Bundesanstalt Technisches Hilfswerk

Eine "Behörde", die vom Ehrenamt lebt

Waldbrand, Hochwasser, Blackout des Stromnetzes – bei solch akuten Krisen schlägt die Stunde des THW. Mit Spezialgerät und technischer Expertise ausgestattet, leistet es wertvolle Hilfe in großer Not. Für die Einsatzkräfte ist ihr Engagement eine Herzensangelegenheit: Fast alle erledigen diesen Job ehrenamtlich – und das nicht nur in Deutschland.

Bei einer Übung versuchen zwei THW-Helfer, sich durch Betonplatten zu bohren, um verschüttete Personen zu bergen.

Eine auch international gefragte Kernkompetenz des THW: Verschüttete Personen bergen - wenn nötig, mit schwerem Gerät.

Foto: THW/Kai-Uwe Wärner

Am Nachmittag des 19. Februars 2019 wurde es in den Berliner Stadtteilen Köpenick und Müggelheim noch dunkler, als zu dieser Jahreszeit ohnehin üblich: Bauarbeiter beschädigten eine wichtige Stromleitung, 30.000 Haushalte und 2.000 Betriebe mussten ohne Elektrizität auskommen. Ebenfalls betroffen: öffentliche Einrichtungen, vom Krankenhaus über Pflegeeinrichtungen bis hin zu Schulen. Auch Bahnanlagen standen still, Züge fielen aus.

Situationen wie diese sind es, in denen das THW seine Kernkompetenzen ausspielt. Seit 1950 gibt es die Katastrophenschutzorganisation des Bundes, angesiedelt im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums. Das Besondere:  Ohne die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer würde diese "Bundesanstalt" – so ihre formale Bezeichnung – in dieser Form nicht existieren. Um flächendeckend helfen zu können, werden die rund 1.400 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von knapp 80.000 Ehrenamtlichen unterstützt – das ergibt eine Ehrenamtsquote von über 98 Prozent.

Auch der Meteoriteneinschlag wird geübt

Wie sehr das THW gebraucht wird, zeigt die Statistik eindrücklich: Allein im Jahr 2018 rückten seine Einheiten zu mehr als 12.000 Einsätzen oder sonstigen technischen Hilfeleistungen aus, leisteten die Helferinnen und Helfer über 870.000 Stunden Dienst. Herausforderung und Anreiz zugleich sind dabei die Vielfalt der Situationen, mit denen das THW konfrontiert wird. Der "Katalog der Einsatzoptionen" des THW umfasst über 200 Seiten. Auch Meteoriteneinschläge sind dort aufgeführt – und das nicht nur als Phrase: Im August 2019 nahmen 600 THW-Ehrenamtliche an der Übung "Panta Rhei 2019" in und um Limburg teil, in der genau dieses Szenario trainiert wurde.

Praktisch kommt das THW in Deutschland meistens dann zum Einsatz, wenn die Möglichkeiten der Feuerwehren oder anderer Rettungseinrichtungen nicht mehr ausreichen: Nach schweren Unwettern, wenn Keller ausgepumpt und umgestürzte Bäume entfernt werden müssen. Bei anhaltenden Hitzeperioden, wenn bei abgelegenen Waldbränden das Löschwasser knapp wird oder Menschen und Tiere evakuiert werden müssen. Nach Explosionen, wenn Gebäude einzustürzen drohen oder verschüttete Personen geborgen werden müssen.

Flächendeckendes Netz sichert schnelle Hilfe

Das bundesweite Netz von knapp 670 Ortsverbänden ermöglicht es dem THW, flächendeckend schnell Hilfe leisten zu können. Jeder Ortsverband verfügt über mindestens zwei universell einsetzbare Bergungsgruppen, die darauf ausgerichtet sind, ein möglichst breites Aufgabenspektrum wahrnehmen zu können. Zudem stellt jeder Ortsverband mindestens eine Fachgruppe, die Spezialwissen für besondere Einsatzlagen mitbringen – sei es für Trinkwasserversorgung, Brückenbau oder Notinstandsetzungen.

Deutschlandweit verfügt das THW über 1.400 Bergungs- und 1.000 Fachgruppen. Mehr als 11.100 Fahrzeuge und Anhänger gehören zur Ausstattung.

Botschafter Deutschlands – das THW im weltweiten Einsatz

Die Einsätze des THW machen an den Grenzen Deutschlands nicht Halt. Allein 2018 wurden im Auftrag der Bundesregierung mehr als 1.500 Expertinnen und Experten ins Ausland entsendet, um technisch-logistische Hilfe zu leisten. Die Einsatzkräfte der " Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland" und " Wasserversorgung" (SEEBA und SEEWA) sind nur wenige Stunden nach Alarmierung abflugbereit und weltweit einsetzbar. Erst Ende November 2019 entsendete das THW ein zweiköpfiges " Technical Assistance Support Team" (TAST) nach Albanien, um dort die Koordinierung der Rettungsarbeiten nach dem schweren Erdbeben zu unterstützen.

Ehrenamt im THW weiter stärken

Die Bundesregierung möchte das Ehrenamt weiter stärken – auch und gerade mit Blick auf das THW. 2019 beträgt das Gesamtbudget des THW gut 281 Millionen Euro – fast 27 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Für 2020 steigt das Budget noch einmal um über 30 Millionen Euro. 72 Millionen Euro investierte das THW 2019 unter anderem in neue Fahrzeuge. Zudem stehen 2020 über 190 zusätzliche Stellen bei den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung, davon 85 für die Koordination und Umsetzung des Bundesfreiwilligendienstes im THW.

Erst diese Woche hat die Bundesregierung eine Aktualisierung des THW-Gesetzes beschlossen. Damit wird nicht zuletzt der Tatsache Rechnung getragen, dass sich die Rahmenbedingungen für den Zivil- und Katastrophenschutz verändert haben. So sorgen etwa die Verletzlichkeit kritischer Infrastrukturen wie der Strom- und Wasserversorgung oder die Folgen des Klimawandels für neue Herausforderungen. Diesem Wandel stellt sich das THW – durch die Anpassung seiner Fähigkeiten sowie einer Modernisierung seiner technischen und logistischen Strukturen.

Mitmachen im THW – ein lohnendes Engagement

Die 80.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des THW freuen sich immer über Unterstützung durch neue Kolleginnen und Kollegen. Als Gegenleistung für ein Engagement winkt eine professionelle technische Ausbildung, die auch im Leben außerhalb des THW von großem Nutzen sein kann. Vielleicht noch wichtiger: Jede und jeder, der mitmacht, wird Teil einer starken Gemeinschaft – mit interessanten Menschen, die sich gemeinsam immer wieder neuen Herausforderungen stellt.