Wert für Angehörige.

Für die Aufarbeitung sei das Archiv auch deshalb wichtig, weil es einen "ganz persönlichen Blick auf das Einzelschicksal" ermögliche, betonte Grütters. Die Dokumente geben den Toten ihre Identität zurück, die die Nationalsozialisten ihnen nehmen wollten".

Nutzung der Dokumente verbessern

Floriane Hohenberg, Direktorin des Suchdienstes, möchte den Zugang zu dem einmaligen Bestand erleichtern und ihn einer breiteren Öffentlichkeit zugängig machen. Seit 2015 gibt es ein Online-Archiv. Für den Bau eines neuen Archivgebäudes ist ein Ausstellungraum fest eingeplant. 2015 sind 15.500 Suchanfragen von Überlebenden oder Familienangehörigen eingegangen.

Der International Tracing Service (ITS) verwahrt mehr als 30 Millionen Dokumente aus der Zeit des NS-Regimes und der Nachkriegszeit. Es wird aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin finanziert. 2016 wird es mit rund 14 Millionen Euro gefördert.

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